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„Führungskrise bei MDS wird zur Posse“

Die Medienredaktionen dieser Republik blicken gespannt nach Köln: Wann gibt Konstantin Neven DuMont, der "außer Rand und Band geratene Verlagssprössling" (Horizont), das nächste Interview in der Hoffnung, seinem Vater endlich eine Reaktion zu entlocken? Während der Altverleger schweigt, beschäftigen sich FAZ, Süddeutsche & Co. mit der Frage, wie es in der "Posse" (FAZ) weitergeht. "Der 83-jährige Verleger steht vor dem Problem, keinen Nachfolger zu haben" (Abendblatt).

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Christina Maria Berr, Sueddeutsche.de
"Selten hat ein Unternehmer so die eigenen Produkte heruntergeredet. Er sei fest davon überzeugt, dass seine Anteile in den nächsten Jahren an Wert verlieren, "weil das alte Geschäftsmodell immer schlechter funktioniert", sagt Konstantin Neven DuMont. Er sei froh, dass sich jetzt sein Bekanntheitsgrad erhöhe."

"Dieser schweigt bislang zu den Äußerungen seines Sohnes. Derzeit "ruhen" die Ämter von Konstantin Neven DuMont. Und was aus ihm wird, darüber redet auch die Familie DuMont Schütte mit, ein Teil der Kölner Dynastie. Hier dürften die jüngsten Krawall-Interviews wenig Lust entstehen lassen, den twitterfreudigen Rebellen beispielsweise in den Aufsichtsrat aufzunehmen."

Michael Hanfeld, Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Die Führungskrise im Verlag M. DuMont Schauberg wird zur Posse."

"Einen solchen Führungsstreit zwischen dem Filius, der sich um Kopf und Kragen redet, und dem Altverleger Alfred Neven DuMont kann sich der Verlag im Augenblick am wenigsten leisten. Weder bei der „Rundschau“ noch im Berliner Verlag stehen die Dinge zum Besten."


Kai-Hinrich Renner schreibt im
Hamburger Abendblatt
"Doch hinter seiner via ‚Bild‘ übermittelten Rücktrittsforderung verblasst die Affäre. Bei MDS ist man buchstäblich sprachlos."

"Wie es nun weitergeht, ist unklar. Der 83-jährige Verleger steht vor dem Problem, keinen Nachfolger zu haben. Sein ältester Sohn Markus starb 1995. Tochter Isabella verspürt offenbar keine Neigung, ins Verlagsgeschäft einzusteigen. Und Konstantin, der stets als etwas seltsam galt, hat sich durch seine sonderbaren Interviews wohl endgültig desavouiert."


Joachim Huber kommentiert im Tagesspiegel

"Konstantin Neven DuMont trägt sein Herz auf der rheinischen Zunge. Keineswegs so unnahbar und auf Statusgrenzen bedacht wie sein Vater, ist er ein umgänglicher Typ. (…) Bei seinem 40. Geburtstag sagte er, ‚ich stehe zu meinen Schwächen‘. Die Zweifel sind immens gewachsen, ob der Kronprinz die Führungsstärken für ein Medienunternehmen in Zeiten des digitalen Umbruchs besitzt."

"Alfred Neven DuMont steht vor der Herausforderung, ob er über ein Stiftungsmodell die Macht an Manager delegiert und nur noch den Traditionsnamen bewahren will – oder seinen Drittgeborenen herrschen lässt."

Andrea Seibel vergibt in der Welt die Kopfnote 5
"Er trägt einen berühmten Namen und daran offenbar schwer."

"Die einen sagen nun, der Sohn sei entmachtet, er selbst spricht von einer "kreativen Auszeit". In Interviews sagt er, das Komische seines Hauses sei, dass niemand wisse, wer wirklich der Chef ist. O weh. Seine Tweets klingen wie folgt: ‚Juhu, heute beginnt mein Urlaub.’"

Für Werben und Verkaufen analysiert Julia Kloft die wirtschaftliche Situation des Medeinhauses:
"Die Lage bei DuMont ist insgesamt sehr angespannt. Für das Jahr 2010 erwartet der Konzern, der 2009 24,5 Millionen Euro Verlust einfuhr, ebenfalls keine deutliche Verbesserung. Die Liquidität der Gesellschaft sei im Geschäftsjahr 2009 durch zwei Gesellschafterdarlehen von insgesamt acht Millionen Euro gestärkt worden, heißt es im Lagebericht. Die Werbeumsätze würden ‚eher noch weiter sinken’".

Horizont-Chefredakteur Volker Schütz kommentiert
"Je länger der 83-Jährige schweigt, desto zorniger wird der 41-jährige Sohn, desto zerrütteter wird das Vater-Sohn-Verhältnis, desto mehr gerät das Medienhaus MDS nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch in eine (Image-)Schieflage. Wetten: Der derzeit so schweigsame Vater wird demnächst ein Machtwort sprechen – ob damit der Familienfriede wieder hergestellt wird, ist zu bezweifeln. Und Konstantin Neven DuMont kann man nur raten: schweigen, in Urlaub fahren und möglichst Mikrophonen und Internet-Rechnern aus dem Wege gehen."

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