Facebook taugt nichts als Spiele-Plattform

Facebook hat für viele Unternehmen ein neues Geschäftsmodell begründet: Spiele-Erfinder entwickeln ihre Titel exklusiv für das Social Network, versammeln hunderttausende Spieler in ihren Communitys und scheffeln Millionen mit dem Verkauf von virtuellen Gegenständen. Doch während die Zahl der Applikationen grenzenlos erscheint, ist die Menge der erfolgreichen Entwickler überschaubar. Zynga, CrowdStar, Electronic Arts, Playdom – viel mehr sind es nicht. Der Branche droht der Absturz.

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Facebook hat für viele Unternehmen ein neues Geschäftsmodell begründet: Spiele-Erfinder entwickeln ihre Titel exklusiv für das Social Network, versammeln hunderttausende Spieler in ihren Communitys und scheffeln Millionen mit dem Verkauf von virtuellen Gegenständen. Doch während die Zahl der Applikationen grenzenlos erscheint, ist die Menge der erfolgreichen Entwickler überschaubar. Zynga, CrowdStar, Electronic Arts, Playdom – viel mehr sind es nicht. Der Branche droht der Absturz.
"Auf Facebook ist die Bindung der Nutzer an ein Spiel viel geringer als bei einem klassischen Browserspiel", sagte Bigpoint-CEO Heiko Hubertz Anfang des Jahres im MEEDIA-Interview. In dem Social Network finden sich tausende Spiele, von FarmVille, über Plants vs. Zombies, bis hin zu Fifa Superstars. Mit zwei Klicks sind sie installiert. Für Entwickler ist das Fluch und Segen zugleich.
Facebook wird zum Groschengrab
Nie war es für Spiele-Firmen einfacher, ihre Produkte einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine potentielle Zielgruppe von 600 Millionen Spielern zu erreichen, war vor wenigen Jahren noch weltweit agierenden Publishern vorbehalten. Titel, die dieses Potential hatten, kosteten bis zu 100 Millionen Dollar in der Produktion. Ein Facebook-Titel lässt sich hingegen für 50.000 bis 100.000 Euro entwickeln. Dank des viralen Effekts in einem Social Network sparen die Unternehmen auch noch am Werbe-Etat.
Trotz der verlockenden Chancen wird sich Facebook für viele Entwickler als Groschengrab entpuppen. "Von den rund 500.000 Facebook-Apps sind weltweit nur 100 wirtschaftlich relevant", sagt Jens Begemann, Chef des Berliner Startups wooga, das seine Spiele in dem Netzwerk betreibt. Diese 100 wirtschaftlich relevanten Programme verteilen sich auf die bereits etablierten Unternehmen – nahezu ein Drittel davon dürfte vom Vorzeige-Entwickler Zynga stammen, der mit FarmVille, CityVille, Mafia Wars und Co. 275 Millionen Spieler pro Monat erreicht. Mit dem Verkauf von virtuellen Gegenständen verdiente das Unternehmen im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Dollar. Das zeigt zwar, dass wirtschaftlicher Erfolg möglich ist. Für alle anderen bleibt aber nur wenig vom Kuchen übrig.
Casual goes mobile
Gegen diese Übermacht können neue Konkurrenten nur in Nischen punkten. Solch ein Dasein bei Facebook birgt allerdings Probleme. Denn erstens ist maximal jeder fünfte Spieler bereit, für ein Social Game Geld auszugeben. Zweitens müssen Entwickler ab dem 1. Juli die Währung Facebook Credits als verpflichtendes Zahlungsmittel einbinden. So will das Netzwerk 30 Prozent an jeder Transaktion mitverdienen. Und Firmen, die ein Drittel ihres Umsatzes abtreten können, gibt es nicht viele.
Der entscheidende Trend, der gegen Facebook als Gaming-Plattform spricht, liegt auf dem Smartphone-Markt: "casual goes mobile", heißt es in der Branche. Kleine Spielchen für zwischendurch will bald niemand mehr am PC spielen, sondern mobil auf dem Weg zur Arbeit, zum Sport oder auf dem Sofa. Bequem mit dem Handy oder Tablet in der Hand. Ein Titel wie Trade Nations macht vor, wie eine gelungene Adaption fürs iPhone aussehen kann.
Gießkannen-Prinzip nervt Nutzer
Auch das hoch gelobte virale Marketing innerhalb Facebooks, über das Firmen ohne finanziellen Aufwand eine hohe Zahl an Nutzern erreichen können, hat ein Manko: Es funktioniert nach dem Gießkannen-Prinzip. Nutzer schicken wahllos Einladungen an ihre Freunde, damit diese ein Spiel installieren. In den wenigsten Fällen werden die Anfragen angenommen. Die meisten Nutzer fühlen sich davon genervt. Bekommen sie mehrfach ungeliebte Spielanfragen, ist das Risiko hoch, dass sie die App komplett blockieren. Oder sie probieren einen Titel einmal aus und beachten ihn dann nicht weiter.
Ja, mögen Optimisten einwenden, Social Gaming auf Facebook wächst doch rasant. Stimmt – kurzfristig geht das Wachstum weiter. Aber in den nächsten drei bis fünf Jahren wird dieser Trend abnehmen. Denn in allen anderen Ländern als Deutschland ist der PC als Spiele-Plattform Nummer eins längst von Konsolen abgelöst. Und mobile Endgeräte werden diese Entwicklung – weg vom Computer – weiter befeuern. Meine Prognose: Langfristig taugt Facebook nichts als Spiele-Plattform.

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