„Tatort“: Wenn Milberg auf Mankell trifft

Ein abgetrennter Fuß, eine Hand, ein Kopf – aber alle Körperteile stammen von unterschiedlichen Leichen: Der Kieler "Tatort: Borowski und der vierte Mann“ ist gänzlich unappetitlich und nach einem deftigen Weihnachtsschmaus sicherlich nicht jedermanns Sache. Was wie ein makabres Puzzlespiel anmutet, ist in Wahrheit Kalkül, gepaart mit einer psychischen Störung des Mörders. Doch bis ihm auf die Spur kommt, hat er noch mit einer feinen Jagdgesellschaft eine Rechnung zu begleichen.

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Auf einem Landgut in der Nähe von Kiel findet ein Wildhüter einen abgetrennten Fuß in einer Tierfalle. Es stellt sich heraus, dass das Körperteil von einem Mitglied einer Jagdgesellschaft stammt, das seit Tagen vermisst wird. Alles deutet darauf hin, dass ein militanter Tierschützer hinter dem Mord steckt. Aber bald stellt Borowski (Axel Milberg) fest, dass die Jagdgesellschaft – eine Ansammlung von gut betuchten, snobistischen Anlageberatern – alles andere als legalen Tätigkeiten auf dem Lande nachgeht. Kopf der Truppe ist Maja Stevens (Susanne Wolf), die auf dem geerbten Gut Bären hält, um diese dann illegal in den eigenen Wäldern zu erschießen. Als dann eine Hand bei einem Gerber gefunden wird, deutet alles auf einen Serienkiller hin, doch der Fall ist nicht einfach zu lösen.
Borowski stößt bei seinen Ermittlungen an seine Grenzen – ihm fehlt Psychologin Frida Jung (Maren Eggert) an seiner Seite. Vor seinen Kollegen verbirgt er seinen Unmut über den plötzlichen Weggang seiner Vertrauten. Er kann nicht mit ansehen, wie Jungs Büro ausgeräumt und neu gestrichen wird. Jeder gedanklichen Konfrontation mit ihr weicht er aus, bis ihn schließlich von ihr angefertigte Gutachten auf die Spur des Mörder bringen, denn dieser ist kein Unbekannter…
Die Geschichte zu "Borowski und der vierte Mann" beruht auf einer Vorlage des Schriftstellers Henning Mankell, die Drehbuchautor Daniel Nocke ausgearbeitet und Claudia Nocke als Regisseurin verantwortet hat. Dementsprechend hebt sich die Episode von den bisherigen aus Kiel ab: Die Figuren sind skurriler und undurchschaubarer, der Anblick der Leichen grausamer, die Erzählstruktur anspruchsvoller als üblich. Leider wird an Einlagen des typisch trockenen Borowski-Humors gespart – das ist aber auch der einzige, wenn auch entscheidende Minuspunkt, den der Kieler Krimi erhält.
Für Mai 2011 hat die ARD eine zweite Borowski-meets-Mankell-Ausgabe angekündigt. Milberg selbst hatte den schwedischen Krimiautoren für das Schreiben der Skripte begeistern können. Der Schauspieler pflegt eine enge Verbindung zu Mankells Figur Kommissar Wallander, den er auf Hörbüchern seine Stimme leiht.
Wer nach dem Leichen-Puzzelspiel noch nicht genug hat, sollte nach dem "Tatort" die Fernbedienung liegen lassen. Im Anschluss folgt um 21.45 Uhr die nächste schwedische Krimi-Geschichte aus der Feder von Mankell: "Kommissar Wallander: Mörder ohne Gesicht".

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