Grosso weist Bauer-Abmahnung zurück

Der nächste Akt bei Bauer versus Grosso: Der Bundesverband hat am heutigen Mittwoch auf die Abmahnung der Hamburger reagiert. In der Verbandsmitteilung heißt es: "Der Grosso-Verband lässt sich durch eine Veränderung der Strategie der Bauer Media Group nicht davon abhalten, seinen Standpunkt, der Common Sense in der Branche ist, zu verteidigen." Die in Aussicht gestellte Klage von Bauer werde als ein Versuch gewertet, einseitige Vorteile zu erlangen und das neutrale Presse-Vertriebssystem zu gefährden.

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Zum Hintergrund: Der Axel Springer Verlag und der Presse-Grosso hatten sich Ende des vergangenen Jahres in einem Pilotabschluss geeinigt. Die Vereinbarung beinhaltete "rechtsverbindliche Regelungen über medien- und branchenpolitische Aspekte der Zusammenarbeit". Dabei geht es um die Margen der Grossisten, die dem Vertrag zufolge ab 2012 geringer werden. Mit einer solchen Vereinbarung könnten die Verlage laut Einschätzung von Turi2 in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 100 Millionen Euro an Vertriebskosten einsparen, das Grosso spricht lediglich von einer Summe "in signifikanter Höhe". Zusätzlich schlossen die Partner das so genannte "Bonus Plus"-Programm ab, das dem Berliner Medienhaus einen jährlichen Bonus in Abhängigkeit von der Umsatzentwicklung vom Presse-Grosso garantiert.
Anstatt diesen Pilotabschluss ebenfalls anzunehmen, hat die Bauer Media Group nun "den Vorgang einer rechtlichen Überprüfung" unterzogen. Bauer glaubt, dass "der Pilotabschluss für viele Zeitschriften langfristig existenzgefährdend ist".
Das Medienhaus hatte vom Presse-Grosso die Unterlassung verlangt, künftig über einheitliche Grosso-Konditionen zu verhandeln und/oder zu vereinbaren. Die aktuelle Vereinbarung zwischen dem Verlag und dem Grosso-Verband läuft mindestens noch bis Ende Februar 2012. In der Verbandsmitteilung heißt es dazu: "Der Grosso-Verband bedauert, dass der Verlag nach mehr als 60-jähriger erfolgreicher Zusammenarbeit keine Gespräche mehr mit der Verbandsspitze führen will. Er sieht sich faktisch nicht in der Lage, einen konstruktiven Dialog über Vertriebspolitik und Konditionen zu führen, solange der Verlag an dieser Haltung festhält."
Der Grosso-Verband teilte weiter mit: "Der zweite Teil der anwaltlichen Abmahnung der Bauer Vertriebs KG bezieht sich darauf, dass Presse-Grossisten nicht aufgefordert werden dürften, firmenindividuelle Verhandlungen mit der Bauer Vertriebs KG über Grosso-Konditionen zu verweigern. Derartige Aufforderungen waren bisher nicht erforderlich, weil alle Verlage ausschließlich mit dem Grosso-Verband die Konditionen verhandelt haben. Das gilt in besonderer Weise auch für die Bauer-Gruppe. Die Spannenverhandlungen und -abschlüsse bezogen sich ausdrücklich immer auch auf die nicht dem Grosso-Verband angehörenden Presse-Grossisten, an denen das Haus Bauer und weitere Verlage beteiligt sind."

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