ByteFM: Nutzer-Spenden statt Werbespots

Hinter drei Meter dicken Betonmauern im Hamburger Medienbunker sitzt der Online-Radiosender ByteFM. In diesem Monat feiert der Kanal, den der langjährige NDR-Info-Moderator Ruben Jonas Schnell betreibt, seinen dritten Geburtstag. 700.000 Mal im Monat wird sein Stream mittlerweile eingeschaltet. Ein langer, anstrengender Weg für den 42-Jährigen, der Internetradios aus ihrer Nische herausholen will. "Klassische Sender investieren kaum in ihr Web-Programm", sagt er zu MEEDIA.

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Für ByteFM sei das eine Chance, auch wenn Schnell keine kommerziellen Ziele mit dem Sender verfolgt. Die rund 100 freien Moderatoren und Redakteure arbeiten fast alle ehrenamtlich. "Geld bekommen nur die CvDs für ihren Job", erklärt er. Auch Schnell verdiene keinen Cent mit dem Projekt, mache es aus reiner Leidenschaft. Auf Werbespots verzichtet der Sender.
Seit dem letzten MEEDIA-Besuch bei ByteFM im Januar 2010 hat sich einiges getan. Bis zu 700.000 Hörer schalten den Online-Stream mittlerweile pro Monat ein, seit September ist der Sender in Hamburg auch per UKW zu empfangen. Dem "Freunde-Programm" von ByteFM, im November 2009 gegründet, sind 1.200 Hörer beigetreten. Sie zahlen 30 bis 100 Euro jährlich. Als Gegenleistung bekommen sie Zugriff auf das ByteFM-Archiv und können Sendungen per Mausklick nach eigenem Zeitplan starten. Außerdem nehmen sie an Verlosungen von Konzertkarten und CDs teil.
Zu seinem dritten Geburtstag öffnet ByteFM am 22. Januar von 16 bis 20 Uhr seine Türen im Medienbunker für alle, die einen Blick hinter die Kulissen des Senders werfen möchten. Wer mag, kann seinen Lieblingssong mitbringen und ihn dann mit Unterstützung durch die Moderatoren live on air vorstellen.
Als Wachstumstreiber für ByteFM sieht Schnell neben internetfähigen Radios insbesondere Smartphones. "Mobile Empfangsgeräte sind optimal, um Web-Sender massenkompatibel zu machen", sagt er. Eine eigene iPhone-App hat ByteFM auch. Bis jetzt ist sie jedoch sehr spartanisch gehalten – einen Lautstärkeregler und einen Playbutton, mehr umfasst sie nicht. Für die Zukunft kann Ruben Jonas Schnell sich vorstellen, mehr auf dem Gebiet zu tun: Infos zu Künstlern, Moderatoren und Gästen, Links zu E-Shops mit Merchandise-Artikeln oder Konzertkarten, die Verknüpfung mit Facebook und Twitter. Von Song-Downloads aus einer App via iTunes hält er hingegen nichts. "Da ist die Umsatzbeteiligung zu gering, das lohnt sich für einen App-Betreiber nicht." Laut Schnell bekommt ein Web-Radio-Anbieter nur 4 Cent pro verkauftem Titel.
So richtig die Masse erobert haben Internetradios noch nicht. Laut der ARD-/ZDF-Onlinestudie werden sie von rund 13 Prozent der deutschen Onliner genutzt, 0,5 Prozent schalten täglich ein. "Das Erschließen neuer Zielgruppen durch spezielle Webradio-Angebote ist offenbar ein langsamer und auch begrenzter Weg", heißt es. Ruben Jonas Schnell interpretiert die Zahlen anders: "Wenn 13 Prozent der Onliner – zumindest ab und zu – Web-Radio hören, ist das ein toller Wert. Das sind sechs Millionen Menschen!"
In diesem Jahr hat sich der ByteFM-Macher vorgenommen, 3.000 Hörer mit dem "Freunde-Programm" zu erreichen. Funktionieren soll das über Mund-zu-Mund-Propaganda. "Wir haben noch nie Geld für Werbung ausgegeben", erklärt er. Aber künftig möchte er seinen Mitarbeitern mehr Honorar zahlen können. "Wer seine Zeit und Leidenschaft in das Projekt steckt, soll auch etwas dafür zurückbekommen." Für Schnell bedeutet ByteFM auch einen großen Zusatzaufwand. "Meine Schlafenszeiten seit der Gründung sind deutlich kürzer geworden."

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