„Der Focus hat wieder Tritt gefasst“

Keine schönen Feiertage für das Nachrichtenmagazin: Zum 18. Geburtstag musste der Focus und sein neuer Chefredakteur Wolfram Weimer viel Kritik einstecken. Zeitgleich war die Ein-Euro-Aktion ein solcher Erfolg, dass bereits nach dem ersten Tag nachgedruckt werden musste. Im Tagesspiegel erklärt Weimer, warum und wie er das Magazin umbaut und wie er die Zukunft des Blattes sieht: "Nach dem Einbruch bis 2009, dem schwierigen Umbruch 2010, sieht es nun für 2011 nach einem publizistischen Aufbruch aus."

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In dem Interview mit Tim Klimeš erklärt der neue Chefredakteur, dass sich der Focus einfach ändern musste, weil das Internet längst alle Magazine, ob Time oder Spiegel, unter Druck setzt. "Nachrichten gibt es heute an jeder Online-Ecke, deshalb müssen wir vom Nachrichtenmagazin zu einem Nachrichten- und Orientierungsmagazin werden."

Der Schwenk hin zu mehr Meinung und Debatte bedeutet für den ehemalige Cicero-Macher allerdings auch, dass der Netzwert-Journalismus, für den der Focus früher stark stand, zu Gunsten von mehr "Denkwert" zurückgedrängt wird. "Aber die ’news to use‘ sind nicht tot." Gerade der Dioxinskandal habe gezeigt, dass es viele ganz konkrete Informationen gibt, die der Focus für seine Leser nutzbar machen müsse. "Nur: Der Denkwert wird im neuen Focus sichtbarer."

Spannend ist Weimers Analyse, ob es dem neuen Focus im vergangenen Jahr gelang, die für ihn relevanten Debatten mitzubestimmen. "In der Konservativismusdebatte im Sommer waren wir vorne dran, auch im Stuttgart-21-Streit sind wir sehr wahrgenommen worden. Und in der Integrationsdebatte, in der wir viele prominente Autorenstücke und auf dem Höhepunkt das viel zitierte Interview mit Thilo Sarrazin gedruckt haben, konnten wir richtig punkten." Trotzdem muss der Blattmacher auch zugeben, dass der Focus nicht immer ganz vorne dabei war.

Einer der wichtigsten Ausgaben der vergangen Monate war für Weimer das Heft mit der Wulff-Fotomontage auf dem Cover, die den Bundespräsidenten als Muslim zeigte. Das Heft war für den Chefredakteur "eine Art Signaturtitel". Denn er habe eine große, relevante Debatte mit einem "Akzent Frechheit, Kühnheit und auch Humor" behandelt. Die Folge: Das Heft wurde in allen Tageszeitungen besprochen. Stolz stellt Weimer fest: "Man redete wieder über den Focus."

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