„Tatort“-Kritik: Mord an der Polizeischülerin

Die Faszination der “Tatort”-Reihe auf ein Millionen-Publikum am Sonntagabend ist und bleibt ein Faszinosum. Allzu oft bietet die Top-Serie der ARD löchrige Drehbücher und schauspielerische Fehltritte. Der “Tatort” an diesem Sonntag mit Kommissarin Lena Odenthal ist da eine Ausnahme. Der Film “Tödliche Ermittlungen” über den Mord an einer Polizeischülerin ist einfach ein ordentlicher Krimi. Und das ist weit mehr, als man von vielen anderen “Tatort”-Folgen sagen kann.

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Die Geschichte um die ehrgeizige, jungen Polizeischülerin Bettina Schnell, die aus sozial schwachen Ludwigshafener Verhältnissen stammt und ermordet auf einem Feld aufgefunden wird, ist beileibe kein Meisterstück des Storytelling. Aber dieser Sonntags-Krimi ist schlüssig und geradlinig erzählt. Und schon daran scheitern “Tatort”-Folgen sehr oft: an Über-Ambition. Da wollen die Autoren und Regisseure gesellschaftliche Probleme wälzen oder gleich ganz große Filmkunst abliefern, was eigentlich immer in die Hose geht.

Auch die arme Ulrike Folkerts musste in ihren Odenthal-Krimis schon so manchen Drehbuch-Schmonzes durchleiden. Vor diesem Hintergrund ist der Film, den Autor Andreas Schlüter und Regisseur Michael Schneider hier abgeliefert haben, eine wohltuende Ausnahme, die zur Regel werden sollte. Die beiden besinnen sich auf gutes, altes Krimi-Handwerk ohne Schnörkel.

Das Setting ist mit der Polizeischule und einem sinistren Fitness-Center gut gewählt. Die Darsteller sind ordentlich besetzt und machen ihre Sache gut und vor allem unaufgeregt ohne allzu gekünstelte Gefühlsausbrüche. Es gibt zudem eine ganze Reihe von Verdächtigen: vom fiesen Fitness-Studio-Boss, dessen Drogen-Geschäften die eifrige Polizeischülerin auf die Schliche gekommen war, bis zur undurchsichtigen Nebenbuhlerin auf der Schule.

In diesem wohltuend konventionellen Handlungsrahmen kann sich auch die stimmige Chemie zwischen der spröden Kommissarin Odenthal und ihrem Sidekick Kopper auch wieder in kleinen Gesten wie dem Jacke-aufhalten entfalten. Kleine Gags wie die erotomane Politesse, die statt Kopper dessen Wagen abschleppt, runden die Folge ab. Regisseur Schneider muss man zudem zu Gute halten, dass er einfallsreiche Bilder findet und sogar die sporadischen Action-Szenen nicht ganz so großväterlich in Szene setzt, wie sonst in deutschen Kriminalfilmen üblich.

Der Fall “Tödliche Ermittlungen” bietet sogar eine kleine Wendung am Ende. Solche Handlungs-Kniffe erwartet man von hiesigen Produktionen ja schon gar nicht mehr, weil sie sich vorher meistens schon in Weltschmerz und überzogenem Selbst-Anspruch völlig verheddert haben. Der neue Lena-Odenthal-”Tatort” ist also ein ganz normaler Sonntagabend-Krimi geworden. Und gerade weil der Film nicht mehr sein will, ist er gut gelungen und es wert, eingeschaltet zu werden.

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