„Ein ganz starkes Geschäftsjahr“

Schöne Bescherung für Bertelsmann: Das Weihnachtsgeschäft übertraf offenbar die Erwartung des Medienhauses deutlich. "Aber auch für das Gesamtjahr 2010 zeichnet sich ab, dass es ein ganz starkes Geschäftsjahr war", verrät Hartmut Ostrowski im hauseigenen Intranet. In dem Interview spricht der Vorstandschef über Zukunftschancen des iPads, die Möglichkeiten wieder zu investieren und die Digitalisierung als immer wichtigere Unternehmenssäule: "Die digitalen Umsätze steigen Jahr für Jahr".

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Insgesamt zieht Ostrowski eine äußerst positive Bilanz der vergangenen zwölf Monate: "Die Lage ist gut – viel besser, als wir vor Jahresfrist noch zu hoffen gewagt haben. Die Krise ist überwunden, und wir stehen besser da als vor zwei Jahren." Die Gütersloher sehen sich – dank umfangreicher Kostensenkungen und Portfoliobereinigungen – in einer Position der Stärke und des Aufbruchs. Denn: "Die Netto-Finanzschulden betragen weniger als zwei Milliarden Euro", so Ostrowski, "wir liegen wieder unterhalb unserer eigenen Zielvorgaben für den Verschuldungsgrad. Damit haben wir jetzt neue Handlungsspielräume."
Über Jahre kämpfte das Unternehmen gegen eine hohe Schuldenlast aufgrund des Rückkaufs eines milliardenschweren Aktienpakets von der belgischen Groupe Bruxelles Lambert. Die Folge war, dass der Investitionsspielraum für Europas größtes Medienhaus gering war. Große Zukäufe, vor allem im Digital-Business, schienen lange unmöglich. Das ändert sich jetzt. Bei der richtigen Gelegenheit will der 52-Jährige CEO einiges an Geld in die Hand nehmen. "Wir haben ausreichende Mittel, um wieder zu investieren."

Eine klare Ansage gibt es vom Chef, was er von allen Unternehmen und Mitarbeitern erwartet: So sollen die bestehenden Geschäfte "nach Kräften optimiert" werden, die sich "ergebenden Marktchancen erkannt und genutzt" und vor allem "die Chancen der Digitalisierung ergriffen" werden. Gerade der letzte Punkt ist ein Bereich, in dem Bertelsmann von Kritikern fast schon traditionell eine gewisse Schlafmützigkeit unterstellt wird. Ostrowski kontert: Für Bertelsmann sei die "Digitalisierung etwas ganz Normales. Sie ist seit langen Jahren integraler Bestandteil aller Geschäfte."

Passend zum Naturell des Konzerns, ist es dem Manager jedoch wichtig, mit der nötigen Ruhe den ständig wechselnden Internet-Hypes zu begegnen. "Ein kühler Kopf trägt bei der Bewertung dieser Chancen viel weiter als die Fixierung auf immer neue vermeintliche Heilsbringer aus der digitalen Wundertüte."

Als Beispiel dafür nennt der Vorstandsvorsitzende E-Books und iPads. Bei beiden Medien sei Bertelsmann führend dabei, sie mit seinen Inhalten zum Leben zu erwecken. "Aber das E-Book wird das gedruckte Buch nicht ablösen, und das iPad leitet auch nicht das Ende der gedruckten Zeitschriften ein." Ostrowski ist überzeugt: "Im Tablet-PC allein liegt noch nicht die Zukunft der Zeitschriften." Überhaupt konzentriert sich für den 52-Jährigen die öffentliche Diskussion um die Digitalisierung viel zu sehr auf die Frage, ob für die Inhalte zu bezahlen oder nicht zu bezahlten ist.

Im Vergleich zur Konkurrenz sieht der Manager seinen Konzern im Bereich der Digitalisierung bestens gerüstet. "Bei uns kommen der digitale Vertrieb, das Online- und Mobile-Marketing, digitale TV-Kanäle, digitale Services und Service für digitale Kunden hinzu."

Zudem erläutert Ostrwoski noch einmal die strategischen Leitlinien seines unternehmerischen Handeln. Es lässt sich in die Schlagworte "Stärken, Entwickeln und Expandieren" zusammenfassen.

Als Beispiel für diese Strategie nennt der Ostwestfale den Aufbau der BMG-Musikrechtesparte. "Der rasante Aufschwung dieses Geschäfts macht mir richtig Freude. Für Bertelsmann geht es hier emotional um die Rückkehr in die Musikwelt und unternehmerisch um ein vielversprechendes Geschäft." Ähnliche Wachstumschancen sieht der Vorstandsvorsitzende in den in den Bereichen Bildung, E-Commerce-Service oder Business Information.

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