taz und Spiegel Online werden grün

Die taz ruft zusammen mit Künstlern, Kulturschaffenden und Medienvertretern die iranische Justiz dazu auf, "die Unrechts-Urteile" gegen zwei Filmemacher aufzuheben. Aus Solidarität werden das Blatt und die Website taz.de heute, am 11. Februar, grün gefärbt und über den Iran verstärkt berichten. Gegen Mittag zog auch Spiegel Online nach und bekundete seine Verbundenheit. Einer der beiden Filmemacher hätte in der Jury der Berlinale sitzen sollen – doch sein Stuhl blieb leer.

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Die Filmemacher Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof seien zu harten Strafen verurteilt worden, nicht weil sie einen kritischen Film gedreht hätten, sondern "allein deshalb, weil sie die Absicht hatten, einen Film zu machen", heißt es auf der taz-Webseite. Weil die iranische Regierung annähme, dass der Film ihr nicht gefallen würde, habe sie die beiden Filmemacher jüngst zu sechs Jahren Haft, 20 Jahren Berufsverbot sowie 20 Jahren Reise- und Interviewverbot verurteilt. Die Justiz werfe ihnen "Verschwörung gegen die nationale Sicherheit des Iran" und "Propaganda gegen die Islamische Republik" vor. Es sei das erste Mal in der Kino- und Mediengeschichte, dass bereits die Absicht, einen Film zu machen, als Verbrechen geahndet wird. Panahi hätte zudem in der Jury der Berlinale sitzen sollen. Aber sein Stuhl blieb leer.
 

Beide Filmemacher bekannten sich zur Oppositionsbewegung, die sich 2009 im Zuge der Wahlfälschungen durch Präsident Ahmadinedschad formierte. Die Bewegung wählte die Farbe Grün zum Symbol. Sie eignete sich damit die Nationalfarbe des Iran an, die auch im Islam eine große Rolle spielt. Und so wechselt auch die taz die Farbe in Solidarität mit Panahi und Rasoulof und färbt ihre Print- wie ihre Online-Ausgabe grün ein.

"Die Arbeitsbedingungen für Künstler, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten sind im Iran seit langem sehr schwierig. Doch diese Form der Zensur ist neu und sie erschüttert die Kollegen, die im Iran und anderswo für die Freiheit kämpfen, als mündige Menschen respektiert zu werden", schreibt die taz in einem Aufruf an ihre Leser, sich mit der Aktion zu solidarisieren. Mehr als 1.000 Leser seien dem Aufruf bereits gefolgt.

"Wir protestieren aufs Schärfste gegen das Vorgehen der iranischen Justiz und der iranischen Regierung und fordern die sofortige Rücknahme des Urteils."

Auch der Spiegel hat seine Webseite in ein dunkelgrün gehüllt und bekundet so seine Solidarität mit den Filmemachern. Das Thema von Regisseur Jafar Panahi sei "die soziale Situation in Iran, und die ist ganz anders, als sie das Mullah-Regime der Welt zeigen möchte: hohe Arbeitslosigkeit, Unterdrückung von Frauen, Alkohol- und Drogenprobleme". Panahis Filme "Der weiße Ballon" (1995), "Der Spiegel" (1997), "Der Kreis" (2000), "Crimson Gold" (2003) und "Offside" (2006) sind auf den großen Filmfestivals der Welt ausgezeichnet worden – doch dem iranischen Regime sei der "kritische Künstler unbequem geworden".

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