Bei DuMont droht der offene Machtkampf

Angefangen hat alles als Kommentar-Affäre in einem Webblog. Mittlerweile entwickelt sich die turbulente Personalie Konstantin Neven DuMont zu einer Zerreißprobe für die Kölner Mediengruppe, in der sich ein offener Machtkampf um die Führung von M. DuMont Schauberg anbahnt. Im am Montag erscheinenden Focus platziert der beurlaubte Vorstand eine Kampfansage: "Ich will weiter Gas geben." Zudem macht der 41-Jährige erstmals seinem Vater Vorwürfe und droht, Kapital aus dem Unternehmen abzuziehen.

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"So, wie das Unternehmen jetzt geführt wird, möchte ich dort auf Dauer nicht langfristig investiert sein", sagte Neven DuMont dem Münchner Nachrichtenmagazin. Lieber wolle er sein Kapital "abziehen und in Geschäftsmodelle investieren, die eine Zukunft haben". In dem Gespräch mit dem Focus blieb er auch bei seiner Version in der Frage, ob er beuraubt ist und seine Vorstandsämter und Herausgebertätigkeiten auf unbestimmte Zeit ruhen oder nicht. Neven DuMont bekräftigte noch einmal, dass er mit seinem Vater besprochen habe, dass er "jetzt erstmal drei Wochen Urlaub" mache, "damit sich die Wogen glätten und ich danach wieder angreife". Zur Begründung führte er an, er sei "jung, voller Tatendrang, habe viele Projekte vor".
Der Kölner, der in dem Familienunternehmen als Vorstand unter anderem auch für Strategie zuständig ist, sagte ferner, er habe sich nicht immer mit seinen Ideen und Konzepten durchgesetzt zu haben: "Sie wurden zum Teil unterwandert." Neven DuMont zeichnete dabei ein besorgniserregendes Bild von den Machtstrukturen in der Verlagsdynastie. Im Unternehmen seien "sehr viele Kräfte unterwegs, die in unterschiedliche Richtungen wollen". Durch die "sehr problematische Übergabe der Nachfolge in unserem Fall" sei „ein Machtvakuum" entstanden, welches sich "jetzt in der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens“ widerspiegele. Der 41-Jährige scheint der Überzeugung zu sein, dass deshalb jeder Verlagsmitarbeiter gemacht hätte, "was er will".
Verantwortlich dafür macht er auch seinen Vater Alfred Neven DuMont. "Ich hätte es gut gefunden, wenn ich ihn stärker hätte ablösen können", sagt der Sohn. Denn dann wäre "für alle klar, was ich sage, ziehen wir auch durch". Dem Patriarchen Alfred Neven DuMont wirft Sohn Konstantin vor, er blicke "bei der Digitalisierung und den nötigen Veränderungen der Geschäftsmodelle nicht so richtig durch". Der Vater sei "von der alten Schule und glaubt, Tageszeitungen funktionieren irgendwie".
Man müsse sich aber nur die zum Unternehmen gehörende Frankfurter Rundschau ansehen, um zu wissen, "dass das so nicht die Zukunft ist". Für die FR, deren Herausgeber er ist, kündigte Konstantin Neven DuMont harte Einschnitte ein. Das Blatt müsse in die schwarzen Zahlen gebracht werden. Das gehe, "solange keine digitalen Erlöse voraussehbar sind, nur über die Kostenseite". Da werde "in den nächsten Monaten noch einiges passieren".
Fest seht für den Verlegersohn, dass ein "Weitermachen wie bisher (…) automatisch mit der Vernichtung von Familienvermögen einher" gehe. Das Verlagshaus hatte erst vor wenigen Tagen klar gestellt, dass sämtliche Ämter des Verlegersohns entgegen dessen Angaben bis auf Weiteres ruhen. Mit dem Focus-Interview wird nun deutlich, dass es zum offenen Bruch gekommen ist. Nun wartet die Branche auf eine verbindliche Klarstellung, die wohl nur von Alt-Verleger Alfred Neven DuMont kommen kann. Der hat sich bislang in der Sache noch nicht geäußert – ob das nach den Verbalattacken seines Sohns gegen ihn so bleibt, scheint zweifelhaft.

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