Newsweek heiratet das Daily Beast

Es ist ein wegweisender Deal für den digitalen Wandel in der Medienwelt. Das traditionsreiche, aber ausgeblutete Print-Magazin Newsweek und die aufmerksamkeitsstarke, aber ertragsschwache Website “The Daily Beast” gehen in einer gemeinsamen Firma auf und sollen eine gemeinsame Redaktion bekommen. Chefin beider Medien wird “Daily Beast”-Gründerin Tina Brown. Sie war bereits Chefredakteurin vom New Yorker und von Vanity Fair.

Anzeige

Nachdem das von ihr entwickelte Hochglanzmagazin Talk in Folge der Anzeigenkrise nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York eingestellt werden musste, wandte sich Tina Brown nach einer Zeit als Autorin, Kolumnistin und TV-Talkerin 2008 dem Online-Geschäft zu. Für den Finanzier Barry Diller entwickelte und gründete sie die Website “The Daily Beast”. Eine Online-Magazin, das sowohl exklusive Geschichten recherchiert als auch aggregiert.

Der Medien-Unternehmer Diller hat mit seiner Inter Active Corp (IAC) ein beachtliches Konglomerat an Internet-Unternehmen und Beteiligungen zusammengekauft, darunter die Suchmaschine Ask.com, TicketMaster, Match.com und die Video-Website Vimeo. Schon länger war die Rede davon, dass er als Ergänzung zum publizistisch beachteten, aber kommerziell schwierigen “Daily Beast” ein Print-Magazin sucht.

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches saß der 92-jährige Sidney Harman, der die sieche Newsweek für den symbolischen Preis von einem US-Dollar der Washington Post abgekauft hat. Er war auf der Suche nach einer journalistischen Frischzellenkur für das personell, inhaltlich und finanziell ausgezehrte Blatt, das einst zu den klangvollsten Namen der US-Medien zählte. Für Tina Brown ist der Deal wiederum die Chance, sich erneut als Magazin-Macherin zu beweisen. Sie wird journalistisch die Verantwortung als Chefredakteurin für beide Publikationen haben, die aber ihre jeweils eigene Tonalität behalten sollen.

Der Zusammenschluss zeigt auch, in welche gegenseitigen Abhängigkeiten Print- und Online-Medien verstrickt sind. Die neue Newsweek Daily Beast Company könnte im besten Fall den Beweis antreten, dass beide Welten besser zusammenpassen, als mancher glauben mag.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige