Typologie der Dschungelcamp-Zuschauer

Nach zehn Tagen im Dschungelcamp steht fest: Die RTL-Sendung spaltet die Nation. Die einen lieben “Ich bin ein Star, holt mich hier raus”, die anderen verstehen die Welt nicht mehr. Denn die Sendung holt einen Staffelrekord nach dem anderen. Woher kommt dieser enorme Zuschauerzuwachs? MEEDIA stellt sich dieser Fragestellung und hat eine Typologie der Dschungelcampzuschauer erstellt: vom Generalverweigerer bis zum sadistischen Fanboy, vom voyeuristischen Quälgeist bis zum Feuilletonleser.

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Der Generalverweigerer: “Guck ich nicht…Wie kann man nur?….So eine absolute Trash-!”§%&.” Dieser Typus lässt nichts unversucht, seinen Unmut über RTLS Dschungelcamp zum Besten zu geben. Seiner Meinung nach ist die Sendung der beste Beweis dafür, dass dem Privatfernsehen nichts peinlich genug ist, um die Quote nach oben zu treiben. Gerade die taz, die täglich über das Dschungelcamp berichtet, hat mit ihren Genossen zu kämpfen, wie die Zeitung im tazblog berichtet: “Habt ihr sie noch alle? Vor 20 Jahren hab ich mein allererstes Weihnachtsgeld geopfert, um guten, linken Journalismus zu fördern. Nicht, um die Lohhudeleien zweier Langhans-Gefährtinnen zu lesen. Ich bin eine taz-Genossin, holt mich hier rauuus”, schreibt eine erboste Leserin. Eine Folge von “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” hat er noch nie gesehen. Ihm reichen die ekligen Einspieler, mit denen RTL das Programm flutet.
Der Dauerschauer: Dieser Typus ist Dschungelcamp-Zuschauer der ersten Stunde. Um 22.15 Uhr stellt er das Telefon aus und verweilt für eine Stunde im RTL-Dschungel. Aber damit nicht genug: Dieser Typ Zuschauer will alles wissen, liest jeden Artikel und scannt sämtliche Blogs nach Neuigkeiten. In einschlägigen Foren, auf Twitter und Facebook zofft er sich permanent mit dem Generalverweigerer. Er bildet den harten Kern der diversifizierten Dschungelcommunity und hat dank jahrelanger Mundpropaganda im Freundes- und Kollegenkreis dafür gesorgt, dass “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” beinahe mit jeder Folge einen neuen Staffelrekord aufstellt.
Der schadenfrohe Quälgeist: Dieser Typus hat dafür gesorgt, dass Sarah Knappik sechsmal zur Dschungelprüfung antreten musste. Er schaut der versammelten Dschungelprominenz mit Vorliebe dabei zu, wie sie Krokodilpenisse, Mehlwürmer und Kakerlaken verspeist. Dass die Stars mal nicht über den roten Teppich laufen, sondern im Schlamm wühlen dürfen, ist diesem Zuschauertypus jedes Mal ein absoluter Genuss. Er schaut die Sendung aus reiner Schadenfreude und einer kleinen Portion Sadismus.
Der Fanboy/Das Fangirl: Wo das Dschungelcamp läuft, wer die Dschungelprüfung vergeigt und wo die RTL-Show überhaupt spielt, ist diesem Zuschauertypus völlig egal. Er schaut “Ich bin ein Star, holt mich hier raus”, weil sein Lieblingsstar in Australien verweilt. Dieser meist weibliche Zuschauer nimmt alle Folgen auf, um die Szenen mit‘>. Er ruft für seinen Star an, um ihn möglichst lange mit freiem Oberkörper im Dschungelcamp beobachten zu können. Er leidet mit seinem Idol, wenn er zu einer Dschungelprüfung antreten muss und freut sich in einschlägigen Foren, wenn er als Held ins Camp zurückkehrt.
Der Stille: In hitzigen Debatten um das Für und Wider von Mehlwurmmousse und Spinnensorbet hält sich dieser Typus lieber zurück. Er würde niemals freiwilig zugeben, das Dschungelcamp zu sehen, weiß aber trotzdem genug, um mitreden zu können. Dieser Typus hat dafür gesorgt, dass RTLnow enorme Zugriffszahlen auf die IBESHMHR-Episoden verbuchen kann. Denn er schaut die Sendung nicht abends, sondern heimlich am Arbeitsplatz.
Der Bach-Zietlow-Clan: Dieser Typus kann die Diskussion um Ekel-Prüfungen und herabwürdigende Umgang mit Menschen nicht verstehen. Ihn interessieren die Insassen des Dschungelcamps auch herzlich wenig. Für ihn sind die Zwischenmoderationen von Sonja Zietlow und Dirk Bach das wahre Highlight der Sendung. Er liebt das hinterlistige Wortspiel des Moderatoren-Duos und freut sich, wenn die beiden die Kandidaten wieder in Grund und Boden reden.
Der Feuilletonleser: Er schaut nicht die Sendung, beteiligt sich aber mit Genuss an Debatten um Geschmacksgrenzen, Qualitätsfernsehen und diskutiert in privaten Zirkeln über den Wert von Prominenz. Wenn er dann einmal doch zufällig bei RTL reinzappt, sieht er darin nicht die verzweifelte Suche von C-Prominenten nach Sendeplätzen, sondern vielmehr ein auf 16 Tage angelegtes Feldexperiment.

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