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Die Privaten und das Burnout-Syndrom

Es grummelt bei den privaten Sendern: Wie jüngst bei der News-Sparte von RTL wird nun auch im Hause ProSiebenSat.1 Umnut über das Arbeitsklima laut. MEEDIA liegt ein internes Schreiben des Betriebsrates der Sendergruppe vor, das zeigt: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist niedrig und "Burnout-ähnliche Zusammenbrüche" treten auf. Erst vor drei Wochen hatte der Spiegel eine Mitarbeiterbefragung zitiert, wonach sich Newspool-Mitarbeiter der RTL-Tochter infoNetwork unterbezahlt und respektlos behandelt fühlen.

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In dem "BRiefing", mit dem der Betriebsrat die ProSiebenSat.1-Mitarbeiter informiert, heißt es, dass die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung "deutlich die Problemfelder" aufzeigen, "denen sich das Unternehmen stellen muss". Auch wenn die Gewichtung der jeweiligen Themen in den einzelnen Firmen unterschiedlich ausgeprägt sei, so spreche der konzernweite "Engagement-Faktor" von 32 Prozent doch eine deutliche Sprache. "Klar ist: Ein derart niedriger Engagement-Faktor ist indiskutabel – sowohl für die Mitarbeiter, die hier mit Herzblut arbeiten sollen, als auch für das Unternehmen, das einen entsprechenden Rahmen dafür schaffen muss", findet der Betriebsrat im "BRiefing" deutliche Worte. Neben der Zufriedenheit der Mitarbeit misst der Indikator vor allem auch, mit welchem Eifer die Senderangestellten ihre Aufgaben angehen.
Im Anschluss an die Vorstellung dieser Ergebnisse wird in dem Schreiben auf das Problem Burnout verwiesen. "Ausgebrannt sein, das ist ein Phänomen, das in der Arbeitswelt seit ca. 25 Jahren beobachtet wird. Und auch vor unserem Unternehmen macht dieses Phänomen nicht Halt. Im Kollegenkreis sind leider bereits schon mehrere Fälle von Burnout-ähnlichen Zusammenbrüchen aufgetreten." Zur Verbesserung dieser Probleme habe das Gremium daher eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich verstärkt in den Themenkomplex Burnout einarbeiten werde.
Erst vor wenigen Wochen klagten auch die Mitarbeiter bei der Kölner Konkurrenz in einer Befragung über ihre Arbeitsbedingungen. Nur vier Prozent der Mitarbeiter des Newspools bei infoNetwork, das hauptsächlich Nachrichtenfilme für RTL und den zum Konzern gehörenden Newssender n-tv produziert, an, mit ihrer Bezahlung zufrieden zu sein. Das ergab eine interne Befragung bei Bertelsmann, die der Spiegel veröffentlichete.
Jeder vierte Mitarbeiter von infoNetwork hatte zudem nicht das Gefühl, von Vorgesetzten mit Respekt behandelt zu werden. Viele fürchten auch um ihren Job. Nur 38 Prozent der Befragten bei infoNetwork halten ihn laut der Befragung für sicher.
Ein Grund für die Unsicherheit seien die zahlreichen befristeten Verträge. Den Betriebsratsvorsitzenden zitiert der Spiegel mit den Worten, Journalismus sei "ein Berufszweig im Niedergang". Ein ausgebildeter Journalist würde mit Hochschulstudium, Volontariat und mehreren Jahren Berufserfahrung im Newspool einen Tagessatz von 130 Euro erhalten. Ein Cutter, der bei RTL arbeitet, bekomme rund das Doppelte.
RTL wehrte sich in dieser Woche gegen die Darstellungen der Hamburger. In einem Leserbrief warf Christian Körner, Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland, dem Blatt vor, es verallgemeinere, "was das Zeug hält". Laut RTL sitzen in dem Newspool nur rund 40 Mitarbeiter, die gesamte infoNetwork bestehe aber aus ca. 600 Mitarbeitern. Demnach fiel die Mitarbeiter-Befragung gar nicht so schlecht aus. "Plötzlich steht ein rund 40köpfiges Team, dessen kritische Ergebnisse wir durchaus ernst nehmen, für über 600 journalistische Kräfte einer Unternehmensgruppe mit knapp 2500 Mitarbeitern", schreibt Körner.
77 Prozent der Mitarbeiter seien "stolz darauf, für ihre Firma zu arbeiten". 80 Prozent würden sich wieder für sie entscheiden und 91 Prozent seien bereit, sich über das erwartete Maß hinaus für den Erfolg ihres Unternehmens einzusetzen. "Auch das sind Ergebnisse der jüngsten Mitarbeiterbefragung der Mediengruppe RTL Deutschland. Bei Ihnen tauchen diese Zahlen nicht auf, vermutlich, weil sie nicht in Ihr recht grob zusammengehauenes Bild des Fernseh-Bergwerks passen", kritisiert der Unternehmenssprecher. Im Gespräch mit MEEDIA erklärte Körner, dass der "Engagement-Faktor" bei RTL gruppenweit durchschnittlich 81 Prozent beträgt – ob dieser allerdings genauso berechnet wird wie beim Konkurrenten, ist unklar. 
Wie viele Mitarbeiter bei ProSiebenSat.1 stolz darauf sind, für den Konzern zu arbeiten, ist nicht bekannt. Allerdings scheint auch in München einiges im Argen zu liegen. Denn wie aus Betriebsratskreisen zu hören ist, gibt es "einigen Verbesserungsbedarf". Mit der Personalabteilung habe man bereits gesprochen und gemeinsam werde nun an einer Lösung der Probleme gearbeitet.

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