Die schlimmste Phrase von allen

Die schlimmste Formulierung der Branche lautet “Liebe xy, wir müssen reden...”. Wenn Texte so beginnen, tut der Kundige gut daran, das Weiterlesen sofort einzustellen. Was folgt, ist meistens oberlehrerhaftes Geblubber ohne Substanz. Leider war es in dieser Woche wieder soweit, dass die schlimmste Phrase von allen im Internet auftauchte. Wir verraten aber nicht, wo. Sonst noch im Rückblick: Burda bei Facebook, Mineralwasser beim ZDF und Holtzbrincks verpasstes “dickes Ding”.

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Jetzt ist nach Claus Strunz auch Verleger und Fugger-Fan Hubert Burda bei Facebook. Fraglich allerdings, ob er die bisher eher spärlichen Einträge selbst getätigt hat. Ich vermute mal: nein. Als Meister der Meta-Kompetenz hat man für sowas sein Gesinde 2.0. Lustig aber zu sehen, wie die Zahl der Burda-Fans bei Facebooks wächst. Waren es am Morgen noch kümmerliche 38 digitale Verehrer, war die Zahl der Facebook-Gefolgschaft des Verlegers am Nachmittag bereits auf knapp 200 gewachsen. Bei dem Tempo hat Burda den Strunz bald eingeholt. der kommt aktuell auf 514 Facebook-Fans.

Die Schleichwerbe-Serie der Bild-Zeitung hat leicht groteske Züge. Ich bin immer zur Stelle, wenn es darum geht, öffentlich-rechtliche Verfehlungen anzuprangern oder lauthals über Gebührenverschwendung zu jammern (“Und das von UNSEREN Gebühren!”). Aber muss Bild wirklich vorrechnen, wie viele Mineralwasserflaschen San Pellegrino bei der “Affäre Semmeling” hat springen lassen? Fürs Protokoll: Es waren 9.120 Flaschen. Verwunderlich ist da vor allem, dass es in der Tat Agenturen gibt, die sich um die Platzierung von Mineralwasserflaschen bei TV-Produktionen kümmern. Es gibt schon seltsame Methoden, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Immer wenn ich lese “Liebe(r) xy, wir müssen reden…”, packt mich das kalte Fracksausen. Diese Formulierung ist so, es muss gesagt werden, oberlehrerhaft, tantig und verspießt, dass sie in sprachliche No-Go-Areas verbannt gehört. Ich sage jetzt nicht, wo ich das gerade wieder lesen musste. Nur soviel: Der Text fing an mit “Liebe Journalisten, wir müssen reden….” den Rest kann man sich denken. Der oder die Angesprochenen “Lieben Irgendwas…” können nun wirklich auf diesen erhobenen Zeigefinger in Text-Form verzichten. Egal ob Journalisten, Verleger, Bahn-Manager, Politiker usw. Bitte nicht mehr davon "reden"!

Überall heißt es Facebook, Facebook, Facebook. Und was bitte ist mit Studi VZ? Wir erinnern uns: Der Facebook-Klon wurde ein paar Studenten von Holtzbrinck für sehr viel Geld abgekauft. Der Kaufpreis lag, glaube ich, grob bei 85 Fantastilliarden Euros oder Dollar. Und als Facebook noch nicht ganz der Hotshot-Überflieger war, der es heute ist, wollten die Amerikaner den Holtzbrincks die Studi-VZ-Butze abnehmen und mit Facebook-Anteilen zahlen. Bei Holtzbrinck hat man damals dankend abgewunken. Gerade wird Facebook nach dem Einstieg von Goldman Sachs mit ca. 50 Mrd. Dollar bewertet. Hätte Holtzbrinck damals eingeschlagen, es wäre womöglich der Deal des Lebens gewesen. Holtzbrinck-Venture-Partner Martin Weber hat im FAZ-Interview gesagt, “das wäre das wirklich dicke Ding gewesen.” Tja, “wäre gewesen”.

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