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Sky: Wie groß ist die BaFin-Belastung?

Auch das noch: Gerade als das zarte Pflänzchen Hoffnung in Form verbesserter Quartalszahlen aufblühte, holt Sky die Vergangenheit ein. Und zwar mit einem Keulenschlag: Wie die Börsenaufsicht BaFin am Montag feststellte, hat Sky als frühere Premiere AG Abonnentenzahlen und Firmenwerte falsch dargestellt – und zwar in erheblichem Umfang. Selbst wenn die Beanstandungen in der Vergangenheit liegen, sind die Auswirkungen erheblich: Das Vertrauen in München scheint erneut verspielt – die Aktie taucht ab.

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Auch das noch: Gerade als das zarte Pflänzchen Hoffnung in Form verbesserter Quartalszahlen aufblühte, holt Sky die Vergangenheit ein. Und zwar mit einem Keulenschlag: Wie die Börsenaufsicht BaFin am Montag feststellte, hat Sky als frühere Premiere AG Abonnentenzahlen und Firmenwerte falsch dargestellt – und zwar in erheblichem Umfang. Selbst wenn die Beanstandungen in der Vergangenheit liegen, sind die Auswirkungen erheblich: Das Vertrauen in München scheint erneut verspielt – die Aktie taucht ab.   

Dramen sind nicht Ungewöhnliches in Unterföhring: Täglich wirbt der Pay-TV-Sender mit Qualitäts-Blockbustern aus Hollywood, in denen Nervenkitzel garantiert ist. Problematisch für das Unternehmen wird es allerdings indes, wenn sich das Drama im eigenen Haus abspielt.

Nach vielen Quartalsverfehlungen war das in den vergangenen Tagen nun wieder  Fall. Dabei schien die Welt in Unterföhring mitten im tristen November vor zwei Wochen noch etwas freundlicher auszusehen: Endlich einmal verkündete der MDax-Konzern besser als erwartete Quartalszahlen, zarte Turnaround-Fantasien keimten auf – die Börse goutierte die Bilanz-Verbesserungen mit Aufschlägen von in der Spitze 60 Prozent seit der Bekanntgabe.

Die Vergangenheit holt Sky ein: Geschönte Abonnentenzahlen belasten

Am Dienstag endete der zweiwöchige Höhenflug indes jäh. Um 10 Prozent ging es nach einer Pflichtmitteilung vom Vorabend nach unten. Darin musste die Sky AG das Ergebnis einer Untersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bekannt geben.

Und das fiel ernst aus: Die Abonnentenzahlen im Geschäftsjahr 2007 sowie in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs 2008, als Sky noch Premiere hieß und von Georg Kofler bzw. Michael Börnicke  geführt wurde,  waren um rund 600.000 zu hoch ausgewiesen worden. Entsprechend sei der Firmenwert in den genannten Zeiträumen um 248 bzw. 252 Millionen Euro zu hoch angesetzt worden.

Damoklesschwert Strafzahlungen

Die Berichtigungen durch die BaFin könnten schwerwiegender kaum sein. Immerhin: Das Bilanz-Debakel datiert aus der Vor-Murdoch-Zeit und steht mit der aktuellen Geschäftsentwicklung nicht im Zusammenhang. Doch die Folgen sind höchst akut: "Auf Sky könnten ordentlich Strafen zukommen", erklärte etwa ein Händler nach der neuen Faktenlage.

Höhe und Ausmaße wären nach Analystenmeinung indes wohl überschaubar. Dirk Voigtländer, Analyst von Commerzbank Corporates & Markets, hält Straf- und Schadensersatzzahlungen für möglich, die finanziellen Risiken aber für nur begrenzt. Am Kursziel von 1,20 Euro hält er deshalb fest. Auch Andreas Heinhold von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) glaubt, dass die BaFin-Enthüllungen "kein übermäßiges Gewicht" haben dürften, zumal der Vorworf der geschönten Abonnentenzahlen bereits bekannt sei.

"Das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit von Sky ist zutiefst erschüttert"
Auf einen anderen, vielleicht viel fataleren Nebenaspekt weist das "Handelsblatt" in einem Kommentar von gestern hin: "Das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit von Sky ist zutiefst erschüttert."

Hierin dürfte die eigentliche Belastung für die Sky-Aktie liegen. An der Börse gilt schließlich das ungeschriebene Gesetz: Ist das Vertrauen einmal verspielt, kommt es nur allzu schwer wieder zurück. "Die Aktie des Fernsehunternehmens in Unterföhring ist zum Zockerpapier verkommen", urteilt Redakteur Hans-Peter Siebenhaar scharf. "Für Rupert Murdoch und seinen Sohn James ist die Beharrlichkeit der Börsenaufsicht in Deutschland ein schwerer Schlag".

Da dürfte es wohl auch nicht viel helfen, wenn das jetzige Management gegen das alte vorginge, zumal beide Parteien den neuen Tatbestand abstreiten. Das fordert jedoch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Der Aufsichtsrat handelt auf Rechnung aller Aktionäre", erklärte ein DSW-Sprecher. Ex-Premiere Vorstand Georg Kofler stritt die Vorwürfe unterdessen als "absolut haltlos" ab. Aktionäre konnten damit nicht beruhigt werden. In einem starken Marktumfeld gab das Papier gestern um 5 Prozent nach.

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