Neuer Kachelmann-Anwalt greift Bunte an

Der neue Kachelmann-Anwalt schaltet auf Angriff: Gleich bei seinem ersten Arbeitstag vor Gericht übte Johann Schwenn zugleich Kritik an der Prozessführung der Kammer, an der Mannheimer Staatsanwaltschaft und am Verlagshaus Burda. Der Bunten warf der Jurist vor, gegen seinen Mandanten anzuschreiben. Damit hat der 63-Jährige seinen Ruf als "Nervensäge der Strafjustiz" gefestigt. In einem Porträt beschreibt die Zeit den Hamburger als Anwalt, dessen Spezialität es sei, vermeintliche Sexualstraftäter zu rehabiliteren.

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Schwenn warf der Chefreportertin der Bunten Tanja May vor, Stimmung gegen den Angeklagten zu machen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Dazu benutze sie ehemalige Partnerinnen Kachelmanns und schaffe damit eine "prozessbegleitende Berichterstattung der besonderen Art". Eine Zeugin hatte vor Gericht zugegeben, schon vor ihrer Aussage einen Exklusivvertrag mit der Bunten abgeschlossen zu haben.
Die Mannheimer Staatsanwaltschaft erscheine ihm "als eine Verfahrensbeteiligte, die gemeinsam mit dem Verlagshaus Burda anstrebt, den Angeklagten fertigzumachen", sagte Schwenn. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge wies die Vorwürfe zurück. Es sei mitnichten die Staatsanwaltschaft gewesen, die das Verfahren in die Medien getragen habe, sagte er. Hier läge die Verantwortung dafür bei der Verteidigung.
Was für ein Type Schwenn ist und wie er arbeitet, beleuchtet Rechtsexpertin Sabine Rückert in einem Porträt in der Zeit. Sie schreibt, dass der Jurist sich immer wieder vermeintlicher Sexualstraftäter annimmt und nachzuweisen versucht, dass es sich bei ihnen in "Wirklichkeit um Menschen handelt, die einer Falschbeschuldigung zum Opfer gefallen sind". Alleine in Niedersachsen soll der 63-Jährige fünf wegen Vergewaltigung verurteilte Männer rehabilitiert haben.

Rückert, die über einen Justizskandal, den Schwenn mitaufdeckte, bereits ein Buch geschrieben hat, glaubt, dass der Hamburger nicht zu spät in den Kachelmann-Prozess eingestiegen ist. Denn "die für diesen Prozess wesentliche Gutachterphase steht unmittelbar bevor."

Durch den Einstieg Schwenns in den Prozess wird die Verquickung von Presse und Justiz noch enger. Wenn Schwenn der Bunten vorwirft, beste Kontakte zu den Anklagevertretern zu unterhalten, so gibt es beim ihm selbst doch auch einige interessante Medienverbindungen. So hat die Zeit-Autorin Rückert selbst möglicherweise Schwenn als Verteidiger bei Kachelmann ins Gespräch gebracht. Zudem schießt der Hamburger Revisionsexperte in der aktuellen Cicero scharf gegen die Mannheimer Richter. Und sogar der Chefredakteur des Magazins für politische Kultur, Michael Naumann, gehört zu den Klienten des 63-Jährigen. Den ehemaligen Zeit-Herausgeber hatte der Jurist schon einmal wegen des Vorwurfs verteidigt, einen Generalstaatsanwalt beleidigt zu haben.

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