Anzeige

Die Kehrseite des Hypes um Groupon + Co.

Der Online-Gutscheindienste Groupon gilt laut Forbes als das am schnellsten wachsende Unternehmen der Welt. Sein Gründer Andrew Mason soll ein Sechs-Milliarden-Dollar-Angebot von Google abgelehnt haben. Schaut man sich die Angebote, die da ins Mail-Eingangsfach gespült werden aber genauer an, verblasst der Glanz von Groupon und Co. Viele Deals wirken wie windige Werbung. Auch Verbraucherschützer warnen vor den Online-Gutscheinen.

Anzeige

Angemeldet beim Marktführer Groupon, die Heimatstadt angegeben und los geht’s. Was in den folgenden 14 Tagen im Mail-Postfach an Deals landete war ernüchternd. Unzählige Angebote für Fingernagel-Behandlungen, Frisör-Besuche und Massagen. Ein paar Offerten zu Fress-Orgien mit All-You-Can-Eat-Spare-Ribs und “XXL-Schnitzeln” sowie diverse Online-Gutscheine, u.a. für einen mobilen Flugsimulator. Kein einziger der Deals in gut zwei Wochen war auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten, oftmals fanden die Deals auch in beträchtlicher Entfernung zum Wohnort statt. Deals wie den “Zumba-Tanzkurs”, kennt man sonst nur als Endlos-Werbeschleife, die durch drittklassige TV-Shoppingkanäle geistert.

Sieht so wirklich die Zukunft des Online-Handels aus, wie es der sympathische Groupon-Gründer Andrew Mason landauf, landab in Interviews erzählt? Tatsächlich hat das Geschäftsmodell von Groupon und vergleichbaren Anbietern eine ganze Reihe von Knackpunkten. Da ist zum einen die Qualität der angebotenen Deals. Unsere Stichprobe war zwar rein subjektiv und ganz und gar nicht repräsentativ – fragt man im Bekannten- und Kollegenkreis nach den Erfahrungen mit Anbietern wie Groupon, gibt es meistens ähnliche Geschichten zu hören.

Das Grundproblem ist, dass Groupon ein knallhartes Massen-Vertriebskonzept darstellt – eine Art Premium-Spam, der mit Rabatten lockt. Bei Groupon stehen die Verkäufer der Dienstleistungen im Mittelpunkt und nicht unbedingt die Käufer der Gutscheine. Groupon funktioniert wie eine Art Offline-Google. Während die Suchmaschine Leute auf die Websites von Unternehmen schickt, schickt Groupon sie in die echten Läden – gesteuert durch vermeintlich gigantische Rabatte.

Nur hält die Realität oft nicht, was der Groupon-Gutschein verspricht. Die Verbraucherzentrale Hessen hat, ausgehend von zahlreichen Beschwerden, jüngst die Aktivitäten diverser Online-Gutscheinhändler einem umfangreichen Test unterzogen. Ergebnis: Verbrauchern wird zur Vorsicht geraten. Oftmals gelten für die rabattierten Leistungen undurchsichtige Bedingungen, es werden Preise intransparent verglichen und es gelten häufig eher kurze Gutschein-Laufzeiten. Zudem kommt es immer wieder zu Erfahrungsberichten von Verbrauchern, denen beim Einlösen der Gutscheine weitere Waren oder Dienstleistungen aufgeschwatzt werden sollen, da sich die Gutscheine nur auf ein rudimentäres Basisangebot beziehen.

Die Firmen, die bei Groupon mit Rabatt-Gutscheinen werben, müssen knapp 50 Prozent des Gutscheinwertes nochmal an Groupon als Provision abgeben – ein dicker Obolus dafür, dass der Internet-Star die neue Kundschaft zuführt. Wer bereits ein gut laufendes Geschäft sein eigen nennt, hat also eher wenig Motivation, Groupon-Gutscheine anzubieten. Die Gutscheine sind vor allem interessant für neu gegründete Geschäfte und solche, die nicht gut laufen. Letzteres hat meistens seine Gründe.

Anders als Google oder Facebook ist das Geschäftsmodell von Groupon keines, das sich mit einem Ausbau der Serverfarmen skalieren lässt. Firmen wie Groupon brauchen einen echten Außendienst, der vor Ort die Firmen, die Deals anbieten, bei Laune hält. Das kostet viel Geld. Vielleicht ist das Modell Groupon erst am Anfang und zeigt sein echtes Potenzial erst in ein paar Jahren, wenn ein noch viel breiteres Sortiment an Gutscheinen angeboten wird. Aber andererseits ist die Methode, schwergängige Geschäfte mit Rabatten anzukurbeln auch nichts neues. Und die Vermittlung übers Internet hat in der Realität weniger Vorteile als es auf den ersten Blick scheint. Das Geschäft mit den Rabatt-Gutscheinen war schon immer ein bisschen windig. Daran ändert sich nichts, dass es nun auch online stattfindet.

Bei einem Test der Zeitschrift Computerbild schnitt Marktführer Groupon als Testsieger aber. Allerdings auch nur mit der Note “befriedigend”. Es gilt auch in der neuen Online-Welt die alte Binsenweisheit: Man bekommt, wofür man bezahlt.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige