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Viel trendige Loden-Mode, wenig Steigeisen

Das junge Magazin Alps kommt ein bisschen wie eine Landlust für die Berge daher. “Alpine Lebensart” steht auf dem Titel, im Innenteil führen alpenländischer Schickimicki-Kram und kernige Bergthemen eine überraschend harmonische Ko-Existenz. Hinter dem Magazin steckt die frühere Vogue- und Cosmopolitan-Chefredakteurin Charlotte Seeling. Das merkt man dem Heft auch an. Trendiger Trachtenloden ist Alps näher als das Steigeisen. Wir haben uns die zweite Ausgabe von Alps einmal näher angeschaut.

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Das junge Magazin Alps kommt ein bisschen wie eine Landlust für die Berge daher. “Alpine Lebensart” steht auf dem Titel, im Innenteil führen alpenländischer Schickimicki-Kram und kernige Bergthemen eine überraschend harmonische Ko-Existenz. Hinter dem Magazin steckt die frühere Vogue- und Cosmopolitan-Chefredakteurin Charlotte Seeling. Das merkt man dem Heft auch an. Trendiger Trachtenloden ist Alps näher als das Steigeisen. Wir haben uns die zweite Ausgabe von Alps einmal näher angeschaut.
Vorneweg: Alps ist deutlich besser als vieles andere, was zur Thematik Berge, Landleben etc. in jüngerer Zeit so auf den Markt geschwemmt ist. Man merkt dem Heft an, dass hier mit Frau Seeling eine Person dahintersteht, die erstens etwas von journalistischem Handwerk versteht und der das Thema zweitens eine Herzenssache zu sein scheint. So ist die Textqualität zwar, sagen wir mal, gemischt, aber durchweg höher als im Fremdenverkehrs-Prospekt. Das kann man beileibe nicht über jede der neueren Zurück-zur-Natur-Zeitschriften am Markt behaupten. Auch die Themenmischung kann über weite Strecken gefallen.
Die Idee, den Yello-Musiker, Profi-Pokerspieler und Hobby-Rinderbaron Dieter Meier mit einem Helikopter aufs Matterhorn zu verfrachten ist schon mal prima. Dass mit Herrn Meier dann offenbar ein bisschen der Laber-Hannes durchgegangen ist und sein blümeranter Erlebnis-Aufsatz von der Chefredakteurin mit eigenen Anmerkungen ergänzt wurde, tut der Geschichte um die Eroberung des berühmtesten Schweizer Berges nur gut. Das Stück “Gottes Pyramide” ist so das Highlight des ganzen Heftes geworden.
Auch der Artikel über die “Wilden Wirte” aus der Steiermark, die sich ambitionierten und regionalen Wild-Gerichten verschrieben haben, ist tiptop. Man erfährt einiges über die Jagd, das Thema ist originell und toll bebildert. Klar, ein gewisser werblicher Charakter schwingt bei solchen Themen immer mit. Aber das Niveau ist von der Postkarten-Prosa der Konkurrenz meilenweit entfernt. Dass im Heft auch ernstere Themen wie Nachhaltigkeit (Gewerbe-Bauwut in Bergdörfern) angerissen werden, verdient ebenso ein Lob.
Also alles super mit Alps? Nicht ganz. Was ganz und gar nicht zum Bergthema passt, ist die aufgesetzte und kapriziöse Modestrecke, in der der Lederwaren-Händler Markus Meindl reichlich kapriziös als Wilderer inszeniert wird. Das ist Vogue-Style und hat in einem bodenständigen Bergheft nix zu suchen! Den Vogel schießt das Foto ab, in dem Meindl durch einen See watet, ein zerzaustes Model auf den Schultern trägt und daneben noch ein Jagdhund drapiert wurde. Markus Meindl führt übrigens die Trachtenmodensparte des Familienunternehmens Meindl. Die wurde im Jahr 2002 von der bekannten Bergschuh-Marke Meindl abgetrennt, die von seinen Cousins Lars und Lukas Meindl geführt wird.

Was außerdem an Alps nervt, ist, dass der Nutzwertteil des Magazins von den jeweiligen Geschichten entkoppelt wurde. Die Rezepte der “Wilden Wirte”, die Infos zu den Wilderer-Darstellern, Service-Infos zum Matterhorn – alles wurde nach hinten ins Heft gepackt, in eine Rubrik namens Notizbuch. Gut gemeint ist hier mal wieder schlecht gemacht. Denn der Einfall führt zu hektischem Hin- und Her-Blättern. Das kann niemand wollen.
Aber das ist nun schon auf hohem Mittelgebirgsniveau gemeckert. Einen Blick wert ist das zweimonatlich erscheinende Alps auf jeden Fall und mit 4,90 Euro ist der Heftpreis nicht zu teuer geraten. Wenn das Magazin noch eine Spur kerniger wäre, auf das Modefuzzi-Getue ganz verzichtet und statt auf Hochglanz auf eine matte Papiersorte zurückgreift – dann hätte Alps sogar das Zeug, zu einem echten Print-Liebling zu werden.

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