18.000 Euro „Kopfgeld“ für Promi-Fotos

Nach den Leser-Reportern kommen jetzt die Hobby-Paparazzi: Die Bild hat mit ihren 1414-Leserreportern bereits viele Bürger sensibilisiert, sofort das Foto-Handy zu zücken, sobald ein Promi zu sehen ist. Das Gossip-Portal Viply.de geht noch einen Schritt weiter und sucht nun den "Leser-Paparazzo". Die Berliner versprechen, dass ein gutes Foto "viel bares Geld wert" sei. Als Beispiel nennen sie einen Schnappschuss, der einen Hobby-Promijäger bereits 18.000 Euro an Lizenzgebühren eingebracht haben soll.

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Um welches Bild es sich genau handelt, wollten die Berliner auf MEEDIA-Anfrage nicht verraten. Geschäftsführer Kai Michel erklärt jedoch, dass der abgelichtete Promi "zum Zeitpunkt des Entstehens der Bilder im TV sehr präsent" war. Zudem war er verheiratet, was insofern für ihn zu einem Problem wurde, weil er "beim intensiven und ganz offensichtlichen Fremdflirten" abgeschossen wurde. "Die Fotos überführten die Person überraschend als Fremdgänger und sorgten für eine Menge Wirbel."

Damit erfülle dieses Bild genau die Kriterien, die Michel im Web für Paparazzo-Fotos aufstellt, die sich besonders gut verkaufen lassen. So erklärt die Seite ihren Lesern, wann der Abschuss eines Stars sich als besonders lukrativ erweisen dürfte. Dann, wenn man "einen internationalen oder auch deutschen Prominenten im Urlaub gesichtet" hat und ihn "am Strand oder Pool fotografiert, in einem Club beim wilden Feiern erwischt". Auch immer gerne genommen sind die Momente, wenn der Hobby-Paprazzo "beim Konzert das entscheidende Foto oder Video vom Stolpern gemacht oder einen VIP in einer anderen interessanten und/oder überraschenden Situation geknipst oder gefilmt" hat.

Zudem sollten die Fotografen auf eine gute Qualität und eine hohe Auflösung achten, möglichst mehrere und exklusive Motive schießen und sich auf wichtige Personen konzentrieren sowie darauf achten, dass auf den Schnappschüssen Überraschendes zu sehen ist. Um das Geschäft anzukurbeln, greift die Agentur – laut eigener Aussage – tief in die Tasche und toppt die Honorare von Springers Boulevardriesen Bild (maximal einige hundert Euro) um ein Vielfaches.

Die Leser-Paparazzi sind für Michel jedoch nur einen Nebengeschäft. Denn "das uns vertriebene Fotomaterial und auch das auf Viply.de gezeigte, wird hauptsächlich von professionellen Fotografen geliefert. Wir arbeiten mit rund 250 weltweit aktiven Fotografen, für die wir die Rechte in verschiedenen Ländern wahrnehmen. Leser-Paparazzi sind ein zusätzlicher, ergänzender Bereich." Trotzdem sollen in manchen Wochen bereits mehrere Promi-Sichtungen von Lesern eingeschickt worden sein.

Hinter dem Gossip-Portal steht hgm-press. Die Foto-Agentur arbeitet bereits seit 1986 mit dem Schwerpunkt Unterhaltungs-Journalismus. "Neben Eigenproduktionen mit nationalen und internationalen Stars, die sich unter anderem in Frauentiteln, People-Magazinen und den größten Boulevardzeitungen wieder finden, liefern rund 250 international arbeitende Fotografen täglich aktuelles Material", heißt es in der Selbstdarstellung der Firma. Wer genau die Kunden die Agentur sind, wird jedoch nicht verraten.

Das People-Portal Viply.de ist für die hgm-press vor allem eine Verkaufsplattform. So heißt es auf der Unternehmensseite über das Gossip-Angebot: "Alle dort gezeigten Fotos können von Medien über hgm-press bezogen werden."

Trotzdem erreicht die Webseite auch eine gewisse Stammleserschaft. Die IVW wies im Dezember für das Portal 674.491 Visits aus. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent.

Die meisten Paparozzo-Bilder, die die Viply-Nutzer zu sehen bekommen, sollen "fair" vergütet werden. "Für Deine Bilder beteiligen wir Dich am gesamten mit ihnen erzielten Gewinn und speisen Dich nicht einfach mit 100 oder 500 Euro ab!", heißt es auf der Webseite. "So konnten wir z.B. für eine Bildsequenz mit einem deutschen Comedian im Urlaub 4.000 Euro Beteiligungs-Honorar an einen Leser-Paparazzo überweisen." Einen Beweis für die Behauptung bleibt Viply allerdings schuldig – im Gegensatz zur Bild. Beim Boulevard-Blatt sind die Leser-Fotos immer klar als solche gekennzeichnet.

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