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taz-Chefin Ines Pohl: „Ich bereue nichts“

Die taz macht einen auf Bild und empört ihre Leser. In bester Boulevard-Manier titelte sie am Donnerstag "So mies lief der Rainer-Rauswurf". Die Folge: Sieben Leser kündigten ihr Abo. "Wenn ihr so gerne wie die Bild Zeitung sein wollt, dann sucht Euch die entsprechenden Leser", erklärte eine Abonnentin. Gegenüber MEEDIA verteidigt taz-Chefin Ines Pohl das Cover: "Wir wollten mit dem Langhans-Titel den medialen Hype brechen und haben uns dabei der Mittel der Boulevardpresse bedient und sie satirisch überhöht."

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Ines Pohl weiter: "Langhans ist eine Ikone der 68er-Bewegung und hat übrigens viele Jahre auch für die taz geschrieben. Daher war’s klar, dass wir darüber berichten." Am Mittwoch musste Langhans – nach dem freiwilligen Abgang von Camp-Zicke Sarah Knappik – den australischen Dschungel verlassen. Die taz machte dies zum Aufmacher.
Doch das kam nicht bei allen Lesern gut an. Im taz-Blog dokumentiert die Zeitung den Groll ihrer Abonnenten. So schreibt ein Leser: "Eine taz, die glaubt, mit einem Tagedieb (dafür halte ich R. Langhans) aufmachen zu müssen, schätze ich nicht. Ich reduziere meinen Abopreis ab sofort vom politischen Preis (den braucht es für so etwas nicht) auf den Normalpreis." Eine andere Leserin schrieb: " (…) Umso empörter bin ich über das heutige Titelfoto von Rainer Langhans plus Kakerlaken! Ich empfinde es als infantil und populistisch, die Ausgabe mit so einem Trashthema aufzumachen, während in Ägypten eine begeisternde, seid Jahrzehnten nicht dagewesene Freiheitsbewegung entsteht!"
Insgesamt wurden sieben Abos explizit wegen des Langhans-Titels gekündigt. Durchschnittlich verliert die taz nach Angaben von Pohl 70 Abonnenten pro Woche. Einige Leser stiegen aufgrund des Dschungel-Titels auf ein anderes Abo um: Sie wollen künftig nicht mehr den freiwilligen, politischen Preis von 43,90, sondern die Kosten für ein Standardabo in Höhe von 35,90 zahlen.
"Das Dschungelcamp ist ein gesellschaftliches Phänomen, über das wir berichten wollen", sagt Pohl. Daher habe man sich auch dafür entschieden, während der RTL-Sendung eine Kolumne zum Thema "Langhans im Dschungelcamp" von zwei seiner Haremsdamen, Christa Ritter und Jutta Winkelmann, schreiben zu lassen. "Es ist erstaunlich, wie sich unsere Leser durch die Kolumne provoziert fühlen", so Pohl. Denn auch dafür musste die taz herbe Kritik einstecken. Aber: "Ich bereue nichts", sagt die Chefredakteurin.
In der morgigen Samstagsausgabe wird Daniel Schulz, Ressortleiter von tazzwei/Medien, sich in einem Brief an die kritischen Leser wenden. Bis zu einem bestimmten Punkt versteht er die Aufregung. Dennoch kann er es nicht nachvollziehen, "warum einige die ganze Zeitung und damit die gute Arbeit vieler Kollegen abbestellen, weil ihnen ein Aspekt darin nicht gefällt".

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