Knebelverträge für TV-Kandidaten

Wer ins Dschungelcamp einzieht, hat meistens keine andere Wahl: Ein "Star" ist er schon lange nicht mehr. Höchstens ein C- oder D-Promi, der Geld und Aufmerksamkeit braucht. Zwischen 30.000 und 60.000 Euro zahlt RTL seinen Teilnehmern, hat die Bild herausgefunden. Dafür legt der Sender aber knallharte Knebelverträge vor. Im schlimmsten Fall verlieren die Möchtegern-Stars die Hälfte ihrer Gage. Auch in anderen Castingshows ist es üblich, die Kandidaten auszubeuten.

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Um an ihre Ekelgrenzen zu gehen, werden die Dschungelcamper gut bezahlt. Aber wer nicht macht, was in den komplizierten Verträgen steht, fliegt raus – und kann einen Teil seiner Gage vergessen.
Laut Bild bekommen beispielsweise Rainer Langhans und Indira jeweils 50.000 Euro für ihre Auftritte. Die ehemalige Topmodel-Kandidaten Sarah Knappik erhält "nur" 30.000 Euro. Doch die Gage landet nicht direkt auf ihren Konten, sondern wird in vier Raten bezahlt:

  1. Rate bei Vertragsunterzeichnung.

  2. Rate bis spätestens 8. Januar 2011.

  3. Rate erst nach Abschluss des Dschungelcamps – "zahlbar am 12.02.2011".

  4. Rate wird zwei Wochen nach Ausstrahlung der letzten Folge fällig.

Voll ausbezahlt werden die Raten nur an diejenigen, die nicht zu früh den Satz "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" sagen und somit aus dem Camp abreisen. Ansonsten verzichten die Kandidaten auf die letzten beiden Raten. Wer gegenüber einem anderen Medium als RTL über das Dschungelcamp spricht, bekommt zudem laut Bild eine Vertragsstrafe von 30.000 Euro aufgebrummt. Der sogenannte "Mitwirkendenvertrag" regelt sogar, wo die Kandidaten aufs Klo gehen dürfen: "Ausschließlich die Camptoilette benutzen", heißt es in dem 22 Seiten starken Dokument.
Der Bild liegen auch die Verträge von weiteren Castingshows vor. Hier die wichtigsten Informationen von "Germany’s Next Topmodel", "Popstars", "Deutschland sucht den Superstar" und "Bauer sucht Frau":
"Germany’s Next Topmodel" (ProSieben)
Die Mädchen, die bei Germany’s Next Topmodel mitmachen, müssen im ersten Jahr nach ihrem Auftritt 40 Prozent ihrer Gagen an ProSieben und die Produktionsgesellschaft abgeben. Im zweiten Jahr sind es noch 35 Prozent. Der Vertrag kann einseitig – ohne Zustimmung der Kandidatin – um zwei Jahre verlängert werden.
"Popstars" (ProSieben)
Die "Popstars"-Gewinner haben kaum etwas von ihren Plattenverkäufen. "Alle urheberrechtlichen Nutzungs-, Leistungsschutz-, Persönlichkeits- und sonstigen Rechte liegen bei der Produktion", heißt es laut Bild im Vertrag. Für das erste Album gibt es eine Vorauszahlung von nur 5.000 Euro. Nach frühestens einem halben Jahr bekommen die Kandidaten eine erste Abrechnung und Ausschüttung.
"Deutschland sucht den Superstar" (RTL)
Ab den Top 15 erhalten die Teilnehmer ein Honorar (ca. 1.500 Euro pro Auftritt). Wer in die Top 10 vorstößt, verpflichtet sich zur Zusammenarbeit mit dem Musikriesen Universal (neu seit dieser Staffel). Kein Teilnehmer darf neben dem Sieger innerhalb von drei Monaten nach dem Finale einen Song veröffentlichen.
"Bauer sucht Frau" (RTL)
Die Teilnehmer von "Bauer sucht Frau" bekommen eine Gage von 3.000 Euro für zehn Tage. Alle Bauern verpflichten sich, bis zu sechs Monate nach Ausstrahlung der letzten Sendung "als Musiker, Sänger, Schauspieler oder Moderator zur Verfügung zu stehen". Sie haben eine Schweigepflicht von drei Jahren. Über eine Hochzeit oder ein gezeugtes Kind darf RTL drei Jahre lang exklusiv berichten.

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