SWR: „blankes Entsetzen“ über Sex-Report

Die "Landesschau" will nah an den Leuten im Südwesten sein, an ihren Vorlieben, ihren Hobbys. Damit das klappt, setzt die Redaktion unter anderem auf die Reihe "Live im Land". Doch was die begleitet, ist bisweilen nur billigstes Privatfernsehen - und das zur Kernsendezeit des SWR. So hieß es jüngst erst: "Live aus dem Swingerclub!". Eine Episode, mit der die Sendung nach MEEDIA-Informationen vor allem eines beweist: wie konsequent sie ihren schon vor fünf Jahren eingeschlagenen Weg fortsetzt.

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Nicht nur für viele Zuschauer, auch für die Reporterin scheint das alles Neuland zu sein an diesem Abend. In der Stunde vor der "Tageschau" führt sie die SWR-Zuschauer durch den Swingerclub – und ihre Stimme lässt die Aufregung deutlich erkennen: "Hier hat man alle möglichen Möglichkeiten", sagt die Journalistin, deren Konzentration bei diesem Thema offensichtlich schwindet. Man könne "zum Beispiel Partner tauschen oder auch Sex zu viert oder sechst haben".
Besonders spannend aber ist für die Reporterin offenbar die Begegnung mit einem Paar, das seit gut zwanzig Jahren verheiratet und regelmäßig Teil des Geschehens im pfälzischen Club ist. Eine Auswahl der SWR-Fragen: "Wie war denn das erste Mal?", "Ist das denn wie beim Porno?" und – ganz investigativ: "Wie ist es, habt ihr eigentlich noch Sex?" Derweil schenkt die Clubbesitzerin "dem Michael" und seiner ebenso maskierten Partnerin wie bestellt den Perlwein ein.
Ist das also das Niveau, auf dem sich gebührenfinanziertes Regional-TV bewegen sollte? Beim SWR haben sie diesen Weg jedenfalls schon 2006 eingeschlagen. In einem Strategiepapier, das MEEDIA vorliegt, war schon damals die Rede von den "Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkten". Dazu hieß es: "Unsere Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkte sind sieben an der Zahl. Sie können viele Stücke stützen. Nicht nur für den Aufmacher, auch für andere Themen sind sie ein Erfolgsgarant. Je mehr Landesschau-Herzpunkte ein Film hat, umso höher seine Anziehungskraft auf den Zuschauer."
Das besagte Live-Event "Swingerclub" wird gleich vom ersten der sieben Herzpunkte gestützt: "Sex & Crime". Dass sich der Boulevard ganz bewusst allerorts durch das Regionalformat ziehen soll, ließ sich übrigens schon damals auch an vielen anderen Stellen des Konzepts leicht erahnen. So hieß es zum Punkt sechs ("Kinder") im Leitfaden für die SWR-Reporter eindeutig: "Kinder als Betroffene von Unfällen oder Katastrophen rühren noch einmal mehr an als erwachsene Opfer." Und für den Fall, dass eine Kriminal-Szene einmal nicht live dargeboten werden konnte, lagen sogar einst Plastikwaffen in der Redaktion bereit: um zu schauspielern und die Geschehnisse nachzustellen.
Der Bericht aus dem Swingerclub, der im Dezember ausgestrahlt und nun vom Spiegel per Notiz aufgegriffen wurde, zeigt, wie treu sich die Macher der SWR-"Landesschau" seitdem geblieben sind. Die Episode spricht für sich. Laut Spiegel-Meldung sorgte immerhin diese Sex-Reportage in der SWR-Spitze für "blankes Entsetzen": Sogar die zuständige Landessenderdirektorin des rheinland-pfälzischen Arms des SWR, Simone Sanftenberg, habe den Beitrag als eine "Katastrophe" und "völlig inakzeptabel" bezeichnet.

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