Bauer lehnt Grosso-Pilotabschluss ab

Bauer und der Grosso-Verband werden so schnell keine Freunde mehr. Nächstes Kapitel im Dauerdisput ist nun die Ablehnung des von Springer ausgehandelten Pilotabschlusses. „Sollten die Verlage den Vertrag unterzeichnen, würde dies zu Mehrkosten im hohen dreistelligen Millionenbereich führen. Das wäre für die Verlage existenzbedrohend", sagte Geschäftsführer Andreas Schoo zu text intern. Berichte, wonach Bauer gegen den Grosso-Verband klagen will, wollte der Verlag gegenüber MEEDIA nicht bestätigen.

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Die Vereinbarung zwischen dem Presse-Grosso und der Axel Springer AG beinhaltet "rechtsverbindliche Regelungen über medien- und branchenpolitische Aspekte der Zusammenarbeit". Es geht um die Margen der Grossisten, die dem Vertrag zufolge ab 2012 geringer werden. Mit einer solchen Vereinbarung könnten die Verlage laut Einschätzung von Turi2 in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 100 Millionen Euro an Vertriebskosten einsparen, das Grosso spricht lediglich von einer Summe "in signifikanter Höhe". Zusätzlich schließen die Partner das so genannte "Bonus Plus"-Programm ab, das dem Berliner Medienhaus einen jährlichen Bonus in Abhängigkeit von der Umsatzentwicklung vom Presse-Grosso garantiert.

Vor allem die Zusatzvereinbarungen scheinen Schoo zu ärgern. "Die Bonusregelung wird allenfalls und auch nur bei sehr optimistischer Betrachtung der Bild-Zeitung helfen", sagte der Manager gegenüber Text intern. "Ehrlicherweise hätte man dann die Vereinbarung auch ‚Bild Plus’ nennen sollen. Wir sehen ‚Bonus Plus‘ als eine Tageszeitungsvereinbarung. Jetzt benötigen wir zukunftsweisende Verträge für die Zeitschriftenbranche.“

Bevor der Grosso-Verband seinen Pilotabschluss mit Springer verkündete, soll es bereits Gespräche mit dem Bauer-Verlag gegeben haben. In den Verhandlungen mit Schoo ging es offenbar sogar um eine Handelsspannen-Absenkung.

Ob andere Verlage die Situation ähnlich wie Bauer einschätzen ist zur Zeit noch unklar. Gruner + Jahr hatte dagegen in einer ersten Stellungnahme den Pilotabschluss gelobt. "Die Überführung wesentlicher Faktoren der Gemeinsamen Erklärung in rechtsverbindliche Vereinbarungen festigt und sichert das deutsche Pressevertriebssystem zwischen den Marktpartnern Grosso und Verlagen nachhaltig für die Zukunft", kommentiert Vorstandsvorsitzender Bernd Buchholz. "Gruner + Jahr hat sich immer zu diesem System bekannt – u.a. weil die Durchsetzung der System-Essentials Pressevielfalt und freier Marktzugang für alle Titel entscheidend sind für die Pressefreiheit in Deutschland. Gleichzeitig beinhaltet der Abschluss die Erklärung des Grossos, dass in nicht überzogener, aber gleichwohl relevanter Größenordnung Vertriebskosten der Verlage gesenkt werden können und sollen."

Im Gespräch mit Text intern ließ Schoo die Frage, ob Bauer eine Preiskartellklage gegen den Pilotabschluss plane, ausdrücklich offen.

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