“Ich werde kein zweiter Julian Assange”

In wenigen Tagen soll OpenLeaks online gehen. Die Webseite ist als Alternative zu Wikileaks gedacht, das, wie sein Gründer Julian Assange, weltweit in der Kritik steht. Begründer und ehemaliger Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt - eigentlicher Name: Daniel Domscheit-Berg - ergriff im Focus erstmals öffentlich Partei für den angeklagten Assange. Für Openleaks solle es kein prominentes Aushängeschild geben. Derweil kündigt Assange an, den Erhalt seiner Plattform mit Erlösen aus seinen Memoiren zu sichern.

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„Ich halte Julian auch nicht für einen Vergewaltiger“, erklärt Domscheit-Berg im Focus. Solch milde Töne verwundern. Hatte der ehemalige Wikileaks-Sprecher doch angekündigt, ein Buch über die Arbeit bei Wikileaks und seinen Kollegen Julian Assange zu schreiben. Das Buch soll im Februar erscheinen. Kontakt zu Assange hat Domscheit-Berg seit seinem Ausstieg vor einigen Monaten nicht mehr. „Das war alles so unschön. Wir haben fast drei Jahre zusammengearbeitet und jetzt diskreditiert Julian uns als ehemalige Mitarbeiter, die über ihn herziehen.“

"Bei uns wird es keinen Mr. OpenLeaks geben"
Seine eigene Enthüllungsplattform OpenLeaks, die in den nächsten Wochen online gehen soll, werde aus diesem Grund „diskriminierungsfrei“ sein, kündigte Domscheit-Berg an. „Bei uns wird es keinen Mr. OpenLeaks geben, ich werde kein zweiter Julian Assange.“ Anders als Assange will Domscheit-Berg eng mit Journalisten zusammenarbeiten. Openleaks‘>
Auf der Homepage einer Webseite würde dann ein Button abgebildet werden. Klickt man darauf, bekommt der User Anweisungen, um eventuell brisante Dokumente auf sicherem Wege zu verschicken. Technisch gesehen basiert das Netzwerk auf einem Serververbund in etwa zehn Ländern. Die Anzahl der Server soll im Laufe der Zeit aufgestockt werden. Je größer das Netz und je mehr Knotenpunkte darin, desto schwerer ist später nachzuvollziehen, woher potenziell brisante Dokumente stammen.

Assange will seine Memoiren versilbern
Domscheit-Berg hatte Assange 2007 getroffen. Die Betreiber der auf Enthüllung von Geheimdokumenten spezialisierten Website sind größtenteils unbekannt, einzig Assange und Domscheit-Berg alias "Schmitt" traten öffentlich auf. Schließlich kam es zum Zerwürfnis zwischen Assange und Schmitt über persönliche, ethische und politische Fragen. Der Deutsche verließ vor wenigen Monaten Wikileaks.

Und auch Assange selbst wird ein Buch schreiben. Für seine Memoiren will der Wikileaks-Chef rund 1,2 Millionen Euro kassieren. Das Geld sei nötig, um die Internetplattform weiter zu betreiben und um sich selbst gegen Vorwürfe aus Schweden zu verteidigen, sagte er der Londoner Zeitung Sunday Times. "Ich will dieses Buch nicht schreiben, aber ich muss", sagte Assange. Er habe bereits 200.000 Pfund für Rechtskosten ausgegeben.

Für die Autobiografie soll er 518.000 Pfund (610.000 Euro) von seinem US-Verlag Alfred A. Knopf erhalten. Der Verlag gehört über die Gruppe Random House zum deutschen Bertelsmann-Konzern. Weitere 325.000 Pfund sollen vom schottischen Verlag Canongate kommen.

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