Steve Jobs’ Auszeit: Was jetzt, Apple?

Es ist die Nachricht, vor der sich alle Apple-Fans gefürchtet haben: Der seit Jahren gesundheitlich angeschlagene Gründer und CEO Steve Jobs muss eine erneute Auszeit einlegen – bereits seine dritte in rund sechs Jahren. Vor allem der Wortlaut von Steve Jobs’ Nachricht an seine Angestellten lässt Schlimmes befürchten – anders als 2009 wird die Länge der Auszeit und das Datum der Rückkehr offengelassen. Was bedeutet der Ausfall des visionären Managers nun für das Unternehmen – und die Aktionäre?

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Es ist die Nachricht, vor der sich alle Apple-Fans gefürchtet haben: Der seit Jahren gesundheitlich angeschlagene Gründer und CEO Steve Jobs muss eine erneute Auszeit einlegen – bereits seine dritte in rund sechs Jahren. Vor allem der Wortlaut von Steve Jobs’ Nachricht an seine Angestellten lässt Schlimmes befürchten – anders als 2009 wird die Länge der Auszeit und das Datum der Rückkehr offengelassen. Was bedeutet der Ausfall des visionären Managers nun für das Unternehmen – und die Aktionäre?
Es sind nur 113 Worte, doch sie sind rund 20 Milliarden Euro wert. „Ich liebe Apple so sehr und hoffe, so schnell wie ich kann, zurückzukommen“, lautet der prägnanteste Satz von Steve Jobs’ Erklärung zur Auszeit, die am heutigen Montag Apple-Anhänger und Aktionäre auf dem falschen Fuß erwischte. Um in der Spitze 11 Prozent brachen die Apple-Aktien an den deutschen Aktienmärkten ein – und nur dort, denn der Handel in den USA ist heute wegen des Martin Luther King Days ausgesetzt.

Allein der Wortlaut lässt Schlimmes befürchten, wie der frühere Internetaktienanalyst Henry Blodget auf dem „Business Insider“ in einer ersten Einschätzung einordnet: „Der Wortlaut von Steve Jobs’ Teammail klingt nicht ermutigend“, so Blodget, „das sind nicht die Worte von jemandem, der eine kurze Auszeit nimmt und davon ausgeht, bald wieder im Unternehmen zu sein. Nach unserer Meinung hört es sich nach den tragischen, tiefen Gefühlen von jemanden an, der davon ausgeht, vielleicht nie wieder zurückzukommen.“

Beunruhigende Nachrichten: Die Krankengeschichte wiederholt sich

In gespenstischer Weise wiederholt sich damit die Geschichte. Fast auf den Tag zwei Jahre ist es her, als sich Steve Jobs seine letzte Auszeit nahm. Seinerzeit kündigte der Apple-CEO nach Wochen der überbordenden Gerüchte den krankheitsbedingten Ausfall für ein halbes Jahr an. Wie sich wenig später herausstellte, musste sich der 55-Jährige einer Lebertransplantation unterziehen.

Diesmal ließ Jobs offen, wann er zurückkehren werde. Er bleibe CEO und werde weiter ins operative Geschäft eingebunden sein – vom Krankenbett aus sozusagen. Doch wie schwer ist der krankheitsbedingte Ausfall diesmal? Reflexartig spekulierten viele Medien wieder mit der Rückkehr der früheren Krebserkrankung – andere mit weiteren Folgeerkrankungen.

Deutsche Börse preist Kurssturz auf 315 Dollar ein

An der Börse wurde der Höhenflug der Apple-Aktie sofort jäh gestoppt. Bis auf 237 Euro stürzte der heute Vormittag noch zweitwertvollste Konzern der Welt ab – das entspricht Kursniveaus von 315 Dollar, ein happiger Abschlag von 33 Dollar zum Schlusskurs vom Freitag. Allein die Tatsache, dass Apple die Nachricht am handelsfreien Montag publiziert hat, dokumentiert, wie sehr der iPad- und iPhone-Hersteller um Schadensbegrenzung bemüht ist.

Wie US-Anleger auf die Nachricht reagieren, wird sich morgen ab 15.30 Uhr zeigen, wenn die Wall Street wieder öffnet. Als Abfederung erwarten Analysten die Quartalszahlen, die nach Handelsschluss bekannt gegeben werden und wieder als sehr stark erwartet werden.

Bewertung: Jobs-Faktor längst weggefallen

Klar ist jedoch, dass Steve Jobs’ erneute Erkrankung kurz- bis mittelfristig den Aktienkurs bestimmen dürfte, selbst wenn die Geschäfte weiter boomen und neue Produkte wie das iPad 2 und später iPhone 5 vorgestellt werden – zu eng verwoben sind Unternehmen und Gründer. Was also würde passieren, wenn Steve Jobs wirklich nicht zurückkehrt? Abschläge von 20 Prozent wurden in diesem Worst Case-Szenario von Wall Street-Analysten gerne immer angenommen – die Hälfte davon wäre heute bereits eingepreist.

Auf der anderen Seite spricht Apples moderate Bewertung gegen einen völligen Zusammenbruch der Aktie. Mit einem erwarteten KGV von nur noch 14 bei Kursen von 315 Dollar ist Apple günstiger bewertet als der Durchschnitt der S&P 500-Unternehmen – und das, obwohl Apple so schnell wächst wie kaum ein anderes hoch kapitalisiertes Unternehmen in den USA. Der Steve Jobs-Faktor, der Apple zwischen 2003 und 2007 ein Premium-KGV von bis zu 40 bescherte, ist seit der letzten Auszeit nicht mehr im früheren Ausmaß im Papier eingepreist.

Tatsächlich könnte sich die implizite Unterstellung des Marktes, das eingespielte Apple-Team um Tim Cook, Phil Schiller und Jonathan Ive könne Apple nicht weiter auf Kurs halten, also als Unterschätzung herausstellen. Die visionären und verkäuferischen Fähigkeiten von Steve Jobs wären indes nie zu ersetzen – das könnte die Aktie auch reflektieren, erst recht langfristig.

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