“Wetten, dass..?”: Strafanzeigen gegen ZDF

Fernsehen Mindestens fünf Anzeigen sind bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen ZDF-Verantwortliche nach dem tragischen Unfall bei "Wetten, dass..?" eingereicht worden. Wegen schwerer Körperverletzung wollen die Antragssteller vor Gericht ziehen, berichtet DerStandard.at in Berufung auf den Sprecher der Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken. Ob die Anzeigen für die Behörde auch Anlass zu Ermittlungen seien, müsse erst ausgewertet werden. Bis jetzt wird bei dem Unfall von Alleinverschulden ausgegangen.

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Auf Ermittlungen von Amts wegen verzichtet die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft weiterhin. Hinweise auf ein Fremdverschulden beziehungsweise auf eine Straftat seien bislang nicht bekannt, sagte Mocken. "Wir gehen derzeit von einem Unfall mit Alleinverschulden aus."
"Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch wollte mit Hilfe von Sprungstelzen über fahrende Autos springen. Beim vierten Versuch prallte er in der Luft mit dem Kopf gegen das fahrende Auto und stürzte anschließend auf seinen Oberkörper. Er blieb daraufhin reglos liegen und wurde ins künstlichen Koma versetzt. Seitdem er erwacht ist, leidet der 23-Jährige unter schweren Lähmungen der Beine und im Armbereich. Eine vollständige Erholung halten die Mediziner für unwahrscheinlich.
Für seine Wette hatte Koch vier Minuten Zeit. Dieses Limit schien im Nachhinein zu knapp gefasst. Gegenüber der Bild-Zeitung begründete ZDF-Unterhaltungschef Manuel Teubner: "Ursprünglich wollte Samuel die Wette in zwei Minuten absolvieren. Wir haben aber dann gemeinsam verabredet, dass er sich mehr Zeit nehmen kann."
Zudem wurde kritisiert, dass keine Gummimatten auf den Autos lagen, die den Aufprall mit dem Kopf hätten abfedern können. "Samuel hatte diese Matten bei den ersten Proben auf die Autos gelegt, damit der Abstand zum Boden noch höher ist. Bei der Generalprobe und der Sendung wurden die Matten einvernehmlich nicht verwendet", sagte Teubner.
Bereits Stunden nach der Sendung lagen Spiegel Online interne ZDF-Unterlagen vor, die zeigen sollten, für wie riskant der verletzte Wettkandidat selbst seinen Stunt hielt. Allerdings wusste der 23-Jähirge offenbar auch, worauf er sich einlässt und worauf es ankam. Ein ZDF-Konzeptpapier soll Samuel Koch mit dem Satz zitieren: "Es ist ein ekelhaftes Gefühl, Autos, die auf einen zufahren, entgegenlaufen zu müssen."
Die Folgen für die Show lassen sich bislang nur schwer abschätzen. Gottschalk selbst soll bereits am gestrigen Abend, kurz nach dem Abbruch der Sendung gegenüber den Mitarbeitern der Produktion laut über mögliche Konsequenzen nachgedacht haben: "Man muss sich Gedanken machen, wie verkauft man so was in Zukunft?", sagte er laut Spiegel Online. "Sagt man, wir wollen jede Gefahr vermeiden? Dann sind wir bei einem Kindergeburtstag und blasen Kerzen aus. In einer Situation, wo die Konkurrenz größer wird."

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