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Stellt Apple den Verlagen ein Ultimatum?

Apple scheint Nägel mit Köpfen zu machen: Wie die Financial Times Deutschland berichtet, bereitet das Unternehmen deutsche Verlage darauf vor, ihre In-App-Geschäfte ab dem Sommer über den Appstore abzuwickeln. Was sonst passieren könnte, erfuhr Sony am eigenen Leib. Deren Applikation schafft es nicht in den Apple-Laden, weil sie Buchkäufer auf eigene Seiten leitete. Setzt Apple seine Pläne in die Tat um, dürften verlagsübergreifende Geschäftsmodelle ins Wanken geraten.

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Die Ansage scheint klar: Bis zum Sommer sollen In-App-Verkäufe für Verlage über Apples Appstore realisiert werden. Das berichtet die Financial Times Deutschland in ihrer heutigen Print-Ausgabe und beruft sich auf Insiderinformationen. Für diese Art von Verkäufen verlangt Apple eine Gebühr von 30 Prozent auf den Verkaufspreis. Dass Apple es durchaus ernst meint, durfte Sony am eigenen Leib erfahren, wie die New York Times berichtet. Dem Technologiekonzern war der Zugang zum AppStore verweigert worden, weil die App auf die eigenen Buchverkaufsseiten von Sony verlinkte, anstatt das Geschäft direkt im AppStore abzuschließen.

Kundendaten würden auf Apple-Servern liegen
Für deutsche Verlage wäre eine solche Regelung nicht von Vorteil. Denn egal, ob es um einen einmaligen Kauf oder den Abschluss eines Abos geht: Sämtliche Kundendaten würden dann nicht mehr beim Verlag, sondern auf den Apple-Servern liegen. Aber gerade das Alter, die Adresse und weitere Personalien benötigen Verlage, um gezielt Werbung verkaufen zu können.

Greift diese Regelung tatsächlich, stellt sich die Frage, wie Apple mit Produkten wie Pubbles umgeht. Das verlagsübergreifende Angebot umfasst Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Dabei können sowohl einzelne Titel gekauft als auch Abonnements abgeschlossen werden. Damit sich die Verlage die vollen Umsätze aus der Verkauf gutschreiben können, wechselt der User beim Kauf einer digitalen Ausgabe derzeit ständig zwischen der Pubbles-App und einem Web-Interface. Die App fungiert als Landing-Page, die wiederum auf die Webseite von Pubbles weiterleitet.

Dr. Olaf Conrad, Geschäftsführer DPV Deutscher Pressevertrieb, unterstrich zum Launch der App noch: “Unverzichtbare Voraussetzung für den Erhalt der Pressefreiheit ist, dass Verlage die volle Freiheit hinsichtlich ihrer Inhalte und deren Vermarktung, ihrer Produktpolitik und der Nutzung ihrer individuellen Kundenbeziehungen behalten. Das ist Kern-Asset von Pubbles.” Auf diesem Geschäftsmodell basiert Pubbles. Würde dann für Produkte noch die obligatorischen 30 Prozent zusätzlich entfallen, müsste man zumindest die Produkte teurer anbieten, um den gleichen Gewinn zu erzielen.

Apple: "Richtlinien haben sich nicht geändert"
Apples Statement zur Sache liest sich allerdings nicht wie ein generelles Verbot von In-App-Verkäufen. In einer Mitteilung heißt es: “Wir haben nicht unsere Bedingungen oder Richtlinien geändert. Wir setzen nun voraus, dass falls eine App Kunden die Möglichkeit bietet, ein Buch außerhalb der App zu kaufen, sollte dieselbe Option für Kunden bestehen, innerhalb der App das Buch zu kaufen.” Ob derzeit tatsächlich Mitarbeiter in deutschen Verlagen unterwegs sind, um auf die Umstellung der In-App-Verkäufe im Sommer hinzuweisen, konnte Apple nicht bestätigen. Hier scheint noch großer Klärungsbedarf zu bestehen. Für deutsche Verlage dürfte sich die Frage stellen, bis zu welchem Grad man sich dem Marktführer anvertrauen will. "Gerade die Weitergabe von Abonnentendaten an einen Dritten wäre für Medienbetriebe nicht sinnvoll. Wir sind auf sie angewiesen, um gezielt Werbekunden anzusprechen", erklärte eine Pubbles-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

Apple-Beteilung bei Digital-Abos scheint gesichert
Im Oktober wurde bekannt, dass Apple an einem eigenen Zeitungs-Kiosk arbeitet. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll sich der geplante Shop am iBook-Store orientieren. Der Konzern aus Cupertino will den Verlegern die Allianz mit diversen Software-Lösungen schmackhaft machen. Von einer Einigung seien alle Gesprächspartner aber noch weit entfernt. Und auch die Kindle-App von Buchhändler Amazon funktioniert nach dem gleichen Modell.

Ein weiteres Problem, dass aus Sicht der Verlage der Klärung bedarf, ist ein schlüssiges Modell für Digital-Abos. Denn bisher gibt es für Medien-Apps keine Möglichkeit, ein digitales Abo über einen bestimmten Zeitraum laufen zu lassen. So können die Kunden eigentlich jederzeit kündigen. Diese Regelung ist zwar ganz im Sinne der Verbraucher, wohl aber nicht der Verlage.

"Apple verändert die Regeln, während das Spiel läuft"
Doch auch hier scheint beinahe gesichert, dass Abos künftig nur noch über den Appstore funktionieren werden. Anfang Januar berichteten belgische Medien, dass sie ab dem 1. April nach einer Anweisung von Apple zahlenden Print-Abonnenten nicht mehr selbst die Digital-Version kostenlos ausliefern dürfen. Bisher durften die Digital-Zeitungen auf Verlagsservern gespeichert werden. Finden die Verlage keine Alternative, würden auch hier auf Digital-Abos 30 Prozent entfallen.

Der neue Abo-Dienst soll den regelmäßigen Bezug von Zeitungen unter iTunes erlauben und im neuen iOS 4.3 implementiert sein. Verleger in Belgien und den Niederlanden fühlen sich vor den Kopf gestoßen. "Apple verändert die Regeln, während das Spiel läuft," sagte Gert Ysebaert vom Verlagshaus Corelio der belgischen Tageszeitung De‘>. Demnach soll der Vertrieb nicht mehr über verlagseigene Server laufen, sondern künftig nur noch über Apple-Server. So meldet die niederländische NRC media mit dem Handelsblad ein entsprechendes Schreiben von Apple erhalten zu haben.

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