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FTD.de beim Abkupfern erwischt

Mit Medien und dem Abschreiben ist das so eine Sache. Hat ein Medium eine exklusive oder interessante Nachricht, wird diese von anderen Medien gerne übernommen. So haben zahlreiche Medien, auch MEEDIA, über das aufsehenerregende Focus-Interview mit Konstantin Neven DuMont  berichtet, in dem dieser einen Machtkampf mit seinem Vater vom Zaun bricht. Bei FTD.de, dem Online-Auftritt […]

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Mit Medien und dem Abschreiben ist das so eine Sache. Hat ein Medium eine exklusive oder interessante Nachricht, wird diese von anderen Medien gerne übernommen. So haben zahlreiche Medien, auch MEEDIA, über das aufsehenerregende Focus-Interview mit Konstantin Neven DuMont  berichtet, in dem dieser einen Machtkampf mit seinem Vater vom Zaun bricht. Bei FTD.de, dem Online-Auftritt der Financial Times Deutschland, hat man sich freilich nicht die Mühe gemacht, das Interview in einem eigenen Text zu würdigen. FTD.de hat einfach den Bericht des Branchendienstes kress.de genommen und fast Wort für Wort, bis in kleinste Formulierungen hinein, auf die eigene Seite übernommen.

So fängt der Artikel bei kress.de an:

“Konstantin Neven DuMont, 41, lässt weiter Dampf ab. Nachdem er am Freitag der "Bild" anvertraute, sich nicht aus dem Vorstand von M. DuMont Schauberg "abschießen" zu lassen, schwingt er nun im Interview mit dem "Focus" und erneut in "Bild" die Verbalkeule auch direkt gegen seinen Vater, den Verlagspatriarchen Alfred Neven DuMont.”

Und so fängt der Artikel zum selben Thema bei FTD.de an:

“Konstantin Neven DuMont, 41, lässt weiter Dampf ab. Nachdem er der "Bild" anvertraute, sich nicht aus dem Vorstand von M. DuMont Schauberg (MDS) "abschießen" zu lassen, schwingt er nun im Interview mit dem "Focus" die Verbalkeule auch direkt gegen seinen Vater, den Verlagspatriarchen Alfred Neven DuMont.”

Auch später gleichen sich beide Texte bis in Details hinein. Nur unwesentliche Kleinigkeiten haben die FTD.de-Redakteure am kress.de-Text abgeändert, zum Beispiel die Abkürzung MDS für den Verlag in Klammern eingefügt.

An einigen anderen Stellen, wurde ein ganz kleines bisschen mehr umformuliert. Aber wirklich nur ein ganz, ganz kleines bisschen.

kress.de:

“Konstantin Neven DuMont bekräftigt im "Focus" einerseits seinen Willen zur Macht (in drei Wochen wolle er wieder "angreifen" und "Gas geben"), andererseits stellt er aber auch seinen eigenen Rückzug in Aussicht: "So, wie das Unternehmen jetzt geführt wird, möchte ich dort auf Dauer nicht langfristig investiert sein."

FTD.de:

“Konstantin Neven DuMont bekräftigt im "Focus" seinen Führungsanspruch: "Ich bin jung, voller Tatkraft, habe viele Projekte vor, habe als Vorstand und Herausgeber alle Möglichkeiten in der Hand, in Zukunft mitzuagieren. (sic!)" In drei Wochen wolle er wieder "angreifen" und "Gas geben".

Ich habe bei den Kollegen von kress (wo ich früher selbst Mitarbeiter war) nachgefragt: Niemand von FTD.de hat sich bei ihnen erkundigt oder um Erlaubnis gefragt, den Text übernehmen zu dürfen. Für das Online-Angebot einer renommierten Wirtschaftszeitung ist die Sache doppelt peinlich. Einmal ist es ein Unding, einen Text ohne Nachfrage fast wörtlich zu übernehmen. Und zum zweiten geht es um eine Focus-Geschichte, die man bei der FTD.de genauso gut auch selbst hätte nacherzählen können.

Die kress-Redaktion nahm die unrühmliche Text-Übernahme mit Humor. In der Gag-Rubrik Chuck-Norris-Fact-des-Tages schrieb sie:

“Chuck Norris sorgt dafür, dass die "FTD" nie wieder Meldungen von "kress.de" wortwörtlich abschreibt.”
Update: Ein Sprecher der FTD teilte mittlerweile mit, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe. Es sei von einem Mitarbeiter der falsche Text editiert worden. Man könne sich bei kress dafür nur entschuldigen. Mittlerweile hat die FTD ihren Text offline gestellt. Wer noch vergleichen möchte: Hier ist er noch online zu finden.

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