40 Jahre „Tatort“: 10 Fakten zum Jubiläum

40 Jahre "Tatort". Keine andere deutsche Krimireihe hat eine solch lange und bewegende Geschichte hinter sich. In diesen 40 Jahren sind viele interessante und lustige Dinge passiert. MEEDIA erzählt einige davon: Welche Kommissare haben die längste Dienstzeit? Welche Promis haben sich mit Gastauftritten lächerlich gemacht? Was haben Dieter Bohlen und Christoph Waltz mit dem "Tatort" zu tun? Und welches war der wohl größte Flop in der 40-jährigen "Tatort"-Geschichte?

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Der meistgesehene "Tatort" aller Zeiten
… ist schwer herauszufinden. Zu unterschiedlich waren die Erhebungsmethoden der Zuschauerzahlen im Laufe der Jahrzehnte. Womöglich war es die Folge "Nachtfrost" von Wolfgang Petersen mit Klaus Schwarzkopf als Kieler Kommissar Finke. 76% Marktanteil holte sie im Januar 1974, eine genaue Zuschauerzahl in Millionen liegt uns aus den damaligen Zeiten nicht vor. In den 80er Jahren, als die Quotenmessung besser und zuverlässiger wurde, holte Heinz Drache als Berliner Kommissar Bülow in "Tod macht erfinderisch" 23,58 Mio. Zuschauer – ein Marktanteil von 60% war das im November 1985. Der Schimanski-"Tatort "Der Tausch" aus dem April 1986 folgt mit 23,46 Mio. knapp dahinter. In den 90er Jahren, als das Quotenmess-System in etwa auf dem heutigen Stand angelangt war, holte die Folge "Tod einer Ärztin" die höchste Zuschauerzahl. Karl-Heinz Hassel erreichte damals als Frankfurter Kommissar Brinkmann 17,29 Mio. Zuschauer. Das war im Februar 1990. Schließlich das 21. Jahrhundert: Seit dem 1. Januar 2000 gab es bisher sechs "Tatorte" mit mehr als 10 Mio. Zuschauern, darunter mit 10,60 Mio. der erfolgreichste dieser mittlerweile fast elf Jahre: "Spargelzeit" mit den Münsteraner Ermittlern Thiel und Boerne aus dem Oktober dieses Jahres.

Der größte "Tatort"-Flop aller Zeiten
… dürften die Filme mit dem Berliner Kommissar Roiter (Winfried Glatzeder, bekannt u.a. aus dem legendären DDR-Film "Die Legende von Paul und Paula") gewesen sein, die von 1996 bis 1998 zu sehen waren. Die in seltsamer Billig-Optik gedrehten Filme lockten zum Teil nichtmal mehr 5 Mio. Krimifans vor die Fernseher. Die Premiere der Folge "Ein Hauch von Hollywood", die in der Community des Fanportals "Tatort-Fundus" mit einer Bewertung von 2,2 von 10 möglichen Punkten auch als schlechtester "Tatort" aller Zeiten gilt, wurde 1998 gar mitten im Sommer an einem Montagabend um 23.20 Uhr ausgestrahlt – ein wohl einmaliger Fall. Kurze Zeit später war dann Schluss mit Kommissar Roiter.

Die Kommissare mit der längsten Dienstzeit
… waren bzw. sind die Münchner Ermittler Batic und Leitmayr, sowie Lena Odenthal aus Ludwigshafen. Nach der reinen Dienstzeit gerechnet liegt Odenthal vorn: Sie löste am 29. Oktober 1989 ihren ersten Fall und ist nach gut 21 Jahren immer noch aktiv. Am 1. Januar 1991 hatten Batic und Leitmayr ihren ersten Auftritt im "Tatort". "Animals" hieß die Episode damals. Seitdem haben sie bislang in 56 Fällen ermittelt und im Januar sind sie 20 Jahre als "Tatort"-Kommissare tätig. Die Zahl der "Tatort"-Folgen (56) übertrifft dabei die Zahl der Odenthal-Krimis (51), da die beiden Bayern im Durchschnitt in mehr Filmen pro Jahr auftauchen. Selbst die Urgesteine Stoever und Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer) kamen übrigens nicht an Batic, Leitmayr und Odenthal heran: Sie ermittelten fast 17 Jahre lang in 41 "Tatorten".

Die Kommissare mit der geringsten Dienstzeit
20 Ermittler haben es laut ARD nie über ihren ersten Fall hinaus geschafft. Zu diesen Eintagsfliegen gehören so prominente Darsteller wie Diether Krebs als Hannoveraner Kommissar Nagel (1979), Christoph Waltz als ORF-Inspektor Passini (1987) und Klaus Löwitsch, der für den HR sogar zweimal als "Tatort"-Ermittler nur einen Fall absolvieren durfte: 1982 als Polizeihauptmeister Rolfs und 1985 als Polizeihauptmeister Dietze.

Der meistwiederholte "Tatort"
… ist den Statistiken des "Tatort-Fundus" zufolge die Schimanski-Folge "Unter Brüdern". Seit der Erstausstrahlung 1990 wurde sie sage und schreibe 24 mal wiederholt: Im längst verblichenen Sender 1Plus, im Ersten, in fast allen Dritten und in ORF1. Legendär wurde "Unter Brüdern", weil es sich um die wohl erste Ost-West-Krimi-Produktion handelte. Schimanski ermittelte damals u.a. mit den DDR-"Polzeiruf"-Kollegen Fuchs und Grawe in Ost-Berlin. Sechs "Tatorte" wurden im Übrigen nie wiederholt, einer wegen unklarer Lizenzrechte, einer wegen umstrittener Äußerungen über Epileptiker, einer wegen Verstöße gegen den Jugendschutz und der 2007er "Tatort" "Wem Ehre gebührt" wegen der Proteste der alevitischen Glaubensgemeinschaft. Auch schön: "Der gelbe Unterrock" mit Nicole Heesters als Oberkommissarin Buchmüller wurde seit der Premiere 1980 ebenfalls nie wiederholt. Grund: mangelnde künstlerische Qualität.

Die erste Kommissarin
Apropos Oberkommissarin Buchmüller. Nicole Heesters war 1978 die erste weibliche Ermittlerin in der Krimireihe. Sie brachte es aber nur auf drei Fälle, nach dem offenbar so schlechten "gelben Unterrock" war 1980 Schluss. Seitdem kamen mit Karin Anselm als Hanne Wiegand, Hannelore Elsner als Lea Sommer, Ulrike Folkerts als Lena Odenthal, Eva Mattes als Klara Blum, Andrea Sawatzki als Charlotte Sänger, Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm, Sabine Postel als Inga Lürsen und Simone Thomalla als Eva Saalfeld zwar noch einige Ermittlerin dazu, doch auch im Jahr 2010 ist der "Tatort" noch weitgehend Männersache. Immerhin: 2011 stoßen mit Nina Kunzendorf (ermittelt zusammen mit Joachim Król für den hr), Sibel Kekilli (ermittelt mit Axel Milberg für den NDR) und Sofia Milos (ermittelt mit Stefan Gubser für das Schweizer Fernsehen) drei weitere Frauen ins "Tatort"-Team.

Die aktivsten Regisseure und Autoren
… heißen Hartmut Griesmayr und Felix Huby. Regisseur Griesmayr hat zwischen 1979 und 2007 insgesamt 26 "Tatorte" inszeniert, darunter 11 Bienzle-Folgen und ein paar Filme mit den NDR-Legenden Stoever und Brockmöller. Ansonsten stammen mittlerweile auch 45 "Der Alte"-Episoden von Griesmayr – dort ist er immer noch aktiv. Auch Felix Huby hat seinen ersten Platz im Autoren-Ranking Kommissar Bienzle zu verdanken. Für fast alle der 25 Bienzle-"Tatorte" verfasste Huby die Drehbücher, insgesamt kam er zwischen 1981 und 2007 auf 33 Folgen. Noch aktiv ist Huby übrigens beim "Großstadtrevier": Hier schrieb er bis heute die Drehbücher für 35 Episoden.

Der erfolgreichste Kommissar
… heißt wohl Horst Schimanski. Zwar löste er weder die meisten Fälle, noch verfügt er über Rekord-Zuschauerzahlen oder die längste Dienstzeit. Aber: Schimanski war der einzige Ermittler, der die "Tatort"-Reihe ins Kino brachte und er ist der einzige Kommissar, der auch nach seinem "Tatort"-Ausstieg als Figur noch weiterlebt. Die beiden Schimanski-Kinofilme hießen "Zahn um Zahn" und "Zabou" – sie kamen 1985 und 1987 ins Kino und lockten immerhin 2,7 Mio. bzw. 1,5 Mio. Krimifans in die Kinos. Nach seinem "Tatort"-Ausstieg – Schimanski löste zwischen 1981 und 1991 insgesamt 29 Fälle – gab es 1997 ein Comeback der von Götz George verkörperten Figur. Die "Schimanski"-Reihe hat es bis zum heutigen Tag auf 15 Filme gebracht, der 16. wird voraussichtlich 2011 im Ersten zu sehen sein.

Die erfolgreichste Tatort-Musik
.. stammt ganz klar aus den 80er Jahren. Damals wurden für die Krimireihe oftmals spezielle Titelsongs komponiert, bzw. bereits existierende Songs durch den Einsatz im "Tatort" zum Megahit. Bestes Beispiel hierfür ist wohl das von Dieter Bohlen komponierte und von Chris Norman gesungene "Midnight Lady", das nach dem Schimanski-"Tatort" "Der Tausch" sechs Wochen die deutschen Charts anführte und sich insgesamt 900.000 mal verkaufte. Auch Klaus Lages "Faust auf Faust" wurde durch einen "Tatort" bekannt – den Schimanski-Kinofilm "Zahn um Zahn". Der Song befand sich 22 Wochen lang in den deutschen Single-Charts, höchste Platzierung war Rang 10. Legendär ist auch die Musik, die die Band Can, 1973 für die Folge "Tote Taube in der Beethovenstraße" schrieb. "Vitamin C" ist noch heute einer der bekanntesten Songs der Band.

Die prominentesten Nebendarsteller
Schon immer absolvierten Prominente Gastauftritte in der Krimireihe – und zwar sowohl prominente Schauspieler, als auch Politiker, Sportler und andere bekannte Personen, die nichts mit dem Schauspiel zu tun hatten. Einer der bekanntesten Fälle ist dabei wohl der Fremdschäm-Auftritt von Berti Vogts ("Es riecht nach Gas! Gib dem Kaninchen eine Möhre extra!") im Stoever/Brockmöller-"Tatort" "Habgier" 1999. Andere prominente "Tatort"-Gäste waren u.a. Ernst Dieter Lueg und Friedrich Nowottny 1972, Udo Lindenberg 1974, Dieter Bohlen 1988 ("Schwein Du! Wir wollten heiraten!"), Dieter Thomas Heck 1992, Rudolph Moshammer 1995, Anke Engelke und Ingolf Lück 1997, Karl Moik (als Gerichtsmediziner!) 2000, Roger Moore 2002 und Jörg Pilawa 2008.

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