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Vier-Wochen-Check: das iPad im Härtetest

Drei Millionen iPads verkaufte Apple in nur 80 Tagen. Der Großteil allerdings nur in den USA. Unser Gadget-Blogger Felix Disselhoff hat das Apple-Tablet einen Monat lang in allen Lebenslagen getestet und dabei keine Rücksicht auf die Technik genommen. Egal, ob am Frühstückstisch, in der vollbesetzten U-Bahn, am Strand, im Flugzeug oder im ICE: Die Flunder musste mit. Dabei machte er einige unerwartete Entdeckungen. Sein Fazit: Deutsche, kauft mehr iPads!

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Drei Millionen verkaufte iPads in 80 Tagen. Der Großteil allerdings noch in den USA. Einen Monat lang habe ich das Apple-Tablet in allen Lebenslagen getestet und dabei keine Rücksicht auf die Technik genommen. Egal, ob am Frühstückstisch, in der vollbesetzten U-Bahn, am Strand, im Flugzeug oder im ICE: Die Flunder musste mit. Und machte dabei einige unerwartete Entdeckungen. Mein Fazit: Deutsche, kauft mehr iPads!

Ein Monat mit dem iPad. Ein Monat mit diesem Ding, dass einige die "Wunderflunder" nannten, andere die "Rettung für die Printbranche" prophezeiten. Zu Lande, zu Wasser, auf den Gleisen und in der Luft habe ich das Apple-Tablet getestet. Aber der Reihe nach.

Bevor mir das Testgerät (iPad 3G mit 64GB) ausgehändigt wurde, war ich mehr als skeptisch. Zu schwer in den Händen, zu beschränkt in seinen Funktionen, zu wenig kompatibel zu USB-Geräten etc. war es mir. Und außerdem: Was soll man schon mit einer aufgeblasenen Version des iPhones? Meine Zweifel waren nach ca. zehn Minuten vollends verflogen. Natürlich erinnert das iPad an das iPhone, natürlich funktioniert es über Apps. Aber der Umgang mit der Technik, die Art und Weise Apps zu steuern oder darauf Medien zu konsumieren, entscheidet sich grundlegend vom iPhone. Das hat vor allem mit dem Display zu tun. Im Note- und Netbookbereich ist mir in den letzten Monaten bzw. Jahren kein Bildschirm untergekommen, der Farben so brillant und kontrastreich wiedergibt. Auch Sony mit seinen hervorragenden Vaio-Display muss da zurückstecken. Ein großes Manko allerdings: Genau wie beim ersten iPhone-Display ist man ständig bemüht, Fingerabdrücke und Schlieren von der Oberfläche zu polieren. Das wird auf Dauer recht nervig. Entspiegelte Folien schaffen da Abhilfe.

Die Bedienung
Die Bedienung der iPad-Apps verhält sich anders als beim kleinen Bruder iPhone. Während man auf dem Smartphone-Display beinahe alles mit dem Daumen kontrolliert, nutzt man beim iPad meist mehrere Finger oder gleich beide Hände. So auch beim Tippen von E-Mails. Womit wir bei der virtuellen Tastatur angelangt werden. Die taugt fürs rasche Tippen einer kurzen Antwort allemal. Diesen Blogtext würde ich allerdings auf der Glasfläche nicht so schnell heruntertippen können, wie auf einer normalen Tastatur. Das mag zum einen Gewohnheit, zum anderen der Tatsache geschuldet sein, dass die virtuelle Tastatur sehr viel mehr Präzision beim Tippen erfordert.

Der Akku
Was habe ich nicht schon über die Akkuleistung meines iPhones geflucht. Bei ständiger Benutzung hält der nämlich maximal einen Tag. Beim iPad hat Apple kräftig nachgebessert. Bei gelegentlichem Surfen, schnellen Spielen zwischendurch und Lesen einiger Seiten in iBooks hält das Gerät problemlos drei Tage und mehr. Zwei bis drei Filme bei aufgeladenem Akku sind ebenfalls kein Problem.

Wlan und UMTS
In den USA häufte sich kurz nach dem Verkauffstart die Kritik an der Emfpangsqualität des iPads. In ersten, rein unwissenschaftlichen, Tests verlor das iPad schneller das W-Lan-Signal als das iPhone oder ein Macbook. Gleichzeitig erkannte es auch weniger Access-Points als ein Macbook. Die Erfahrung habe ich mit meinem Testgerät nicht gemacht. Allerdings bezog sich die Kritik auf das iPad Wifi. Die UMTS-Fähigkeiten hängen natürlich auch von der Netzabdeckung des Carriers ab. In meinem Fall Vodafone. In meinem Fall war die Verbindung überall ausreichend schnell. Verbindungsabbrüche gab es nur selten. Egal ob in der Bahn, im U-Bahn-Tunnel, am Strand oder im Café. Einer der großen Vorteile gegenüber Note- und Netbooks: Das iPad ist sofort einsatzbereit. Kein Booten, kein Einloggen, nur die Bildschirmsperre aufheben und losgooglen.

Lesen auf dem Tablet
Ich muss es jetzt einmal sagen: Danke, Onkel Steve! Seitdem ich das iPad besitze, ist nämlich etwas passiert, mit dem ich nicht im Geringsten gerechnet hatte. Dieses kleine Ding hat mich wieder zum Lesen gebracht. Ich meine damit nicht E-Mails oder Nachrichten, sondern Bücher. Was als kleine Testlektüre begann, endete in einem nächtelangen Lesemarathon. Der Vorteil gegenüber analogem Lesestoff: Dank der Hintergrundbeleuchtung kann man auch in völliger Dunkelheit lesen. Meinem Empfinden nach ist das Tablet nicht so schwer, wie viele Kritiker meinten. Immerhin halte ich ja auch kein Buch in einer Hand und blättere mit derselben Hand die Seiten um. Das Kontrastverhältnis ist so gut, dass auch bei direkter Sonneneinstrahlung Texte lesbar bleiben.

Und auch das Lesen von Texten im Netz macht wieder Spaß. Denn ein Tablet hat einen gewaltigen Vorteil: Ich kann mich zurücklehnen. Das Lesegefühl ist ein völlig anderes, wenn ich mich nicht zum Bildschirm hinbeugen muss. Ein Kollege berichtete, dass er jetzt schon um 22 Uhr die "Süddeutsche Zeitung" von morgen als Pdf lesen kann. Und gerade Magazine wie "Wired" oder "Time" nutzen im Gegensatz zu den Apps der "Welt" oder des "Spiegels" die volle technische Bandbreite, die ein Tablet bietet. Direkt in den Texten lassen sich Videos abspielen, 3D-Modelle von allen Seiten betrachten oder Zwischenstopps einer Reiseroute mit den Finger nachfahren. Ein völlig neues Leseerlebnis. Zumindest, wenn man das Endgerät in seinen Fingern hält und nicht in einen Bildschirm starrt.


Surfen ohne Flash

Bei den täglichen Reisen durch die deutsche Netzwelt hat mich das iPad überrascht. Ich ging davon aus, dass es Apps braucht, um Content vernünftig konsumieren zu können. Weit gefehlt. Selbst Fotostrecken lassen sich komfortabel durchklicken. Per Doppelklick auf den gewünschten Bereich vergrößert das iPad Spalten auf Bildschirmgröße. Dass kein Flash unterstützt wird, fiel mir weniger bei den Angeboten der Nachrichtenportalen auf, als bei YouTube. Während Spiegel Online, Zeit Online und stern.de auf das appletaugliche HTML5 für ihre Videos umgestellt haben, waren viele YouTube-Clips, die am Rechner angezeigt werden, auf dem iPad nicht abspielbar.

Gaming auf dem iPad
Kurz gesagt: Spielen auf dem iPad ist eine sehr "spezielle" Angelegenheit. Mit Gaming auf Spielekonsolen oder dem PC hat das recht wenig zu tun. Die Spiele sind, genau wie auf dem iPhone und iPod touch, auf die Bedienung mit dem Finger ausgerichtet. Das macht bei Klassikern wie Worms oder Command&Conquer richtig viel Spaß, gestaltet sich aber bei Rennspielen wie NeedforSpeed überaus umständlich. Geschmackssache.

Kinderkrankheiten
Jeder Apple-Fan weiß eigentlich: Kaufe kein Applegerät der ersten Generation. Leidet das iPad also an den appeltypischen Zipperlein? Ja, ein wenig. Nach einigen Minuten am Strand bei direkter Sonneneinstrahlung schaltete sich das Gerät wegen möglicher Überhitzung aus. Außerdem beendeten einige Apps aus unerfindlichen Gründen ihren Dienst. Ob das an den Programmen selbst lag oder ein Fehler im Betriebssystem ist, kann ich nicht beantworten. Allerdings sollte Apple an der Hitzeabfuhr der nachfolgenden Generation arbeiten. Immerhin will man sein Tablet ja auch im Freien benutzen.

Welches Zubehör braucht man unbedingt?
Wer seinen iPad ohne Kratzer und Macken durch den Sommer bringen will, kann ohne Bedenken zum iPad Case greifen. Damit gewinnt man zwar keinen Schönheitspreis, mit einigen Handgriffen taugt es aber als angewinkelte Knieauflage oder umgedreht als Ständer, wenn Freunde oder Kollegen mitbekommen sollen, was auf dem Bildschirm passiert. Wer nicht alle paar Stunden das Display polieren will, sollte allerdings den Onlineshop seines Vertrauens aufsuchen und eine Displayfolie bestellen. Das Camera Connection Kit kann durchaus sinnvoll sein, hat mir in den ersten Wochen allerdings nicht gefehlt. Immerhin bearbeite ich meine Bilder am Rechner, bevor ich mir Sie auf dem iPad anschaue.

Welche Apps sind unverzichtbar?
Wer nicht ohne seine RSS-Feeds leben kann, dem sei die App "Reeder" ans Herz gelegt. Das Tool greift auf die Daten des Google Readers zurück. Feeds lassen sich in Gruppen sortieren, Texte werden optisch ansprechend präsentiert. Wer gerne Filme und Serien schaut und nicht jedesmal die Clips konvertieren und auf dem iPad speichern möchte, sollte einmal "Air Video" testen (den Link und weitere iPad-Tricks gibt es hier). Per Server-Client-Lösung wird der Filmeordner auf dem Rechner einfach freigegeben, die iPad-App selbst konvertiert dann on-the-fly jedes Videoformat über Wlan und zeigt die Videos ruckelfrei in guter Qualität an. Wer mit Stil einkaufen will, kann sich noch "MeinProspekt" oder "KaufDA" runterladen. Per GPS ermitteln die Apps den Standort des Users und die entsprechenden Supermärkte und Möbelhäuser im Umkreis. Prospekte werden dann in entsprechenden Rubriken unterteilt und können, wie bei einer Fotogalerie, durchgezappt werden.

Fazit: Das iPad ist Luxus. Man braucht es nicht. Doch wenn man es besitzt, machen Surfen im Netz, Lesen und Filme schauen umso mehr Spaß. Es ist kein Gerät, dass Sie zum Zeichnen animiert oder die Kreativität fördert. Es ist ein Konsumgerät, mit dem Lesen, Surfen und Filmeschauen einfach noch mehr Spaß machen.

Zum Schluss möchte ich doch noch eine, wenn auch nicht ganz ernst gemeinte, Frage in den Raum werfen:

Ist Deutschland bereit für das iPad?
Meine Erfahrungen sind gemischt. An Bord eine Air-Berlin-Maschine bat man mich, das iPad auszuschalten. Und das, obwohl es sich schon im Flugmodus befand. Die Erklärung, dass ich doch gerade nur ein Buch lesen würde, half nichts. Mein Sitznachbar musste sein analoges Buch derweil nicht zuklappen. Ganz anders, und zu meinem Erstaunen, bei der Deutschen Bahn. Testhalber druckte ich mein Ticket nicht aus, sondern öffnete das Pdf lediglich auf dem iPad. Das Abscannen funktionierte problemlos. Zum Glück hat mir die freundliche Schaffnerin kein Loch ins Display gestanzt…

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