Wie Ihr iPhone Sie ausspioniert

Apples iPhone und Smartphones mit Googles Mobil-Betriebsystem Android werden immer beliebter. Mini-Programme, so genannte Apps, sind mittlerweile eine eigene Software-Kategorie geworden. Was vielen Nutzern nicht bewusst ist: Zahlreiche Apps sammeln heimlich Informationen über ihre Nutzer und senden diese ohne Erlaubnis an Anzeigenfirmen weiter. Das Wall Street Journal hat über 100 populäre Smartphone-Apps auf ihren Umgang mit Daten getestet - mit teilweise erschreckenden Ergebnissen.

Anzeige

Die gebräuchlichsten Infos, die ein iPhone oder ein Android-Telefon weitergeben sind die Gerätenummer, der aktuelle Standort sowie manchmal der Name des Besitzers, das Geschlecht und das Alter. Was zunächst banal wirkt, ist Bestandteil eines verborgenen Multi-Millionen-Dollar-Geschäfts.

Firmen wie das US-Unternehmen Mobclix sammeln solche Infos und bündeln sie zu Nutzer-Profilen, die für Anzeigenkunden von höchstem Interesse sind. Dafür werden die Informationen der Smartphones zum Beispiel mit Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen zusammengeführt. Daraus ergeben sich dann recht detaillierte Profile von Nutzergruppen, die sich nach Vorlieben, Geschlecht, Alter oder Wohnort sortieren lassen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gerätenummer, die jedes Telefon hat. Diese Nummer wird vom Hersteller oder Telefonanbieter vergeben und lässt sich von Nutzern nicht verändern oder löschen. App-Anbieter können anhand dieser Nummer einzelne iPhones oder Android-Telefone identifizieren und genau verfolgen, welche Apps geladen und wie sie benutzt werden. Nutzer können sich dagegen praktisch nicht zur Wehr setzen.

Laut den Bestimmungen von Apples App-Store müssen App-Anbieter Nutzer erst fragen, bevor sie beispielsweise mit dem GPS-Empfänger im iPhone den aktuellen Ort des Telefons abfragen. Beim Test des Wall Street Journal wurde in einigen Fällen der Ort des iPhone aber auch ohne Einwilligung der Nutzer abgefragt und weitergegeben. Das App-Spiel Pumpkin-Maker hat beispielsweise Geodaten des iPhones ohne Einwilligung der Nutzer an ein Anzeigen-Netzwerk weitergeleitet. Fragen des Wall Street Journals an Apple, ob es Sanktionen gegen solche Verstöße gibt und wie man dies künftig unterbinden will, wurden nicht beantwortet.

Kein Wunder: Apple und Google spielen selbst auch mit beim Zukunftsgeschäft mobile Werbung. Zu Google gehört die Firma Admob, die auf mobile Werbung spezialisiert ist, Apple hat die iAds für Werbung innerhalb der iPhone und iPad-Apps ins Leben gerufen. Auch diese Firmen arbeiten mit Nutzerprofilen. Die meisten der vom Wall Street Journal getesteten Apps verfügten noch nicht einmal über eine Datenschutzerklärung, die den Umgang der App mit Nutzerdaten erläutert. Einige Firmen wie Rovio, der Anbieter des populären iPhone- und Android-Spiels “Angry Birds”, veröffentlichten eine Datenschutzerklärung, nachdem sie vom Wall Street Journal darauf angesprochen wurden. Bezeichnend ist, dass Apple für die Zulassung einer App eine solche Datenschutzerklärung nicht bindend vorschreibt. Es gibt zwar unverbindliche Bekenntnisse zum Datenschutz – bohrt man aber ein wenig tiefer, dann findet man vor allem den Wunsch und die unbedingte Bereitschaft, mit Nutzerprofilen und -daten Geld verdienen zu können. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige