„Seilschaften durch Quote nicht zu ersetzen“

Die Frauenquote ist das Thema der Medienwoche. Wie eine MEEDIA-Umfrage ergab, lehnen die meisten Verlage sie ab. Auch Titanic-Chefredakteur Leo Fischer glaubt, dass eine Quote mehr schadet als nützt. "Wir wollen bei der Besetzung offener Stellen lieber Sympathie, nackte Willkür und Kumpanei entscheiden lassen können als die planwirtschaftlichen Wahnvorstellungen einer Frau von der Leyen", sagt der 29-Jährige im Interview - wie auch, was er von Frauen in Führungspositionen im Journalismus hält.

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Herr Fischer, was halten Sie von einer Frauenquote im Allgemeinen?
Wenig, weil das Leistungsprinzip so unterhöhlt wird. Als jemand, der seinen Posten überwiegend männlichen Seilschaften und Spezi-Wirtschaft zu verdanken hat, weiß ich genau, wieviel Zeit und Sorgfalt es kostet, Netzwerke zu pflegen und alte Kumpel bei der Stange zu halten. Das kann man nicht einfach so durch eine Quote ersetzen.

Bezogen auf die Medienbranche: Was können Frauen besser als Männer?
Nonverbale Kommunikation ist natürlich eine Stärke von Journalistinnen: Wenn Caren Miosga nach einer Schalte enttäuscht die Nase rümpft, sagt das hundertmal mehr über die Lage in Ägypten als ein verquälter Kommentar irgendeines alten Zausels vom SWR.

Wie viel Prozent Ihrer Mitarbeiter sind weiblich?
Gute 14 Prozent unserer Redakteure sind Frauen, hinzu kommen so zahl- wie gesichtslose Sekretärinnen, Teamassistentinnen und Reinigungsfachkräfte, ohne deren Mühen wir nichts wären, die aber natürlich relativ leicht zu ersetzen sind.

Wie viele der Führungskräfte in Ihrem Unternehmen sind weiblich?
Bei den Führungskräften ist der Prozentsatz sogar noch erfreulicher: So sind 50 Prozent unserer Artdirektoren Frauen. Das liegt zum einen daran,dass wir aus Prestigegründen sämtliche Grafiker als Artdirektoren bezeichnen, zum anderen, dass es eben nur zwei sind.

Erwägen Sie eine Frauenquote einzuführen?
Wie andere führende Medienhäuser glauben wir, dass eine Quote mehr schadet als nützt. Wir wollen weiterhin bei der Besetzung offener Stellen lieber Sympathie, nackte Willkür und Kumpanei entscheiden lassen können als die planwirtschaftlichen Wahnvorstellungen einer Frau von der Leyen. Und mal ehrlich: Ist eine Quote, als ein starres, mathematisches, herzloses Gebilde, nicht etwas erschreckend Unweibliches? Durch ihre Einführung erodieren die Frauen letztlich, was sie erst so einzigartig macht.

Was meinen Sie, wie lange wird es dauern, bis die Titanic eine Chefredakteurin bekommt?
Das muß nicht lange dauern, bekanntlich sind die Karrieren im Bereich der Hochleistungssatire schnell, hart und extrem kurz. Da sich unsere Redakteure aus den Rängen unserer Autoren rekrutieren, wissen wir aber, dass zur Zeit die einschlägige deutsche Satirikerin leider erst noch gebacken werden muß – obwohl es einige vielversprechende Kandidatinnen gibt. Wie in vielen anderen Präzisionsberufen – Chirurgen, Piloten, Dirigenten – ist die Branche immer noch eine Männerdomäne.

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