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Der neue ORF-„Tatort“: besser als sein Ruf

Die österreichischen "Tatort"-Folgen haben es in Deutschland schwer. Spätestens seit dem legendären Oberinspektor Marek, der der Reihe in den 70er und 80er-Jahren seinen Stempel aufdrückte, gehören die ORF-"Tatorte" nicht zu den beliebtesten. Doch die Krimis sind besser als ihr Ruf. Ohne viel Klamauk ermittelt Harald Krassnitzer in seriöser, ernsthafter Art und Weise. Ab Sonntagabend bekommt er zudem eine neue Assistentin - von der er zunächst nicht sehr begeistert ist. Die MEEDIA-Kritik zum neuesten "Tatort".

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ORF-Inspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) liegt im aktuellen "Tatort"-Quotenranking derzeit nur auf dem vorletzten Platz.  Lediglich der Hamburger Cenk Batu (Mehmet Kurtulus), der Ende des Jahres seinen Dienst quittiert, hat noch weniger Zuschauer. Mit der Folge "Vergeltung", dem bereits 24. Krassnitzer-"Tatort" bekommt der Inspektor nun eine neue Assistentin: Die 50-jährige Bibi Fellner, die auch noch alkoholkrank ist und in Selbstmitleid ertrinkt. Begeisterung löst die neue Kollegin bei Eisner daher nicht aus.

Doch die beiden Polizisten müssen sich zusammenraufen, zu ernst ist der Fall, um den sie sich in "Vergeltung" kümmern müssen. Ein Täter ermordet nach und nach Jugendliche, die zuvor selbst jemanden getötet haben – offenbar also ein Rachefeldzug. Die Spuren führen schnell zu der Therapiegruppe "Pro Youth", denn alle Mordopfer gingen dort ein und aus. Hat einer der anderen Jugendlichen etwas mit den Morden zu tun? Und welche Rolle spielt der "Pro Youth"-Leiter Dr. Jochen Schmitz (Harald Schrott)?

Bis es zur – etwas absurden – Auflösung des Falls kommt, nähern sich die beiden Ermittler widerwillig an, fahren mit einem bizarren Zuhälter-Sportwagen durch die Gegend, den sich Bibi Fellner geliehen hat, und geraten dennoch immer wieder aneinander. Zu oft belügt Fellner Eisner wegen ihrer Alkoholsucht. Der Konflikt zwischen den beiden neuen Kollegen überstrahlt des Öfteren den eigentlichen Fall – auch wegen der stark spielenden Adele Neuhauser in der Rolle der Bibi Fellner. Genau in diesem Konflikt könnte in den kommenden ORF-"Tatorten" aber auch eine Gefahr lauern. Sollte der Konflikt auch in Zukunft eine so große Rolle spielen, könnte er schnell nerven.

"Vergeltung" ist kein Glanzpunkt der "Tatort"-Reihe, aber durchaus ein guter Krimi. Er ist etwas altmodisch und ab und zu etwas zu sachlich erzählt, doch gerade das Thema Jugendkriminalität wurde an anderen Stellen schon mit einem Vielfachen an dummen Klischees behandelt als hier. Insofern hat der Krimi definitiv eine bessere Zuschauerzahl verdient als die ORF-Quoten der jüngeren Vergangenheit.

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