Bertelsmann will wieder zukaufen

Bertelsmann geht wieder auf Wachstumskurs. In einem im Intranet des Unternehmens veröffentlichten Interview hat Finanzvorstand Thomas Rabe verkündet, dass das Schuldenproblem von Bertelsmann gelöst sei. Der Konzern verfüge über zwei Mrd. liquide Mittel und man sei bereit für neue Investitionen. Bertelsmann drückte seit Jahren eine Schuldenlast in Milliardenhöhe von einem Aktienrückkauf. Als Ziel für Zukäufe kommt die Musiksparte in Betracht.

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Es war im Jahr 2006, Thomas Rabe war gerade frisch als neuer Finanzvorstand bei Bertelsmann im Amt, als er sogleich eine unangenehme Herkules-Aufgabe stemmen musste. Auf Wunsch der Bertelsmann-Eigentümerfamilie Mohn wurden rund ein Viertel der Bertelsmann-Aktien von der belgischen Groupe Bruxelles Lambert (GBL) zurückgekauft. Die Familie Mohn, mit Liz Mohn an der Spitze, verhinderte so den von GBL gewünschten Börsengang des Unternehmens.

Rabe trieb für den Rückkauf rund 4,5 Mrd. Euro auf, teils durch Verkäufe und größtenteils durch Kredite finanziert. Die Schuldenlast schränkte die finanzielle Beweglichkeit des Medienkonzern für Jahre empfindlich ein. Nach der langen Konsolidierungsphase meldet Rabe im Bertelsmann Intranet, wie Dowjones berichtet nun: “Bertelsmann ist durchfinanziert.” Der Konzern verfüge über liquide Mittel in Höhe von rund zwei Mrd. Euro, könnte damit theoretisch seine Restschulden bis 2014 komplett begleichen.

Wahrscheinlicher ist, dass Bertelsmann das Geld nutzt, um endlich wieder in Wachstum zu investieren. Vorstandschef Hartmut Ostrowski und sein Finanzmanager Rabe sollen u.a. ein Auge auf den attraktiven Musikrechtekatalog des britischen Musikkonzerns EMI geworfen haben. Dem traditionsreichen aber finanziell schwer angeschlagenen Unternehmen gehören die Rechte an der Musik von Stars wie Pink Floyd, Herbert Grönemeyer, den Sex Pistols oder Katy Perry. Derzeit gehört EMI der Citigroup, die das Musikgeschäft mutmaßlich schnell wieder verkaufen möchte. Und Bertelsmann hat gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR die Bertelsmann Music Group (BMG) als reine Musikrechtefirma wieder auferstehen lassen. Das Geschäft mit reinen Musikrechten ist deutlich profitabler und konjunkturunabhängiger als das Betreiben eines kompletten Musikkonzerns.

Rabe, der zwischenzeitlich als neuer Vorstandschef von ProSiebenSat.1 und dem Mischkonzern Haniel gehandelt wurde, hat bei Bertelsmann künftig jedenfalls wieder mehr zu tun, als nur ans Sparen zu denken. Sein Vertrag bei Bertelsmann wurde Ende Januar um fünf Jahre bis 2016 verlängert.

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