Tote Hose auf Markworts Web-Friedhof

Seit rund drei Monaten ist Stayalive.com online, das eine Art “Facebook für Tote” sein will. Doch das Geschäft mit virtuellen Gedenkstätten ist nicht neu und auch nicht einfach. Stayalive.com bekam viel Aufmerksamkeit, weil Focus-Gründer Helmut Markwort als Investor und Berater mit an Bord ist. Mittlerweile ist es um den jungen Web-Friedhof sehr still geworden. Geschäftsführer Matthias Krage zeigt sich trotzdem zufrieden und kündigt eine iPhone-App an.

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Rund 12.000 Mitglieder habe Stayalive.com bisher, die meisten davon hätten aber zunächst einen Gratis-Account, so Krage gegenüber MEEDIA. Derzeit würden sich rund 15 Mitglieder pro Tag neu anmelden. Vor allem auch aus Osteuropa kämen neue Anmeldungen, so Krage. Macht man einen kleinen Rundgang über den virtuellen Friedhof von Stayalive.com, kann man sich freilich des Eindrucks nicht erwehren, dass alles ziemlich, nun ja, tot wirkt. Der nach eigenen Angaben größte deutsche Internet-Friedhof, eMorial.de, meldete bereits im April 2010 über 200.000 Einträge und macht auf den ersten wie zweiten Blick einen deutlich lebendigeren Eindruck.

Nach den ersten drei Monaten Stayalive.com finden sich dort auch auf den paar öffentlich zugänglichen Trauerseiten nur wenige virtuelle Kerzen, teils mit sinnfreien Text-Fetzen, die wie Blindtext wirken (“lol” oder “Blabla”). Stayalive.com-Macher Krage erklärt die tote Hose auf seinem Web-Friedhof damit, dass die allermeisten Nutzer sich für ein komplett geschlossenes Profil entscheiden würden. Ein solches Profil werde dann auch nicht nach außen angezeigt.

Das erkläre auch, so Krage, warum Business-Engel Helmut Markwort nicht auf Stayalive.com mit einem Profil vertreten sei. Er habe zwar eines, verrät Krage, aber das könnten Außenstehende eben nicht sehen. Markwort sei aber immer noch aktiv in die Entwicklung des Projekts eingebunden. Man tausche sich mindestens einmal pro Woche über das Projekt aus. Eine MEEDIA-Anfrage bezüglich seines Engagements bei Stayalive.com ließ Helmut Markwort unbeantwortet.

Aktuelles findet bei Stayalive.com nicht statt. Während zum Beispiel eMorial auf nachrichtliche Ereignisse eingeht und eine virtuelle Promi-Gedenkstätte für den gerade verstorbenen Peter Alexander einrichtet, sucht man so etwas bei Stayalive.com vergebens. Auch die Facebook-Seite des Portals wirkt wenig gepflegt, es gibt nur wenige, sporadische Einträge.

Für eine aufwändige Pflege der Social-Media-Aktivitäten mangele es derzeit noch an Ressourcen, so der Geschäftsführer. Stattdessen will man sich laut Krage auf eine iPhone-App konzentrieren. Diese App soll Nutzern, die sich auf Friedhöfen befinden, dann vor Ort die virtuellen Grabsteine im iPhone anzeigen. Augmented Reality soll dem Web-Friedhof neues Leben einhauchen.

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