Konstantin: Ein Mann will zur Marke werden

Neues aus Kalau, pardon, Köln: Verlegersohn Konstantin Neven DuMont hat sein allwochenendliches Interview gegeben, diesmal erneut dem Focus. Darin rechnet der 41-jährige mit seinem Vater ab (nicht neu) und beschreibt sein künftiges Projekt (auch nicht neu). Neven DuMont plant ein Internet-Portal, das sich "kritisch mit unserer Branche auseinandersetzt. Wir werden den Leuten helfen, in der meiner Meinung nach weich gespülten Medienmasse die Angebote zu finden, die wirklich gut sind."

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Im Interview verrät er auch, warum er sich immer wieder in den Medien zu Wort meldet – er wolle damit zur Marke werden. Denn genau genommen wiederholt Konstantin Neven DuMont in weiten Teilen, was er in der Vorwoche bereits dem Spiegel anvertraut hatte. Und auch die Kritik am Verhalten seines Vaters und Alt-Verlegers hat er schon vielfach geäußert. Nun heißt es, er fühle sich von seinem Alfred Neven DuMont "hinters Licht geführt". Im Focus-Interview sagte er, vor 15 Jahren habe es geheißen, "du musst jetzt schnell in die Firma, ich will mich stärker zurückziehen". Seither habe er gut gearbeitet und sich "vielleicht an manchen Punkten" für seinen Vater "zu sehr verbogen – und jetzt schmeißt er mich raus". Sein Vater habe sich verhalten "wie jemand, der seinen Hund mit einer Wurst am Stock lockt", diese aber immer in Distanz halte.
Auf die Frage nach den Ursachen des Konfliktes antwortete Neven DuMont: "Vielleicht nutzt mein Vater ja diese Geschichte aus, um sich als der letzte große Verleger zu positionieren, dem in der zwölften Generation kein Geeigneter folgen konnte." Seit drei Wochen habe der Patriarch mit ihm kein Wort geredet.
Er habe in den letzten Wochen "immer wieder die Hoffnung" gehabt, dass sein Vater seine Meinung ändere und er zurückkehren könne, so der geschasste Sohn. Danach sehe es "überhaupt nicht mehr aus".
Er wolle sich nun "auf Projekte und Angebote konzentrieren, die meinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht werden". Bei MDS habe er sich "diesbezüglich nicht immer durchsetzen können". Es werde beim geplanten Medienportal kostenlose Bereiche geben und tiefer gehende hinter einer Bezahlschranke. Er wolle beweisen, dass sich Journalisten durch ihre Arbeit auch im digitalen Bereich finanzieren können. Zudem wolle er Ende Februar die Pilotsendung eines medienkritischen TV-Formats produzieren. Sein Ziel sei es, "das Magazin in einem öffentlich rechtlichen Sender zu platzieren".
Der öffentlich ausgetragene Machtkampf in Familie und Konzern habe negative Aspekte, so Neven DuMont. Aber die Medienberichte helfen ihm seiner Ansicht nach, sich "als Marke aufzubauen". Und das erklärt er so: "Die Leute reden über uns, die wissen, dass das kein Denver-Clan nach einem Drehbuch ist, sondern Realtime-Reality." Sie wollten wissen, wie es weitergeht.
Den Chefredakteuren von M. DuMont Schauberg, die sich öffentlich gegen ihn gewandt hatten, unterstellte Neven DuMont, "ihre journalistische Sorgfaltspflicht verletzt" zu haben. In der Erklärung seien "sachliche Fehler", es werde "ein Zerrbild gezeichnet". Den Vorwurf, man habe ihn als Verlegersohn akzeptieren müssen, aber immer für zu leicht befunden, könne er nicht nachvollziehen. Er habe "eher das Gefühl, dass ich der Strengste war". Mit einem gemeinsamen Mantelteil für die Zeitungen des Konzerns hätte man "Kosteneffekte erzielen" und einen Teil des Gesparten in die Lokalredaktionen investieren können.    

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