Stern-Autor Luik bekommt Leuchtturm-Preis

Der diesjährige Leuchtturm-Preis steht unter dem Zeichen von Stuttgart 21: Der "Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen" von Netzwerk Recherche geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an Heiner Geißler, Andreas Zielcke (Süddeutsche Zeitung) und den Stern-Autor Arno Luik. Allesamt haben sich laut Jury durch ihre Aufklärungsarbeit zum Bauprojekt verdient gemacht. Geißler habe gar "Demokratie-Geschichte geschrieben", sagte der Vorsitzende der Journalistenvereinigung, Thomas Leif.

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"Die Preisträger haben durch ihre Recherchen Licht in das Dunkel rund um Stuttgart 21 gebracht und viele vermeintliche Fakten als Blütenträume der Planer entlarvt", sagte Leif zur Begründung der Preisvergabe. Geißler, der als Vermittler im Konflikt um das Stuttgarter Großbauprojekt agiert, habe mit seiner präzisen Fragetechnik und nüchternen Sachverhaltsaufklärung in den Schlichtungsverhandlungen die Öffentlichkeit hergestellt, die jahrzehntelang von allen Akteuren vernachlässigt wurde. Trotz der anfänglichen Verwirrungen die der Bundesminister a.D. um einem möglichen Baustopp ausgelöst hatte, kommt Leif zu dem Schluss: "Damit hat Heiner Geißler schon heute Demokratie-Geschichte geschrieben."
Zielcke entkräftet in seinem Beitrag "Der unheilbare Mangel" die Unterstellung der Projektverantwortlichen, die Stuttgart-21-Gegner hätten genügend Gelegenheiten zur Mitsprache gehabt. Mit einem Blick in die Akten vollzieht Zielke historisch nach, wie viele Möglichkeiten für Eingaben, Widersprüche und Alternativvorschläge die Kritiker wirklich gehabt haben. Damit habe der SZ-Autor die Widersprüche und Verfahrens-Tricks im S21-Genehmigungsverfahren "mit chirurgischer Präzision analysiert und damit auch den Wert der klassischen Archiv-Recherche in Erinnerung gerufen", erklärte Leif.
Im Herbst machte Luik in einer Artikel-Serie für den Stern zahlreiche Dokumente und geheime Akten zu dem Infrastruktur-Projekt öffentlich, mit denen sich die teilweise chaotischen Verhältnisse in der Bauplanung aufzeigen ließen. So veröffentlichte er unter anderem Briefe an die DB Projektbau AG, in denen "das Risikopotenzial" beklagt wurde, weil "rohbaurelavante Angaben" für die vorgesehenen Tunnelarbeiten fehlten. "Die Stern-Recherchen lieferten belastbare Fakten statt bestellter Wahrheiten der Investoren", so Leif.
Mit dem Medienpreis Leuchtturm zeichnet Netzwerk Recherche einmal pro Jahr außergewöhnliche Recherchen aus, die für den öffentlichen Diskurs von großer Bedeutung sind. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro. Der Leuchtturm-Preis wird am Mittwoch, 24. November 2010, ab 19 Uhr beim SWR in Mainz in einer Feier während des MainzerMedienDisputs verliehen. Die Laudatio hält die taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Die Verleihung ist per Stream live im Internet zu sehen.

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