„Wachstumgeschäft mit sehr hoher Dynamik“

Durch den Launch von Rupert Murdochs ehrgeizigem iPad-Projekt The Daily ist die Rolle von Apples Tablet für die Medienhäuser ein heiß diskutiertes Thema. Doch trotz großer Hoffnungen sehen die bisherigen Bilanzen der Verkäufe noch ernüchternd aus. Ausnahme ist der Spiegel: Das ePaper des Magazins erzielt nicht nur erstaunlich gute Zahlen, sondern zeigt auch, dass hier "was geht". Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron sieht im iPad für sein Magazin "ein Wachstumgeschäft mit sehr hoher Dynamik".

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Auf 36.000 Stück beläuft sich die verbreitete Auflage des Spiegel-ePapers, von der der Löwenanteil auf die iPad-Nutzung entfällt. Abzüglich der sonstigen Verkäufe bleibt eine harte Verkaufszahl von rund 20.500 Digital-Ausgaben. Das ist beachtlich. Besonders zufrieden ist man an der Brandstwiete allerdings mit der hohen Anzahl von Abonnements, die inzwischen um 17.000 liegt. Darin enthalten sich zwar sogenannte Upgrades von Heft-Abos, Mini- und Studenten-Abos, aber eben auch ein Anteil von rund 8.000 Neukunden für die elektronische Ausgabe, die den Spiegel zuvor nicht abonniert hatten. Grund für den Aufschwung im Digital-Vertrieb ist nach Überzeugung des Chefredakteurs das Apple-Tablet: "Die verkaufte Auflage unseres ePapers ist mit Erscheinen des iPads enorm gestiegen, und sie wächst weiter kontinuierlich an."
Zum Vergleich: Vor der Einführung des iPads vor einem Jahr lag die Zahl der ePaper-Verkäufe beim Spiegel nur um rund 4.000. Mathias Müller von Blumencron sieht den Absatzsprung im Gespräch mit MEEDIA auch als Signal für den Werbemarkt: "Wir kommen angesichts der inzwischen erreichten Verbreitung in Größenordnungen, die für viele Anzeigenkunden interessant sind; vor allem auch wegen der extrem hochwertigen Zielgruppe, die wir auf dem iPad erreichen: die Elite der Elite."
Für von Blumencron basieren dabei Heft und Tablet-Version auf denselben Magazintugenden: "Die Nutzung des Spiegels auf dem iPad ist zunächst ganz ähnlich wie beim Lesen der gedruckten Ausgabe. Der Kern sind ungewöhnliche und exzellente Geschichten." Besonders faszinierend sei die Vielfalt an Darstellungssformen, die helfen, Themen zu veranschaulichen: "Das iPad ist ein großer Vereinfacher. Es erlaubt uns, Geschichten so zu präsentieren, dass sie intuitiver erfahrbar werden." Dies geschehe, indem die Stories durch multimediale Elemente ergänzt werden: mehr Fotos, bewegte Bilder, interaktive Grafiken – allerdings "in einem sinnvollen Maß, ohne dass man sich einer Gestaltungsorgie hingibt".
Denn gleichzeitig warnt Blumencron vor Überfrachtung von Apps: "Gerade angesichts der vielen technischen Möglichkeiten sollte man sich bei jedem zusätzlichen Angebot der Digitalausgabe fragen: Macht dieses Extra wirklich Sinn? Viele Apps sind übergestaltet." Bei der Transformation des gedruckten Magazins in die digitale Welt habe der Spiegel weder technisch noch vom Design her ein Vorbild gehabt: "Für den Spiegel auf dem iPad gibt es keine Referenz, auch international nicht. Wir sind unseren eigenen Weg gegangen und davon überzeugt, dass die primäre Funktion der Magazinnutzung weiterhin das Lesen ist. Darum geht es, die Leser erwarten von uns keine Spiele-App. Der Spiegel ist unabhängig vom Distributionskanal Plattform für exzellenten Journalismus."
Dies gelte mit Blick auf den Markt allerdings nicht für jedes ansonsten ambitionierte Digitalprojekt. Blumencron: "Bei The Daily und anderen Angeboten kann man sehr gut sehen: Originelle Gestaltung allein macht noch keinen exzellenten Journalismus."

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