„RTL-Programm zwischen banal und anal“

Zum Wechsel an der ARD-Spitze zog der Sender am Mittwoch Bilanz und zeigt sich ungewohnt agressiv gegenüber der Konkurrenz. Auf der heutigen Pressekonfernz in Berlin lästerte Programmdirektor Volker Herres gleich mal kräftig über den Rekordwert, den RTL im November einfahren konnte: "RTL hat deutliche Zuwächse, aber mit welchem Programm? Das bewegt sich zwischen banal und anal." Zudem zog der scheidende ARD-Chef Peter Boudgoust eine positive Bilanz seiner zweijährigen Amtszeit.

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Der SWR-Intendant glaubt, dass die Jahre 2009 und 2010 von wichtigen medienpolitischen Kursbestimmungen geprägt war. Er musst sich um die Fragen kümmern, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Internet darstellt und wie viel ARD/ZDF und die ganzen anderen Sender kosten dürfen.

Die ARD-Presse lästert via Twitter über die Konkurrenz

Im Mittelpunkt stand für Boudgoust allerdings die Akzeptanz des ARD-Programms: "Wir müssen weiterhin gesellschaftliche Debatten anstoßen, so wie wir das zum Beispiel mit dem Themenschwerpunkt zu Scientology gemacht haben", sagte er. "Fast neun Millionen Menschen haben den Film ‚Bis nichts mehr bleibt‘ gesehen. Die anschließende Sendung ‚hart aber fair‘ zum selben Thema hatte mit einem Marktanteil von 28 Prozent den höchsten ihrer Geschichte. Das ist eine öffentlich-rechtliche Leistung im besten Sinne."

Als Erfolg wertet der TV-Profi, dass fast jede zweite Minute im Programm der Information gewidmet ist  und der Politikanteil "in unseren Nachrichtensendungen mit durchschnittlich 50 Prozent doppelt so hoch ist, wie bei der kommerziellen Konkurrenz."

Neben der Bilanz hatten die Intendanten auf ihrem Treffen wieder viele Entscheidungen zu treffen. Die wichtigste waren sicherlich die neuen Sendetermine für die mannigfaltigen Talkangebote der ARD. So wird nach dem Start von Jauch am Sonntag um 21.45 Uhr "Anne Will" auf den Mittwochabend ausweichen, "Hart aber fair" läuft künftig montags, nur Sandra Maischberger behält ihren Dienstagabend. Zudem beginnen dann die "Tagesthemen" von Montag bis Donnerstag einheitlich um 22.15 Uhr.

Weitere Beschlüsse: Drei Gruppenstudios einzelner Landesrundfunkanstalten in London und Paris werden in ARD-Studios umgewandelt und die Zuständigkeiten für Themenbereiche Recht und Europa werden neu geordnet. Die Kompetenzen für die Gerichtsberichterstattung bei der Abteilung Recht und Justiz werden in Karlsruhe beim SWR gebündelt. Der Sender übernimmt künftig zusätzlich zur Berichterstattung über den Bundesgerichtshof, das Bundesverfassungsgericht und die Bundesanwaltschaft auch die Berichterstattung über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sowie in weiten Teilen über den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Nur Logisch, dass der SWR deshalb die Produktion des "ARD Ratgeber Recht" künftig komplett übernimmt. Der WDR zieht sich aus der Herstellung der Sendung zurück.

Dafür bekommt der Westdeutsche Rundfunk mit seinem Studio in Brüssel die alleinige Zuständigkeit für das Europaparlament und den Europarat. Der Südwestrundfunk schließt dafür sein Büro in Straßburg.

Auch der scheidende ARD-Chef ließ es sich nicht nehmen, auf der PK in Richtung der privaten Konkurrenz zu schießen. So kündigte er an, dass "wir nicht jeden Limbo unter der niedrigsten Niveau-Messlatte mittanzen werden."

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