Amazon öffnet Kindle auch für Reportagen

Amazon hat seine Kindle-Bibliothek vergrößert. Seit einigen Tagen bietet der weltgrößte Buchhändler die Kindle Singles an: ein Markt für lange Reportagen, Essays und Erzählungen. Gedacht als eine Plattform für journalistische Texte, die für ein Buch zu kurz und für ein Magazin zu lang wären. 30.000 Wörter dürfen die Geschichten maximal lang sein. Autoren reichen Texte ein, die für maximal fünf Dollar verkauft werden. Das Konzept scheint aufzugehen: die ersten Werke haben es in die Top 100 geschafft.

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Im Herbst vergangenen Jahres hatte Amazon Autoren dazu aufgerufen, überlange Texte einzureichen. Das Unternehmen wandte sich an "Schriftsteller, Denker, Wissenschaftler, Führungskräfte aus der Wirtschaft, Historiker, Politiker und Verleger", wie Golem berichtete.

Und wenn der weltgrößte Buchhändler ruft, dann kommen die Autoren auch. Jetzt ist Kindle Singles online. Zum Start bietet Amazon unter anderem eine Reportage über einen spektakulären Bankraub in Stockholm, eine Zusammenfassung der Mumbai-Attentate und gesammelte Kurzgeschichten über das Flüggewerden der eigenen Kinder.

Nicht zu kurz, nicht zu lang
Zu diesem Zweck hat Amazon einen eigenen Verlag gegründet: Kindle Direct Publishing. Über den können Autoren selbständig ein eBook erstellen und bei Amazon verkaufen. Passt eine Kurzgeschichte oder Reportage in das Kindle-Singles-Format, kann der Autor Amazon kontaktieren. Bis zu 70 Prozent der Lizenzgebühren landen bei Verkäufen dann auch beim Autor. Keiner der Texte sollte dafür länger als sechzig Seiten lang sein. Also ideal als Lektüre, die sich an einem Nachmittag durchlesen lässt. Die New York Times und Wired loben die Mini-eBooks als Rettung für lange journalistische Texte, die sich nicht nur auf dem Kindle, sondern via App auch Apple- und Androidgeräten lesen lassen.

Neben längeren Texten werden auch sogenannte TED Books angeboten. Das sind Niederschriften ausgewähler Vorträge der bekannten TED-Konferenzen, einer weltweiten Konferenzcommunity, bei der unter anderem auch Bill Clinton oder Al Gore sprechen. Bislang waren diese “TED Talks” nur als Vidoes verfügbar.

Chance für unbekannte Autoren und investigative Journalisten
Amazons Pläne, mit niedrig bepreister Literatur Autoren und Leser zusammenzubringen zeigt schon kurz nach dem Start erste Früchte: Unter die Top 100 der mittlerweile über 500.000 Kindle-Books hat es die Geschichte des bekannten Wired-Autor Evan Ratliff mit dem Titel “Lifted” geschafft. Die Story dreht sich um einen spektakulären Bankraub in Stockholm, der tatsächlich 2009 stattfand. Das Format scheint der ideale Mittelweg zwischen den Lesegewohnheiten der Digital Natives und den Wünschen von Autoren zu sein, die einer Geschichte entsprechend Raum bieten wollen. Vielleicht haben die Kindle Singles sogar das Zeug zum Groschenroman der Digital Natives zu werden. Gleichzeitig verwundert es, dass nicht ein großer Verlag auf die Idee kam, Langformen ausgewählter Reportagen zweitzuverwerten, sondern Amazon selbst Autoren um Einreichungen bat.

Kindle Singles dürften vor allem für junge Autoren fiktiver Literatur interessant sein, die sich mit Kindle Singles eine Fanbase aufbauen könnten. Um dann später mit einem richtigen Buch den großen Wurf zu landen. So wie Justin Bieber, der vom YouTube-Hit zum weltweiten Star avancierte. Investigative Journalisten hätten die Plattform, ihre Recherchen in epischer Breite wiederzugeben und damit ihren Aufwand gegenzufinanzieren.

Momentan konzentriert sich Amazon noch auf englische Literatur. Doch wie bekannt wurde, will der Konzern noch im Frühjahr 2011 eine deutsche Version seines beliebten eReaders anbieten und vermehrt deutsche Literatur für Kindle und Co. anbieten.

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