Presserat: Bauer kassiert acht Rügen

Rekord-Rüffel für die Bauer Media Group: Der Deutsche Presserat hat dem Hamburger Verlag in seiner aktuellen Sitzung insgesamt acht Rügen erteilt. Dabei ging es vor allem um die unzulängliche Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen bei den Heften Alles für die Frau, Tina, Mach mal Pause, Laura, Das Neue Blatt, Freizeitwoche und Das Neue. Auch Klambt kassierte aus gleichem Grund drei Rügen. Zudem erkannte das Gremium in Bauers Programmie TV14 die Grenze zur Schleichwerbung überschritten.

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Insgesamt wurden in den zwei Beschwerdeausschüssen 81 Beschwerden behandelt, wovon in 15 Fällen eine öffentliche Rügen, 16 Missbilligungen und 19 Hinweise erteilt wurden. In 29 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet.
In den genannten Bauer-Frauentiteln waren redaktionell gestaltete Anzeigen erschienen, die nicht als solche gekennzeichnet waren. Dabei wurde stets dasselbe Kosmetikprodukt unter anderem mit Positivaussagen scheinbar unabhängiger Konsumenten und Experten beworben. Auch bei den Klambt-Heften Heim und Welt, Lea und Die Neue Frau war dies nach Ansicht des Presserats der Fall. Insgesamt handelte es sich dabei um vier verschiedene Anzeigenmotive.
Nach Richtlinie 7.1 des Pressekodex ist es erforderlich, dass bezahlte Veröffentlichungen so gestaltet sein müssen, dass sie als Anzeige für den Leser erkennbar sind. 
Ebenfalls wegen der Verletzung des Trennungsgrundsatzes wurde der Berliner Kurier gerügt. Die Zeitung hatte in der Print- und Online-Ausgabe einen Beitrag veröffentlicht, in dem ausführlich – mit Preisangabe und Beschreibung der Reiseroute – ohne nachvollziehbaren Grund für die Auswahl ein einzelnes Angebot für eine siebentägige Mittelmeerkreuzfahrt vorgestellt wurde. Am Ende des Artikels erfolgte der Hinweis auf eine Telefonnummer und eine Website, über die die Reise gebucht werden kann.
Der Presserat sah in dieser Veröffentlichung Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex. In der Mitteilung heißt es: "Ohne dass der Leser eine Vergleichsmöglichkeit hatte, wurde das Angebot eines einzelnen Anbieters hervorgehoben. Mit dem Beitrag wurde die Grenze zwischen einer Berichterstattung von öffentlichem Interesse und Schleichwerbung überschritten."
Ebenfalls wegen Schleichwerbung wurden die Bauer-Zeitschrift TV14 und die Internetseite des Zeitungsverlags tz München TZ-Online gerügt. TV14 hatte sich in einem Beitrag mit den Folgen des Mangels an Folsäure beschäftigt und dabei auf das Präparat taxofit Folsäure + Metafolin hingewiesen. TZ-Online hatte in einem Artikel über eine Frau berichtet, deren Rückenschmerzen durch eine Operation beseitigt worden waren. An drei Stellen des Beitrages wurde auf den behandelnden Arzt hingewiesen. Dabei wurden auch Anschrift, Telefonnummer und Homepage der Praxis genannt. In beiden Fällen sahen die Medienwächter keinen Anlass für die Erwähnung bzw. kein begründetes öffentliches Interesse an der Erwähnung.
Eine öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte eines Mordopfers erhielt die Bild-Ausgabe (Aachen) und Bild-Online. Die Zeitung und das Online-Portal hatten einen Arzt aus dem Rheinland, der erschossen worden war, mit abgekürztem Namen genannt und ihn mit einem Foto gezeigt. Er wurde als "Drogen-Baron" bezeichnet und die Publikationen behaupteten, er sei in die Herstellung von Drogen und in Geschäfte damit verwickelt. Dieser Bezug zum Drogen-Milieu liefere das Motiv für die Tat.
Der Beschwerdeausschuss sah kein öffentliches Interesse, das den Persönlichkeitsschutz überwogen und eine identifizierende Darstellung gerechtfertigt hätte. Aufgrund der Beeinträchtigung für die Hinterbliebenen durch weitreichende, aber nicht hinreichend belegte Behauptungen über die schwerkriminelle Verstrickung des Toten, hielt der Ausschuss eine öffentliche Rüge für gerechtfertigt.

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