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Schwenn hat das falsche Magazin im Visier

Johann Schwenn, der neue Verteidiger des ehemaligen ARD-Wetterexperten Jörg Kachelmann, hat mit seinem Antrag, die Redaktionen von Focus und Bunte durchsuchen zu lassen, für Aufruhr gesorgt. Der DJV hat die beantragte Razzia bereits als Eingriff in die Pressefreiheit kritisiert. Dabei sind die Argumente des Strafverteidigers Johann Schwenn, mit denen er die Durchsuchung begründet, ohnehin fragwürdig. Die von ihm kritisierten Zeuginnen-Aussagen in Bunte standen schon Monate vorher in der Bild am Sonntag.

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Es ist in der Tat ein bisschen schwierig, in dem Vergewaltigungsprozess um den prominenten Wetterexperten Kachelmann den Überblick zu behalten über all die Zeuginnen, Ex-Geliebten und Sachverständigen. Tatsache ist, dass der frisch berufene Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn seinen Antrag auf Durchsuchung der Redaktionen von Bunte und Focus u.a. damit rechtfertigte, Mitarbeiter der Burda-Magazine hätten mindestens eine Zeugin dazu veranlasst, vor Gericht belastende Angaben über seinen Mandanten Kachelmann zu machen.

Konkret geht es dabei um eine Zeugin und Ex-Geliebte Kachelmanns, die sich in Bunte zum Fall geäußert hat und die auch vor Gericht aussagte. Schwenns Vorwurf an den Burda-Verlag: Die Redaktionen von Focus und Bunte sollen Zeuginnen bezahlt und beeinflusst zu haben. Die Welt schrieb zu den Vorwürfen von Schwenn: “Zwei Redakteure der ‘Bunten’ sollen eine Ex-Geliebte des Schweizers sogar so stark beeinflusst haben, dass sie ihre Aussage anschließend bei Gericht um ein wesentliches Detail ergänzte: Vor dem Sex mit Kachelmann habe sie einmal "Nein, ich will nicht" gesagt – was auf eine Vergewaltigung deuten könnte. Das hatte die Frau nach Schwenns Darstellung zuvor bei der Vernehmung nicht so geschildert.”

Diese “Nein”-Aussage der Zeugin, die der der Anwalt Schwenn nun zum Anlass nimmt, Razzien in Redaktionen zu fordern, wurde aber nicht von Bunte in die Welt gesetzt, sondern von der Bild am Sonntag. Die Zeitung aus der Axel Springer AG schrieb am 9. Mai 2010: “Nach einem Streit habe Kachelmann auf Sex bestanden, obwohl Lena J. Nein sagte. Schließlich habe sie sich in die Situation ergeben. Lena J.: "Ich brach beim Sex in Tränen aus. Er hat trotzdem einfach weiter gemacht."

Die junge Dame packte dann zwar auch noch in Bunte aus und sagte dort: "Er hatte Sex mit mir, obwohl ich Nein gesagt und geweint habe." Aber das war am 2. September, Monate nachdem sie das gleiche schon in der BamS erzählt hatte. Schwer zu glauben, dass man die Frau für die Wiederholung ihrer Aussage Monate später unter Druck setzen musste. In dem Bunte-Artikel verpasste man der Dame das Pseudonym Anja L. Also: die Lena L. aus der BamS und die Anja L. aus Bunte sind ein und dieselbe Person, die in Wirklichkeit natürlich einen ganz anderen Namen hat.

Die BamS-Reporter dachten offenbar, sie hätten mit der Frau, die sie Lena J. nannten, jene ehemalige Kachelmann-Gespielin aufgegabelt, über die der Focus kurz zuvor berichtete. Zitat aus dem BamS-Artikel: “Laut "Focus" hat die Polizei allerdings seit mehreren Wochen Kontakt zu einer weiteren Geliebten, die behauptet, von ihm sexuell genötigt worden zu sein. Bild am Sonntag machte sich auf die Suche nach der Frau, fand sie in Süddeutschland.” Die Frau, die die BamS-Reporter fanden, war  zwar eine Kachelmanns von zahlreichen Ex-Gespielinnen, aber wiederum eine andere, als die die ihm Focus geplaudert hatte.

Bei den ganzen “Lausemädchen” (Kachelmanns Universal-Kosewort für seine diversen Geliebten) und ihren Presse-Pseudonymen kann man aber auch wirklich ein bisschen durcheinander kommen – auch als Anwalt.

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