Kachelmann: Freispruch wird wahrscheinlich

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung rückt das Finale näher. Noch einmal soll die Nebenklägerin, das mutmaßliche Opfer, in den Zeugenstand. Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn ist sich sicher, dass sie gelogen hat. Staatsanwaltschaft und Gericht hatten gegen die neuerliche Befragung nichts einzuwenden. Die Zeichen für einen Freispruch Kachelmanns mehren sich. Eine Zwischenbilanz.

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Da ist zunächst der eklatante Mangel an Beweisen. Es gibt offenkundig keine Blut- oder DNA-Spuren an der angeblichen Tatwaffe, einem Küchenmesser, die die Aussagen des mutmaßlichen Opfers belegen könnten, dass Kachelmann sie tatsächlich wie von ihr beschrieben mit dem Messer bedroht hat. Die Verletzungen, die bei der Nebenklägerin dokumentiert wurden, sind ebenfalls keine eindeutigen Beweise. Mehrere Gutachter kamen zum Ergebnis, dass sich die Nebenklägerin diese Verletzungen auch selbst beigebracht haben könnte.

Die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers wurde schon früh im Prozess nachhaltig erschüttert, als sie zugeben musste, schon viel früher als zunächst angegeben den Kontakt zu weiteren Geliebten Jörg Kachelmanns gesucht zu haben. Einen angeblich anonymen Brief mit Flugtickets, die eine Affäre Kachelmanns belegen sollten und angeblich Auslöser für die Tat gewesen sein sollen, hatte sie sich selbst geschickt.

Kachelmanns Verteidiger, Johann Schwenn, sagte laut Bild.de: „Es war ja schon im Ermittlungsverfahren so, dass sie Lügen und Manipulationen eingeräumt hat. Es ist nicht auszuschließen, dass sie es wieder tut.“ Darum wollte er die Nebenklägerin erneut in den Zeugenstand laden lassen. Er will sie mit den aktuellen Gutachten konfrontieren, die besagen, dass ihre Version des Tathergangs so nicht stattgefunden haben kann.
Die Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen notierte an dem Verhandlungstag, als diese Gutachten präsentiert wurden: “Es ist der wohl erste Verhandlungstag, an dem die Staatsanwaltschaft ihrer Aufgabe, das Be- und Entlastende gleichermaßen zu berücksichtigen, nachkommt. Anzeichen eines Gesinnungswandels? Es wäre fast eine Sensation.”

Das Gericht hat der neuerlichen Vernehmung der Nebenklägerin zugestimmt. Auch die Staatsanwaltschaft hielt sich zurück. Die anfängliche Beharrlichkeit, mit der die Staatsanwaltschaft den Fall Kachelmann verfolgte, scheint weggeblasen. Der stets provozierend auftretende Anwalt Schwenn arbeitet mit der Vorladung des mutmaßlichen Opfers klar auf das Finale der Beweisaufnahme hin – die Konfrontation zwischen ihm und dem mutmaßlichen Opfer.

Schwenn sagte laut Bild.de vor Gericht: „Nachdem sich die Trauma-Erklärung für ihre Aussage-Defizite verflüchtigt hat, könnte es ja immerhin sein, dass sich die Nebenklägerin besinnt und sich zum Einräumen auch weiterer Lügen bereitfindet.“ Der Strafverteidiger setzt womöglich darauf, dass das mutmaßliche Opfer im Zeugenstand unter seiner Befragung einknickt und gesteht, dass es sich bei dem Vergewaltigungsvorwurf um eine falsche Anschuldigung handelt. Um dem Nachdruck zu verleihen, setzte Schwenn gleich eine Drohung hinterher, nämlich dass eine Falschaussage der Nebenklägerin eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung nach sich ziehen könnte. Aber egal, wie die neuerliche Befragung der Nebenklägerin ablaufen wird. Dass es im Fall Kachelmann zu einer Verurteilung oder auch einer Berufung kommt, ist mittlerweile nur noch schwer vorstellbar.

Der nächste Verhandlungstag ist erst am 21. März. Anschließend macht das Gericht nochmals eine längere Pause im April, weil Kachelmann zu seinen Kindern nach Kanada reist. Im Mai sollen die Plädoyers und das Urteil folgen.

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