Heidis schrille Bunga-Bunga-Show

Der Staffelstart von “Germany’s next Topmodel” war von den Zuschauerzahlen her der schwächste seit 2006. Dabei hat Drillmeisterin Heidi Klum diesmal zum Start die Schrauben sogar noch angezogen. Mit Jorge Gonzales gibt es einen radebrechenden Ersatz-Bruce-Darnell, ein Nachwuchs-Model hatte Blut im Schuh, eine emotionale Krankheitsgeschichte wurde eingebaut. Aber alles hilft nichts. Heidis schrille Bunga-Bunga-Show hat ihren Zenit überschritten.

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Bunga-Bunga – so bezeichnete der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Privat-Partys,  bei denen sehr junge Mädchen angeblich nur tanzten und Spaß hatten. Heidi Klums Staffelauftakt zu “Germany’s next Topmodel” wirkte wie eine TV-Show im Berlusconi-Stil. Die Kameras rückten den “Mädels” zu Leibe, die blutjungen Teilnehmerinnen wurden auf eine Bühne vor eine johlende Masse geschubst, es gab allerlei entwürdigende Drill-Spielchen, wie Laufübungen durch den Schnee oder über einen wackeligen Steg über ein Schwimmbecken.

Alles war aufgekratzt, die “Mädels” fanden alles “geil” bzw. “cool”, obwohl sich die eine oder andere schon fragte, was das mit dem “Gesichts-Yoga” oder dem Laufen durch den Schnee nun sollte. Beim “Gesichts-Yoga” hatte Jorge Gonzales seinen Auftritt. Er ist seit der vorigen Staffel der neue Catwalk-Trainer und Heidi Klum versucht mit ihm offenbar an den alten Erfolg mit Bruce Darnell anzuknüpfen. Gonzales ist ein androgyner Typ mit geplättetem Indianer-Haar, dürrer Brust und großem Mund. Und natürlich ist er völlig schmerzfrei. In einem unverständlichen Kauderwelschs fordert er die “Mädels” auf, Grimassen zu schneiden (“Gesichts-Yoga” eben) oder er stakst selbst in knallengem Badeanzug und zu hohen Schuhen über den Wackel-Steg. Das ist genau die Art Crazy-Fashion-Freak, die die “Topmodel”-Show einst groß machte. Auch bei der Jury-Besetzung versucht Heidi Klum ein Back-to-the-Roots. Thomas Hayo und Thomas Rath wirken wie Spar-Versionen des ehemals beliebten Sidekick-Duos Rolfe und Peyman.

Das alles wirkt wie eine Art Verzweiflung, denn die alten Zeiten sind vorbei. Und statt das Konzept der Show zu modernisieren, werden lediglich die Eskalationsstufen angehoben und es wird eifrig an der Emo-Schraube gedreht. So gibt es diesmal schon in der allerersten Folge alle Zutaten des Topmodel-Dramoletts, das sich sonst erst über mehrere Folgen hinweg aufbaute: den Zickenkrieg, den Promi-Auftritt (Pop-Sternchen Kesha), willkürliche Jury-Entscheidungen, Tränen, die emotionale Schicksals-Geschichte. Und hier hatte man als Zuschauer auch wirklich ein unangenehmes Gefühl. Mitten drin im Bunga-Bunga-Rummel wurde urplötzlich enthüllt, dass eine Kandidatin an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war. Holterdipolter wechselte die Show Stil und Tempo und begleitete die Kandidatin im Schweinsgalopp ein paar Sekunden lang durch ihre Krebs-Therapie. Kommentar des besorgten Vaters, Schnitt auf die Ärztin, Schnitt auf Heidi Klum. Und schon ging das hohle Gedröhne weiter.

Am Folgetag machte die Bild in bestem Crosspromotion-Stil mit dem Krebs-Drama bei den Topmodels auf. Heidi Klum versucht, ihre strauchelnde Show mit einem Strohfeuer an Effekten und Aufmerksamkeit zu retten. Es wird ihr vermutlich ebensowenig gelingen, wie es Berlusconi je wieder gelingen wird, sein Bunga-Bunga-Image loszuwerden. Der Auftakt dieser Staffel “Germany’s next Topmodel” markierte den Anfang vom Ende dieses Formats.

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