Massive Kritik an Piels Antritts-Interviews

Im Tagesspiegel, der taz, der Frankfurter Rundschau oder in der Süddeutschen Zeitung: Zu ihrem Amtsantritt flutet (DWDL) die neue ARD-Chefin, Monika Piel, die Republik mit Interviews, die wohl so eine Art Regierungserklärung sein sollen. Die Texte zeigen jedoch vor allem eines: Vom Web und den neuen Medien hat die WDR-Intendantin offenbar keine Ahnung. Ob bei Spiegel Online oder bei Stefan Niggemeier: Im Netz wird die 60-Jährige massiv wegen ihrer Äußerungen zu Google und kostenpflichtigen Apps kritisiert.

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Vor allem an zwei Aussagen der neuen ARD-Chefin entzündet sich die Kritik.

–  In der Frankfurter Rundschau sagte sie: "Man ist offensichtlich von Seiten der Verlage auf dem Holzweg, wenn man journalistische Inhalte kostenlos anbietet. Diese Kostenloskultur kann nicht Ziel führend sein. Das kann für die Verlage nur heißen, man muss dahin kommen, die journalistischen Inhalte zu verkaufen. Da sind kostenpflichtige Apps der richtige Anfang. Bei diesen fühlen sich die Verleger jedoch im Markt behindert. Wenn der Verlegerverband die Apps kostenpflichtig macht, dann werde ich mich auch vehement dafür einsetzten, dass unsere öffentlich-rechtlichen Apps kostenpflichtig sind."

– Dem Handelsblatt antwortet sie auf die Frage, ob Google eine Bedrohung für die gebührenfinanzierten Sender ist: "Natürlich. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle Qualitätsmedien."

Christian Stöcker kommentiert bei Spiegel Online: "Ihre private Konkurrenz, ob im Radio oder im Fernsehen, lebt schon seit vielen Jahren komfortabel mit der Kostenloskultur des Rundfunks. Direkt verdient haben an TV-Zuschauern und Radiohörern hierzulande stets nur Hersteller und Verkäufer von Unterhaltungselektronik – und die Kabelnetzbetreiber. Von einem ‚Geburtsfehler‘ war dort nie die Rede, obwohl die Sender samt und sonders werbefinanziert sind. Mit einer Ausnahme, versteht sich: ARD und ZDF sind die einzigen, die hierzulande kostenpflichtigen Rundfunk machen."
Stefan Niggemeier verfasst einen Brief an Monika Piel. Darin schreibt der Medienjournalist:

"Ich halte diese Äußerung für einen Skandal."

"Wir bekommen aber ein Problem miteinander, wenn Sie auf meinem Rücken und dem von Millionen Gebührenzahlern den Verlegern bei dieser Strategie helfen wollen. Unter bestimmten Bedingungen wollen Sie öffentlich-rechtliche Inhalte, die für Geräte wie das iPad aufbereitet wurden, nur noch gegen Geld zugänglich machen. Ich habe Neuigkeiten für Sie, Frau Piel: Wir haben diese Inhalte schon bezahlt."

Der Jetzt.de-Redaktionsleiter Dirk von Gehlen kritisiert neben den Piel-Aussagen im Interview mit dem Handelsblatt auch noch die Frage-Technik von Chefredakteur Gabor Steingart: "Warum das so ist, wird nicht nachgefragt und auch nicht erklärt. Stattdessen spricht Monika Piel davon, den Geburtsfehler des Internet (nämlich kostenlose Inhalte) beseitigen zu wollen. Wieso ausgerechnet die Chefin der gebührenfinanzierten ARD Inhalte, für die nicht direkt bezahlt wird, für falsch hält, wird ebenfalls nicht nachgefragt oder erklärt, stattdessen erläutert Frau Piel, wie sie diesen Geburtsfehler rückgängig machen will."
Auch Marcel Weiss beschäftigt sich mit Piels Geburtsfehler-These: "Seit das Internet im Mainstream in der zweiten Hälfte der Neunziger angekommen ist, versuchen Presseverlage in der westlichen Welt regelmäßig und bis auf sehr wenige Ausnahmen erfolglos, Bezahlschranken zu etablieren. Den einzigen Geburtsfehler hatten solche Websites, die von Anfang an mit Bezahlschranken ausgestattet waren, bis diese mangels Erfolg abgeschaltet wurden. (Ein Beispiel von vielen ist das Handelsblatt.) Die Debatte ist so alt wie das Internet und wer heute von einem Geburtsfehler redet, kennt weder die Geschichte der Branche noch die auf die sie wirkenden Marktdynamiken."
Christian Ciemalla bloggt: "Die Person, über deren Aussagen die meisten vermutlich gerade oberflächlich den Kopf schütteln, steht an der Spitze eines über 6 Milliarden Euro starken Imperiums. Eines gebührenfinanzierten Imperiums."

Thomas Gigold merkt an: "Monika Piel – neue Vorsitzende der ARD – disqualifiziert sich in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gleich am ersten Tag für ihren neuen Job."

Abschließend fasst Evangelisch.de zusammen: "Der WDR-Intendantin fliegt bereits jetzt mehr Kritik um die Ohren als ihrem Vorsitzenden-Vorgänger Peter Boudgoust wohl in dessen gesamter Amtszeit."

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