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Beim lieben Gott musste die Maus passen

Feliz cumpleaños, ratón! "Das war: Spanisch", würde der Sprecher jetzt im Vorspann der "Sendung mit der Maus" verraten. Es bedeutet "Herzlichen Glückwunsch, Maus!" Die Kindersendung feiert am Montag ihren 40. Geburtstag. Seit 1971 laufen die Lach-und Sachgeschichten sonntagsvormittags im Ersten. Im MEEDIA-Interview spricht Maus-Macher Armin Maiwald, an welcher Kinder-Frage er verzweifelt ist, sein Kollege Christoph immer einen grünen Pullover trägt und wie sich das Format über die Jahre verändert hat.

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Herr Maiwald, wenn ich Sie jetzt fragen würde: Wie macht man eine erfolgreiche Kindersendung? Wie würde der Film darüber in "Die Sendung mit der Maus" aussehen?
Es würde auf jeden Fall eine ziemlich lange Geschichte werden. Denn wir müssten eine Menge Dinge über unsere doch sehr spezielle Arbeitsweise erklären. Und ob das für unsere Zuschauer besonders spannend wäre, wage ich zu bezweifeln. Denn die Recherche, das viele Herumfragen, bis wir ein Thema selbst begriffen haben, ist für Außenstehende wahrscheinlich doch nicht so interessant. Danach kommt viel Grübelei am Schreibtisch und vor dem Rechner, wie daraus eine Maus-Geschichte werden soll. Optisch ist das alles nicht sehr aussagekräftig. Man sieht nur quasselnde Leute, Telefonate und nachdenkliche Gesichter. Fänden Sie das lustig??
Lustig weniger, aber interessant. Das Konzept der Sendung sieht vor, dass Kinder Fragen stellen und Sie die Antworten in Ihren Einspielern geben. An welcher Antwort sind Sie schon mal verzweifelt?
An der Blumenuhr von Carl von Linné. Der hat vor etwa 200 Jahren herausgefunden, dass bestimmte Blumen zu einer bestimmten Zeit ihre Blüten öffnen und sie zu einer anderen bestimmten Zeit wieder schließen. Fanden wir spannend, wollten wir ausprobieren. Drei Jahre hintereinander haben wir es versucht, es ist uns nicht gelungen. Wir wissen bis heute nicht, warum.
Wie viele Fragen sind seit 40 Jahren in der Redaktion eingegangen?
Vor ein paar Jahren haben wir mal die Aktion gestartet "Frag doch mal … die Maus". Da kamen auf einen Schlag über 70.000 Fragen. Wenn man alle 40 Jahre zusammennimmt, sind es bestimmt weit über 100.000.
Mussten Sie auch mal bei einer Antwort passen?
Ja, die Frage lautete: Wo wohnt der liebe Gott?
Auf welche Sachgeschichte sind Sie besonders stolz?
Auf eine ganze Reihe, aber es wäre ungerecht, jetzt eine einzelne herauszuheben.
Welche zählen denn dazu?
Zum Beispiel die "Geschichte von Katharina", die "Nachkriegsmaus", die "Atom-Maus", die "Rom-Maus", Specials wie die "Flugzeugmaus", die "Automaus", die "Schiffsbau-Maus", "Was macht Vitamin C in meinem Körper", "Abschied von der Hülle".
Vor 40 Jahren ging die Maus auf Sendung. Hätten Sie gedacht, dass sie sich so lange hält?
Nie im Leben.
Warum nicht?
Nun, wir bekamen zu Beginn auch Gegenwind. Damals waren aber die Redaktionen so, dass gesagt wurde, wir sind noch nicht perfekt, aber die Richtung ist richtig. Damals gab es den Quotendruck noch nicht. Aber die Redaktion hatte den Mut und das Kreuz, das durchzustehen.
Zu den Markenzeichen der Sendung gehört der grüne Pullover ihres Kollegen Christoph Biemann. Wie kam es dazu?
Christophs grüner Pullover geht auf die "Atom-Maus" zurück. Weil ein Film ja nicht an einem Tag zu drehen ist, muss man vor der Kamera darauf achten, dass man beim nächsten Dreh die gleichen Sachen an hat, wie beim letzten Drehtag. Und weil Sachen nach einem harten Drehtag manchmal etwas streng riechen, muss man sie waschen. Den von heute hat er in der Nacht gewaschen und am nächsten Tag getrocknet. Weil er aber einen zweiten grünen Pullover hatte, hat er den dann angezogen. Mittlerweile hat er etwa 10 – glaube ich, sie sind sein Markenzeichen geworden.
Und wie kam es dazu, dass Sie die Erklärstücke gesprochen haben?
Dass mit meiner Stimme ist auch ein Zufall. Bei den ganz frühen Geschichten war der Günther Dybus unser Sprecher. Das ist der, der auch heute noch den Vorspann spricht: "heute mit…., und natürlich mit der Maus…". In den 70er Jahren hatte ich einen Film gemacht, wo wir einen Jungen an seinem Geburtstag überrascht haben. Den Text dazu hat zunächst auch Günther Dybus gesprochen. Bei der technischen Abnahme war der damalige Redakteur, Gert Müntefering, wütend und fragte mich, was ich denn an dem Film geändert hätte. Ich hatte nichts geändert und war mir auch keiner Schuld bewusst. Am nächsten Tag rief er mich an und sagte: "Ich glaube, ich weiß, woran‘s liegt. Am Schneidetisch hast du den Text so einfach locker nebenher erzählt (ging damals gar nicht anders, der Schneidetisch hatte nur zwei Tonspuren), tu mir mal den Gefallen, geh noch mal ins Tonstudio, und erzähl den Text so runter wie an Schneidetisch". Hab ich dann gemacht. "Genau, das war’s, machste ab jetzt immer", war sein Kommentar. Und so bin ich dazu gekommen, die Texte zu meinen Filmen selbst zu sprechen.
Improvisieren Sie noch immer Ihre Stücke?
Ja, ich lese meine Texte nie ab, ich schau aufs Bild und erzähle dazu. Ablesen oder gar Teleprompter, das könnte ich gar nicht.
Wie hat sich die Art, Kindersendungen zu machen, über die Jahrzehnte verändert?
Wir sind schneller geworden, die ganze Sehweise hat sich verändert, und selbstverständlich sind es heute ganz andere Fragen, die die Kinder uns stellen. Computer, Internet, Umwelt, Müll, Nachhaltigkeit beschäftigt uns heute mehr. Viele der modernen Fragen konnten damals noch gar nicht gestellt werden, weil es das alles noch gar nicht gab.   
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im Gegensatz zu den privaten einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Wird er diesem im Ersten im Bereich Kinderfernsehen gerecht?    
Für die "Sendung mit der Maus" – und nur dafür kann ich sprechen – tun wir unser Bestes!
Die Zuschauerzahlen zeigen, dass wesentlich mehr Erwachsene "Die Sendung mit der Maus" sehen als Kinder. Nach einer Media Control-Auswertung ist fast die Hälfte über 50 Jahre alt. Zudem schalten auch immer mehr Zuschauer ein. Wie erklären Sie sich das?
In der Zielgruppe der drei bis 13-Jährigen hat "Die Sendung mit der Maus" einen Marktanteil von nahezu 50 Prozent. Viele sind mit uns mitgewachsen und schauen heute die Sendung mit ihren eigenen Kindern. Auch die Erwachsenen haben offensichtlich das Gefühl, da ordentlich bedient zu werden. Und sie erfahren dort auch selbst immer wieder etwas Neues.
Sie sind nun 71 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch die Maus machen?
Solange mich die Kinder noch mögen und solange meine Gesundheit und mein Gehirn mitmachen. Ich bin nach wie vor neugierig, und es macht nach wie vor Spaß, neue Geschichten zu erfinden. Es gibt keine Routine, es wird nie langweilig.

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