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dapd fahndet nach Text- und Fotodieben

Vergangenes Jahr war es noch die AFP, die für Aufsehen sorgte, weil sie das Netz auf Kopien ihrer Meldungen durchforstete und Abmahnungen verschickte. Jetzt ist klar: Das Hamburger IT-Unternehmen Lernhaus GmbH, das mit der Technik "Textguard" die AFP unterstützt, hat seinen nächsten Großkunden. Wie das MEEDIA-Tickerblog erfahren hat, ist es die Nachrichtenagentur dapd. Und die hat es neben Textdieben auch auf illegale Nutzer ihrer Fotos abgesehen - greift bei ihren Abmahnungen aber mitunter daneben.

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Vergangenes Jahr war es noch die AFP, die für Aufsehen sorgte, weil sie das Netz auf Kopien ihrer Meldungen durchforstete und Abmahnungen verschickte. Jetzt ist klar: Das Hamburger IT-Unternehmen Lernhaus GmbH, das mit der Technik "Textguard" die AFP unterstützt, hat seinen nächsten Großkunden. Wie das MEEDIA-Tickerblog erfahren hat, ist es die Nachrichtenagentur dapd. Und die hat es neben Textdieben auch auf illegale Nutzer ihrer Fotos abgesehen – greift bei ihren Abmahnungen aber mitunter daneben.
Für den hiesigen Ableger der AFP ist die Suche nach der illegalen Verbreitung des Agentur-Contents zweifellos eine Art Geschäft. Von jährlichen Einnahmen in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrags ist gar zu hören, teils aus rückwirkenden Rechnungen und teils aus Lizenzabkommen, mit denen die Ertappten fortan einen legalen Weg gehen. Die Kosten für "Textguard" und die Abmahnanwälte, die das Unternehmen Lernhaus GmbH um den Inhaber Claus-Michael Gerigk seinen Kunden bei Bedarf auch direkt vermittelt, sollen bei dieser Größenordnung gar bereits heraus gerechnet sein. Eine Geldquelle, mit der offensichtlich auch der dapd liebäugelt, der im Herbst aus dem ehemaligen ddp und AP-Deutschland entstanden ist.
Sprecher Wolfgang Zehrt bestätigte auf Anfrage, dass sich der dapd mit der "unbezahlten Nutzung von Medieninhalten im Internet" befasse und "in Zusammenarbeit mit Kunden und dem Fraunhofer-Institut" an entsprechender Fahndungssoftware bastele. Nach Informationen von MEEDIA greift der dapd bei der Suche nach Textdieben allerdings in großem Stil auch auf die Dienste des Hamburger IT-Unternehmens Lernhaus GmbH zurück und lediglich bei der Fotosuche allein auf die gemeinsame Entwicklung, die der dapd mit dem Fraunhofer-Institut vorantreibt. Sprecher Zehrt machte zu der Zusammenarbeit mit Lernhaus trotz konkreter Anfrage keine Angaben.
Dafür bestätigte der dapd-Sprecher eine derbe Panne. So sei es "in der Tat" zu einer "unberechtigten Abmahnung" gekommen. Details nannte er nicht. MEEDIA liegen sie hingegen vor. Demnach nutzte ein Onlinedienst ein Foto, das ein Wrackteil der im Sommer 2009 abgestürzten Air-France-Maschine zeigt. Zwar hatte dieses Bild tatsächlich der dapd-Fotodienst verbreitet, den die abgemahnte Redaktion nicht bezieht. Dasselbe Foto war allerdings auch von anderen Agenturen verschickt worden, darunter von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bei der strittigen Aufnahme handelte es sich nämlich um ein sogenanntes Handout, also einem Bild von offizieller Stelle, in diesem Fall von der brasilianischen Marine.
Wie dapd-Sprecher Zehrt beteuerte, mahne seine Agentur mutmaßliche Urheberrechts-Verletzer "nicht vollautomatisch" ab: "Alle ‚Treffer‘ werden manuell von Redakteuren am Fotodesk oder im Vertrieb noch einmal geprüft." Und dennoch rutschte dem dapd in mindestens einem Fall eine unberechtigte Abmahnung durch. "Wir bedauern diesen Fall ausdrücklich", sagte Zehrt weiter. Es handele sich "um eine Software in der Betaphase, die nach weiteren Optimierungen erst im nächsten Jahr eingesetzt werden wird". Wie es dennoch schon im Vorfeld des regulären Einsatzes zur Abmahnung kommen konnte, erklärte er nicht.
Bei der AFP förderte die Fahndung nach Materialdieben übrigens in den vergangenen Monaten zahlreiche erstaunliche Fälle zutage. Darunter waren Seiten, die sich mit einzelnen Servicethemen wie Medizin oder Reisen beschäftigten, über Monate hinweg konsequent illegal Agenturberichte per "Copy and Paste" auf ihre Seiten zogen und darauf Werbung schalteten. Vereinzelt stieß die Agentur sogar auf Angebote, für die Kunden, die AFP für anderweitige Produkte tatsächlich abonniert hatten, keinen nötigen gesonderten Bezugsvertrag abgeschlossen hatten. Inzwischen verzichtet die AFP-Deutschland nach MEEDIA-Informationen indes größtenteils auf das juristische Mittel der Abmahnung und setzt stattdessen allein auf die Forderung nach Schadenersatz.
Auch die dpa durchforstet das Netz nach der Nutzung seiner Dienste. Der deutsche Agenturmarktführer setzt dabei die US-Technik "Attributor" ein. Die dpa betont jedoch bei jeder Gelegenheit, bei der Nutzung dieser Technik in erster Linie lediglich die Veröffentlichungsraten zu zählen – und nur in Einzelfällen abzumahnen. Ursprünglich wollte die dpa den Attributor auch an ihre Kunden sublizenzieren – und angelte sich dafür sogar die exklusive Vertriebslizenz für Deutschland. Weil aber nur wenige Verlage wie die FAZ auf das Angebot ansprangen, um nach der illegalen Nutzung der eigenen Veröffentlichungen zu fahnden, verzichtete die dpa in diesem Jahr darauf, die Exklusivlizenz zu verlängern.
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