Die Google-PR von Jeff Jarvis in der Bild

Web-Guru Jeff Jarvis schreibt jetzt auch für Bild. Über Google! Sein Text über angebliche Wunder-Fähigkeiten eines neuen Google-Tablets kommt allerdings sehr lobhudelnd daher. Das aktuelle Spiegel-Cover hat verblüffende Ähnlichkeit mit einer Kampagne aus der Schweiz. Aber die Hamburger haben brav um Erlaubnis gefragt. Maschmeyers AWD wird in Sport-Bild kritisiert und Virgin-Gründer Richard Branson hat beim Medienpreis gezeigt, wie entspannt ein paar Millionen auf dem Konto machen.

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Den aktuellen Spiegel-Titel zum Thema Burn-Out ziert eine Frau (bzw. ein Mann), die in Business-Outfit in eine weiße Kiste eingequetscht ist. Eine tolle Bild-Idee, um das Thema Burn-Out zu visualisieren. Nun hat die Stadt Basel jüngst eine Kampagne zur Aufklärung über die Krankheit Depression gestartet. Die Bild-Idee der Agentur crbasel: Leute, die in eine weiße Kiste eingequetscht sind. Holla! Haben wir hier etwa einen neuen Fall von Copy-And-Paste-Journalismus? Immerhin hatte sich der Spiegel ja bei der Gestaltung seines Titels “Macht das Internet doof?” in Google-Optik anno 2008 ziemlich dreist bei einer Idee des US-Magazins Atlantic bedient. Diesmal ging aber alles super-korrekt zu. Die Spiegel-Leute haben nämlich laut dem Schweizer Branchendienst persoenlich.com brav bei den Machern der Original-Kampagne gefragt, ob man die Bild-Idee für einen Spiegel-Titel verwenden dürfe. Man durfte. Und alle sind zufrieden.
Nochmal ein kurzer Nachklapp zur Causa Maschmeyer und die Medien. Bild gilt ja als ein Medium, das dem umstrittenen AWD-Gründers Carsten Maschmeyer sehr wohl gesonnen ist. Immerhin durfte sich Maschmeyer dort in einem Kuschel-Verhör nach dem NDR-Film "Der Drückerkönig" ausführlich rechtfertigen und wurde auch schon mehr als einmal bei Bild als Gewinner gefeiert. Allerdings gibt innerhalb der Bild-Gruppe bei Springer offenbar tatsächlich eine gewisse Binnen-Pluralität. In der aktuellen Sport-Bild nämlich findet sich die Story "30 Prozent der Spieler sind pleite" über die Finanzprobleme von Bundesliga-Kickern. Kronzeuge in der Geschichte ist ausgerechnet ein namentlich nicht genannter Spieler, der von AWD-Beratern über den Tisch gezogen wurde. Mal schauen, ob das auch in einem "Verhör" im Schwester-Blatt zurechtgerückt wird. Jetzt ist Web-Guru Jeff Jarvis auch noch Bild-Autor! Für Springers Boulevardzeitung hat der Autor ("Was würde Google tun?") eine scheinbare Technik-Sensation auf dem Wirtschaftsforum in Davos ausgegraben. “In Davos vorgestellt: Neues Google-Tablet übersetzt alle Sprachen” tönt die Bild-Schlagzeile am Freitag. Zitiert wird Noch-Google-CEO Eric Schmidt, der der staunenden Wirtschaftselite in Davos mitteilte: „Das kann womöglich mal einen Dritten Weltkrieg verhindern …“ Nun mal halb lang. Das klingt alles verdächtig danach, als habe der Herr Schmidt von Google den gleichen alten Vortrag, den er schon kurz zuvor bei Burdas DLD aufwärmte, in Davos einfach nochmal gehalten. Auch auf dem DLD schwärmte Eric Schmidt von der Google Übersetzungssoftware Translate, die vielleicht sogar Kriege verhindern könne, weil man sich ja nun endlich verstehe am Telefon. Die Software Google Translate, die Bestandteil von Googles Mobil-Betriebssystem Android ist, ist so furchtbar neu aber nicht. Vor kurzem wurde sie zwar um den von Eric Schmidt angepriesenen “Conversation Mode” erweitert, der quasi Simultan-Übersetzungen von Live-Gesprächen ermöglichen soll – der funktioniert aber vorerst nur mit Englisch und Spanisch und nicht, wie Jeff Jarvis in Bild schwärmt, für “alle Sprachen”. Auch die anderen von Jeff Jarvis in der Bild mit blumigen Worten angepriesenen Wunder-Fähigkeiten des Google-Tablets kommen einem seltsam bekannt vor: Google Goggles etwa, die Android-Funktion die z.B. Gebäude erkennt und Bilder automatisch mit Hintergrund-Infos aus dem Web anreichern kann. Statt rosarote Technik-Visionen herunterzubeten, hätte Schmidt die Google-Translate-Software im Conversation Mode in München oder Davos lieber mal vor Publikum live vorführen sollen. Laut Testberichten treten gerade beim Live-Übersetzen noch öfter skurrile Übersetzungs-Pannen auf. Fragen von Krieg oder Frieden sollte man also zumindest derzeit noch nicht ausschließlich mit Hilfe von Google-Telefonen regeln. Sonst bricht am Ende doch noch der Dritte Weltkrieg aus.
Nicht ungemein viele Sprachen, dafür aber etliche Branchen beherrscht Richard Branson. Der britische Milliardär mit Wohnsitz auf den Virgin-Islands war nicht nur Chef einer boomenden Plattenfirma, sondern baute auch eine erfolgreiche Fluglinie auf und brach Rekorde in Luft- und Schifffahrt. Aktuell bietet Branson zahlungskräftigen Klienten sogar Weltraumflüge an. Diese Woche war der 61-Jährige in Baden-Baden zu Gast, wo er den Deutschen Medienpreis entgegennahm. Obwohl er auf Krücken (Bänderriss beim Skifahren) auf die Bühne kam, präsentierte er sich tiefenentspannt und gab Einblicke in sein Leben und sein Erfolgsgeheimnis. Auf Frage von Moderator Johannes B. Kerner erklärte Branson, dass er in seinem Leben noch nie ein Büro besessen habe, sondern seine Firmen anfänglich von einem Hausboot oder mal von unterwegs dirigiert habe. Kaum zu glauben, der Brite herrscht heute über ein Imperium von mehr als 240 Unternehmen.  

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