Neuer Club für junge Journalisten startet

Die beiden Jung-Journalisten Rick Noack und Gregor Kalchthaler haben den "Club der jungen Journalisten" ins Leben gerufen. Gemeinsam mit etablierten Medien sollen Jungjournalisten bis 25 künftig auf einer Online-Plattform Beiträge veröffentlichen und netzwerken können. Derzeit kann man sich für den Club anmelden, die eigentliche Web-Plattform soll im Frühjahr 2011 online gehen. MEEDIA sprach mit Club-Gründer Rick Noack über das Projekt und das Verhältnis zwischen Jung und Alt im Journalismus.

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Sie haben den "Club der jungen Journalisten" gegründet. Wer steckt dahinter und was sind Sinn und Zweck dieses Clubs?
Hinter dem Projekt stecken Jungjournalisten aus Deutschland. Durch verschiedene Schülerzeitungswettbewerbe – maßgeblich aber durch den Schülerzeitungswettbewerb des Nachrichtenmagazins Der Spiegel – hat sich in den vergangenen Jahren ein Netzwerk junger Journalisten herausgebildet, die nicht nur über das gemeinsame journalistische Interesse, sondern auch freundschaftlich verbunden sind. Wir haben uns entschlossen, dieses Netzwerk nutzbar zu machen. Zum einen möchten wir damit natürlich uns jungen Journalisten eine Möglichkeit bieten, ambitionierte Projekte umzusetzen mit der nötigen professionellen Unterstützung. Zum anderen werden wir etablierten Verlagen Zugang zu jungen Perspektiven ermöglichen, der einigen Verlagen fehlt. Denn junge und neue Leser zu gewinnen, hat nicht nur etwas mit digitalem Fortschritt – sondern unserer Meinung nach vor allem etwas mit Qualitätsjournalismus aus einer authentischen und jungen Perspektive zu tun.

Man soll über ein "Auswahlverfahren" in den Club kommen – wie funktioniert das?
Um in den "Club" aufgenommen zu werden, bedarf es einer kleinen Aufnahmeprüfung. Die zusammen mit einem journalistischen Gremium entwickelten Fragen helfen uns, unsere Bewerber besser zu verstehen und kennenzulernen und zu sehen, ob sie in unser Netzwerk passen. Journalistisch und persönlich! Dazu gehört auch ein ausführliches gemeinsames Gespräch. Zusammen mit dem Gremium entscheiden wir über die Aufnahme der Mitglieder. Eigentlich ganz "altmodisch" wie bei einer Stiftung. Nur so können wir nach innen und nach außen unseren Qualitätsanspruch sichern.

Kostet das was?
Die Mitgliedschaft wird nichts kosten – wozu auch? Die Mitglieder sollen von der Arbeit bei uns journalistisch profitieren. Unsere Arbeit erfolgt gemeinnützig.

Was bringt die Mitgliedschaft?
Die Mitglieder können uns Themenvorschläge machen, die wir finanziell unterstützen und in Kooperationsmedien veröffentlichen. Davon profitieren alle: unsere Kooperationspartner, aber auch wir jungen Journalisten.

Wie soll die Zusammenarbeit mit diesen Kooperationsmedien aussehen? Gibt es bereits konkrete Kontakte oder Projekte?
Wir sind sowohl mit journalistischen Kooperationspartnern im Gespräch als auch mit Förderpartnern. Derzeit dürfen wir leider noch keine konkreten Namen nennen. Über weitere Anfragen von Medien und Verlagshäusern freuen wir uns natürlich jederzeit! Wir sehen verschiedene Kooperationsmöglichkeiten. Natürlich geht es auch um Förderkooperationen, damit wir unserem ausgewählten Mitgliederkreis spannende und hochwertige Recherchemöglichkeiten bieten können, die sie außerhalb nicht bekommen würden. Gleichzeitig sind uns aber auch die Kooperationen mit den etablierten Medienunternehmen sehr wichtig. Wir möchten langfristig ein Spiegel junger Denkmuster sein und etablierten Medien helfen, diese Perspektive zu verstehen – und nicht gegen sie arbeiten. Außerdem glauben wir, dass exzellente Medien wichtig sind für die Zukunft unserer Demokratie und etablierte Medienunternehmen auch weiterhin eine große Rolle spielen werden. Durch den Launch unserer Landing-Page möchten wir auch an mögliche Interessenten gelangen, an die wir zunächst noch gar nicht gedacht haben und dadurch vielleicht neue besondere Kooperationen schaffen. Auch erhoffen wir uns konkretes Feedback und sind sehr gespannt auf die unabhängigen Meinungen.
Für wen haben Sie denn schon veröffentlicht?
Ich schreibe für Spiegel Online, seit ich 15 Jahre alt bin. Ich habe aus den USA für die Berliner Zeitung Reportagen verfasst und habe Artikel auch in folgenden Medien veröffentlicht: Tagesspiegel, Das Parlament, Sächsische Zeitung. Nachzulesen unter www.ricknoack.wordpress.com. Praktika habe ich bislang beim weltweiten Time Magazine, CNN International, den San Jose Mercury News gemacht. Für den Zeit-Verlag habe ich im Sommer ein Angebot mitentwickelt, das „Zeit für Euch“ heißt und junge Menschen für Qualitätsjournalismus begeistern soll. Auch mit einigen Nachwuchspreisen wurde ich inzwischen ausgezeichnet.

Sehr beeindruckend. Wie unterscheidet sich das Arbeiten junger Journalisten heute zu früher?
Junge Journalisten stehen immer stärker unter Stress, Informationen up-to-date zu liefern, am schnellsten zu sein und die meisten Klickzahlen zu generieren. Dadurch entstehen Fehler. Natürlich sind Breaking News wichtig für den Journalismus. Aber sie sind nicht alles. In der Schule wird uns immer wieder gesagt: Lest Zeitung und nicht Wikipedia! Qualitätsjournalismus ist im Zeitalter des Internets für mich der wichtigste Grund, warum man noch Zeitungen kauft. Meiner Meinung nach wird es in Zukunft deshalb zwei Arten von Journalisten geben: Auf der einen Seite solche, die innerhalb von Sekunden Informationen liefern und auf der anderen Seite Reporter, die den Nachrichtenzyklus bewusst verlangsamen, zurücktreten und die vielen Breaking News zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Beide Arten von Journalisten brauchen wir.

Gibt es einen Generationen-Konflikt zwischen Alt-Journalisten und Jung-Journalisten?
Wir möchten vielmehr an einer Verknüpfung arbeiten und suchen daher auch den Kontakt zu etablierten Medien. Wir denken, die Medienangebote können von der Arbeit und den Themen junger Journalisten profitieren, aber auch junge Journalisten können sehr viel von den großen Vorbildern lernen.

Gibt es eigentlich immer noch den Gegensatz zwischen Print- und Online-Journalisten?
Das ist schwierig zu sagen. Ich schreibe sowohl für Online- als auch für Printprodukte und stelle recht wenige Unterschiede fest. Keine allzu neue Erkenntnis ist sicher mein Eindruck, dass bei Onlinemedien jüngere Redakteure als bei Zeitungen arbeiten. Beeindruckt hat mich bei meinem Praktikum bei dem größten amerikanischen Nachrichtenmagazin, dass die Redakteure dort sowohl für die Website, als auch für das Magazin berichten. Ob das für ein Medium gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall hatte ich aber das Gefühl, dass dadurch der Stellenwert der Magazin-Website in der Redaktion stark ansteigt – was ich super fand.

Was vermissen Sie bei den "alten" Journalisten in der Denke und bei der Arbeitsweise?
Dass ältere Journalisten sich schwer in Jugendliche hineindenken können, ist verständlich. Schließlich könnten wir junge Reporter auch nur schwer aus der Perspektive eines 50-jährigen schreiben. Aber umso wichtiger ist es, dass Redaktionen auch junge Menschen über ihre Generation berichten lassen. Sonst entsteht eine eindimensionale Berichterstattung. Im Vergleich zu anderen Ländern gelingt das in Deutschland bereits in einigen Fällen sehr gut. Lokalzeitungen veröffentlichen oft ja auch eigene Jugendseiten. Schlimm wird es aber, wenn Erwachsene versuchen, betont jugendlich wirken zu wollen. Das geht fast immer daneben. Denn das wirkt unauthentisch. Und Jugendliche haben für so etwas ein feines Gespür. Deshalb sollten solche Berichte eben auch von jungen Menschen geschrieben werden.

Wie sollte die idealtypische Geschichte auf der Plattform des Clubs aussehen?
Thema Bundeswehr: Während der Debatte im Sommer wurde sehr viel über die Kosten und die Meinung von Ministern diskutiert. Was allerdings die wirklich Betroffenen – die jungen Menschen, darüber dachten, das wurde außen vor gelassen. Oder die Griechenland-Krise: Während Experten über Staatshilfen diskutierten, wurde nahezu kein Vertreter aus der Generation befragt, der die Schulden, die jetzt gemacht werden, später einmal tragen muss. Nämlich wir. Geschichten aus einer jungen Perspektive, Porträts über spannende junge Menschen und differenzierte Stimmungsbilder – das soll unser Club liefern. Wir möchten auch eine Rubrik einrichten, in der sich die Mitglieder an neuen journalistischen Formen und Möglichkeiten probieren möchten. Die Unabhängigkeit macht es möglich, auch mal andere Wege zu gehen und das sehen wir als unschlagbares Potenzial unserer Arbeit.

Sie selbst sind mit 17 Jahren auch noch ein sehr junger Journalist – geht man in dem Alter nicht noch zur Schule?
Ja klar, derzeit mache ich mein Abitur am Marie-Curie-Gymnasium in Dresden. Als ich mit 13 begonnen habe, für die Sächsische Zeitung zu schreiben und mein erster Artikel gedruckt wurde, wusste ich sofort: Ich will Journalist werden. Ich erinnere mich noch genau, wie ich meinen ersten eigenen Artikel gekauft habe. Ich hatte unglaubliches Herzklopfen. Und die Freude am Journalismus hat seitdem nicht nachgelassen. Man sollte jetzt allerdings nicht denken, dass ich in meiner kompletten Freizeit Artikel schreibe. Eigentlich treffe ich mich auch ständig mit Freunden. Das will mir nur leider nie jemand glauben, wenn ich das erzähle.
Hier finden Sie die Landing Page des Clubs der Jungen Journalisten

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