Die Medienwoche der großen Emotionen

Schicksale, gewaltige Gefühle und ein Rätsel: Der Auftritt von Monica Lierhaus vom vergangenen Wochenende musste medial aufgearbeitet werden. Den besten Job dabei machten die Süddeutsche und Stefan Niggemeier. Der Stern wagte mit dem verunglückten “Wetten dass..?”-Kandidaten Samuel Koch auf dem Titel eine Gratwanderung, Ägyptens-Präsident Mubarak gab seinem Volk und den Medien mit seiner wirren Rede zu denken, und dann war da noch der Kachelmann-Prozess.

Anzeige

Der Auftritt von Monica Lierhaus bei der Goldenen Kamera vom vergangenen Samstag wirkte noch die gesamte Woche nach und spaltete die Medienrepublik. Die eine Fraktion sah einen anbetungswürdigen mut-, kraft- und hoffnungsvollen Auftritt. Die andere Fraktion vermutete eine gewisse Lust an der Inszenierung der beteiligten Medienhäuser Axel Springer und ZDF. Es war gar nicht so leicht, gegen die Emo-Welle anzuschreiben, die nach dem Lierhaus-Auftritt durch die deutschen Blätter schwappte. Am überzeugendsten gelang dies Alexander Gorkow in einem engagierten Kommentar für die Süddeutsche Zeitung und Stefan Niggemeier. Der Medienblogger nahm die Lierhaus-Debatte zum Anlass, über die Rolle von Behinderten in der Öffentlichkeit im Allgemeinen und im Fernsehen im Speziellen zu räsonieren und eröffnete damit eine nachdenkenswerte neue Perspektive.

Noch eine schwer verdauliche Geschichte holte uns in dieser Woche ein. Der Stern packte ganz exklusiv den von seinem Unfall schwer gezeichneten “Wetten dass..?”-Kandidaten Samuel Koch auf den Titel mit der Schlagzeile “Papa, ich will wieder gehen können”. Nach Lektüre des Stern-Berichts kommt man nicht umhin zu denken, dass dies wahrscheinlich ein frommer Wunsch bleiben wird. Der Artikel des Stern war eine Grat-Wanderung zwischen Aufklärung und Voyeurismus. Das auf dem Titel eingeklinkte Foto des schwer kranken Samuel Koch wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen.

Politisch, weltpolitisch gar, das bestimmende Thema der Woche waren natürlich die Unruhen in Ägypten und der Dann-Doch-Nicht-Rücktritt von Hosni Mubarak. Von CIA bis ZDF dachten alle, der ägyptische Präsident würde zurücktreten – er tat es aber nicht. Die Redaktion des “heute journals” meisterte die unübersichtliche und verworrene Info-Lage souverän. Die ARD bemühte sich auch, ihren Kritikern, vor allem bei der FAZ, den Wind aus den Segeln zu nehmen und wurde dafür mit einem Quoten-Tagessieg für das “Tagesthemen Extra” am Donnerstag belohnt. Wenn sich die Redaktionen anstrengen und aus ihrem Trott aufwachen, dann ist das Fernsehen dank seiner umfangreichen Mittel und der Live-Aktualität immer noch das beste Info-Medium bei solch dynamischen Ereignissen.

Auch der Kachelmann-Prozess ging diese Woche weiter. Es war eine gute Woche für den Angeklagten, denn zwei Gutachter legten vor Gericht überzeugend dar, dass die Schilderungen des mutmaßlichen Opfers so nicht zutreffen können. Eine Verurteilung des ehemaligen ARD-Wettermannes wegen Vergewaltigung wird immer unwahrscheinlicher. Angeblich plant die kurzzeitig als Zeugin geladene Publizistin Alice Schwarzer mit dem mutmaßlichen Opfer und deren Therapeuten Günter Seidler ein Buch zu dem Fall. So wie sich die Verhandlung derzeit entwickelt, dürfte einem solchen Projekt keine große Zukunft beschieden sein.
Und Verleger Hubert Burda gab einen unerwartete Gastauftritt als Magazin-Autor. Allerdings nicht etwa in einem seiner eigenen Blätter, sondern im Münchner Männer- Magazin GQ aus dem Hause Condé Nast. Burda schrieb über den neuen Roman des Schriftstellers Peter Handke einige "Notizen eines Freundes". Nun gehört Peter Handke zwar schon lange zum Burda-Kosmos – aber die Konstellation Handke-Burda-GQ ist dann doch wieder eine, die überrascht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige